Gewinnwarnung, Chef-Rücktritt
Hochtief wird an der Börse geprügelt

Mitten in der Übernahmeschlacht muss der Kapitän von Bord. Tiefrote Zahlen aus Australien brachten das Fass zum Überlaufen. Der Aktienkurs von Hochtief ist seit drei Handelstagen im Sinkflug, verlor mittlerweile schon 18 Prozent.
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FrankfurtFührungswechsel, Gewinnwarnung, Kursabsturz: Beim Essener Baukonzern Hochtief überschlagen sich die Ereignisse. Der bisherige Chef Herbert Lütkestratkötter nimmt mitten in der Übernahmeschlacht mit dem spanischen Baukonzern ACS seinen Hut. Zudem müssen die Essener ihre Gewinnziele senken – Grund ist ein tiefes Minus bei der australischen Tochter Leighton. An der Börse reagierten die Anleger geschockt. Den dritten Handelstag in Folge stoßen sie massiv Anteile ab. Die Hochtief-Aktie verlor bis zum Nachmittag über neun Prozent auf 62,40 Euro.

Lütkestratkötter wird mit Ablauf der ordentlichen Hauptversammlung am 12. Mai aus dem Vorstand ausscheiden. Er galt als Spitze des Widerstands gegen die Übernahme durch den spanischen Konkurrenten ACS. Zuletzt verhandelte er nach eigenen Angaben mit dem Großaktionär über einen Vertrag, in dem das Miteinander beider Unternehmen geregelt werden sollte. Lütkestratkötters Nachfolger wird Frank Stieler, der seit 2009 das Hochtief-Europageschäft verantwortet. Laut Aufsichtsratskreisen ist er Wunschkandidat des Hochtief-Großaktionärs ACS.

Zum Führungswechsel dürften auch die aktuell schlechten Geschäfte beigetragen haben: Die australische Tochter Leighton – bislang Ertragsperle von Hochtief – prognostizierte einen Verlust von 312 Millionen Euro für das im Juni endende Geschäftsjahr, nachdem das Unternehmen bisher von einem Gewinn von 350 Millionen Euro ausgegangen war. Die Australier kämpfen unter anderem mit Verspätungen und Kostenexplosionen beim Bau einer Entsalzungsanlage in Melbourne. Außerdem wurde ein Großprojekt am Flughafen in Brisbane durch die Flutkatastrophe Anfang des Jahres zurückgeworfen.

Die Probleme von Leighton durchkreuzen auch das Gewinnziel von Hochtief. Die Essener müssen den über Jahre erfolgsverwöhnten Australiern bei einer Kapitalerhöhung mit 300 Millionen Euro unter die Arme greifen, um den Anteil von knapp 55 Prozent zu halten. Nebenbei veräußert Hochtief gerade seine Anteile am Unternehmen Concessions. Das dämpft die Verluste aus der Leighton-Beteiligung, dürfte aber insgesamt trotzdem dazu führen, dass Hochtief in diesem Jahr nur die Hälfte seines Vorsteuergewinns des Vorjahrs einfährt, teilte das Management mit. 2010 hatte der Konzern vor Steuern 757 Millionen Euro verdient, der Überschuss lag bei 288 Millionen Euro. Ursprünglich wollte man in diesem Jahr unterm Strich 600 Millionen Euro verdienen. Doch daraus wird nun nichts. „Der Konzerngewinn wird über dem Konzerngewinn des Vorjahres erwartet“, hieß es aber. Die Ergebnisprognosen für 2012 und 2013 seien nicht beeinträchtigt.

Bis zum Nachmittag hatten fünf Analysten beim Nachrichtenportal Bloomberg eine neue Empfehlung zur Hochtief-Aktie herausgegeben: Marc Gabriel vom Bankhaus Lampe, Frank Laser von Warburg und Marc Nettelbeck von der DZ Bank raten weiterhin zum Kauf und sehen für den Kurs derzeit noch Potenzial bis etwa 85 Euro. Ingbert Faust von Equinet jedoch ist weniger optimistisch. Bei einem Kursziel von 60 Euro rät er jetzt zum Verkauf der Papiere.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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