Gewinnmitnahmen drücken den Nikkei-Index
Japans Börse hofft auf Koizumis Wahlsieg

Kurz vor den japanischen Parlamentswahlen am Wochenende geraten die Finanzmärkte in Tokio ins Schlingern. Am Donnerstag fiel der Nikkei-225-Index um gut 2,6 % auf 10 552,30 Punkte. „Es gibt ein paar zittrige Hände, die befürchten, dass Koizumi nicht wieder gewählt wird“, sagt Michael Neppert, Japan-Experte der Fondsgesellschaft Dit.

fu/rad/rp TOKIO/DÜSSELDORF. Die Wahrscheinlichkeit hierfür sei aber äußerst gering: „Koizumi ist in Japan sehr gut angesehen und der Opposition fehlen die richtigen Gegenkandidaten.“

Seit Ende Mai ist der Nikkei-Index von unter 8 000 auf zeitweise mehr als 11 000 Punkte gestiegen. Neben der konjunkturellen Erholung wird auch die Reformpolitik Koizumis mit dem Aufschwung in Verbindung gebracht. Gerade bei ausländischen Investoren steht der Name Koizumi für Stabilität.

Ein Regierungswechsel wäre mit hohen Unsicherheiten und entsprechendem Verkaufsdruck verbunden, zumal die Opposition in ihrem finanzpolitischen Programm sehr vage geblieben ist. Laut Tetsufumi Yamakawa, Chefökonom für Japan bei Goldman Sachs, ist ein solches Szenario an den Märkten kaum eingepreist. Doch er rät zur Vorsicht: „Im Falle eines Kopf-an-Kopf-Rennens“ zwischen DPJ und LDP könnten die Kursschwankungen an den Märkten stark zunehmen.

Zwar gilt das Schreckensszenario einer Abwahl Koizumis als sehr unwahrscheinlich, aber auch ein nur knapper Wahlerfolg der LDP könnte am Markt vorübergehend für Unruhe sorgen – nicht nur bei den Aktien. Sollte die LDP die Mehrheit im Unterhaus deutlich verfehlen, wird in Japan ein starker Verkaufsdruck am Bondmarkt erwartet. So würde der Druck auf Koizumi steigen, seine vergleichsweise sparsame Ausgabenpolitik zu lockern und mehr Schuldpapiere zu emittieren – auch mit Blick auf die im kommenden Sommer angesetzten Oberhauswahlen.

Dagegen könnte eine klare Bestätigung des Regierungschefs dem Markt neuen Schwung geben. Tokioter Marktkreisen zufolge hoffen die Anleger in diesem Fall auf eine Fortsetzung der von Koizumi angestrengten Strukturreformen, ein Bekenntnis zum beschleunigten Aufräumen im überschuldeten Bankensektor und ein weiteres Abspecken im Staatshaushalt. Mit der Wiederwahl blieben „Fiskalpolitik und Bankenregulierung unverändert“, meint auch Goldman-Experte Yamakawa. Dies entspreche zwar der Markterwartung, würde aber sowohl die Aktien- als auch die Anleihenkurse nach oben treiben. Auch der Kurs des Yens würde zulegen – zumindest vorübergehend.

"Das einfache Geld ist gemacht"

Michael Neppert vom Dit sieht für den japanischen Markt aber insgesamt nur noch ein moderates Aufwärtspotenzial: „Das einfache Geld ist gemacht, zwei Drittel der Kursbewegung liegt hinter uns“, schätzt er. „In den vergangenen Wochen haben wir gesehen, dass sich der Nikkei mit der Marke von 11 300 Punkten sehr schwer tut.“ Andererseits sei der Markt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18 bis 21 für japanische Verhältnisse noch recht günstig. „10 bis 20 % Kursgewinn sollten daher noch drin sein, viel mehr aber nicht“, so das Fazit des DIT-Experten.

Mit Blick auf den japanischen Yen befürchten die Ökonomen der Credit Suisse First Boston (CSFB), dass ein sehr schwaches Resultat der LDP die japanische Währung unter Druck setzen könnte. Die Ursache: eine von ausländischen Investoren angetriebene Verkaufswelle. Diese Abschwächung wäre aber voraussichtlich nur temporärer Natur – nicht allein wegen der jüngst robuster gewordenen Konjunkturdaten aus Japan. Für eine weitere langfristige Yen-Aufwertung spricht nach Einschätzung der CSFB auch die schwindende Bereitschaft Washingtons, die Devisenmarktinterventionen der japanischen Regierung zur Schwächung des Yens länger zu tolerieren.

Bei aller Vorsicht betonen die CSFB-Ökonomen allerdings auch, dass japanische Wahlen bisher wegen der hohen politischen Stabilität – Kritiker sprechen von Unbeweglichkeit – seit jeher eher geringen Einfluss auf die Börse hatten. Sie haben berechnet, dass es im Nachzug zu den letzten acht Wahlen nur zweimal zu einer Kurskorrektur kam. Hinzu komme, dass Japans jüngste Börsenhausse vor allem auf der weltweiten Markterholung und den Restrukturierungsmaßnahmen japanischer Unternehmen beruht.

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