Gewinnwarnung wirkt nach
Praktiker stürzt weiter ab

Mit seiner Gewinnwarnung hat der Baumarktkonzern Praktiker die Anleger vergrätzt. Auch zu Wochenbeginn geht es für die Aktie wieder kräftig abwärts. Die Anleger flüchten zur Konkurrenz.
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Die Aktie der Baumarktkette Praktiker hat ihre steile Kellerfahrt zu Wochenbeginn fortgesetzt. Die Aktionäre scheinen immer noch von der Gewinnwarnung des Baumarktkonzerns schockiert zu sein. Die aktuellen Abstufungen durch die Analysten kommen noch negativ dazu. Am Vormittag lagen die Aktien fast elf Prozent im Minus bei 4,26 Euro. Bereits am Freitag waren die Papiere um rund 17 Prozent eingebrochen. Seit ihrem Jahreshoch bei 8,84 Euro im März haben sich Praktiker-Aktien damit mehr als halbiert.

Praktiker hatte am Freitag kurz vor Handelsschluss mitgeteilt, dass die Umsatz- und Ertragsentwicklung in Deutschland im zweiten Quartal hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei. Auch das schwierige wirtschaftliche Umfeld in der für den Konzern bedeutenden Region Südost- und Osteuropa belastete den Angaben zufolge das Geschäft.

Der Einzelhändler will vom Image als Billiganbieter wegkommen und verzichtet deshalb auf seine bekannten "20 Prozent auf alles"- Aktionen, mit denen die Kette Anfang 2010 noch großflächig geworben hatte. Aufgrund dessen kam es bereits im ersten Quartal zu einem Umsatzeinbruch um 19 Prozent.

Das Unternehmen habe sein Schicksal nicht selbst in der Hand, schrieben die Analysten von Cheuvreux in einem Kommentar. Das Unternehmen hänge von den internationalen Märkten ab, da es in Deutschland offenbar auf keinen grünen Zweig komme. Die Analysten senkten das Kursziel von 7,40 auf 4 Euro und bekräftigten ihre Bewertung „underperform“.

Auch der Commerzbank-Experte Jürgen Elfers senkte aktuell seine Einstufung für die Titel angesichts des schwierigen Geschäftsumfeldes in Süd- und Osteuropa von "Hold" auf "Sell" und das Kursziel von 7,00 auf 4,50 Euro

Noch im Juni stufte Analystin Anna Patrice von der Berenberg Bank die Aktie von "Hold" auf "Buy" hoch und begründete dies mit dem Kursrutsch und dem daraus resultierenden Aufwärtspotenzial. Allerdings korrigierte sie ihre Schätzungen für die Baumarktkette nach unten, weil die Geschäftsbedingungen in den wichtigen internationalen Märkten Griechenland und Rumänien weiterhin ausgesprochen schwierig seien.

Ob sich nun risikofreudige Anleger für einen Einstieg finden ist fraglich. Die Anleger scheinen sich beim Konkurrenten Hornbach besser aufgehoben zu fühlen. Dessen Papiere kletterten am Montagvormittag um 4,6 Prozent auf 121,70 Euro und liegen ganz im Gegensatz zu denen von Praktiker in der Nähe des Allzeithochs. Zum Vergleich: Der Rekord bei Praktiker stammt aus dem Jahr 2007 und liegt bei 33,70 Euro.

Martin Barwitzki
Martin Barwitzki
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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