Gewinnwarnungen der Dax-Konzerne
Immer Ärger mit den Prognosen

Noch nie waren Vorhersagen deutscher Unternehmen so unzuverlässig: Die Zahl der Gewinnwarnungen steigt auf ein Rekordhoch – mit deutlichen Auswirkungen auf die Aktienkurse. Welche Branchen besonders enttäuschten.
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FrankfurtImmer mehr deutsche Unternehmen müssen ihre Prognosen nach unten korrigieren. Im ersten Halbjahr 2016 kam es zu 26 Gewinn- oder Umsatzwarnungen. Das war zwar nur eine mehr als im Vorjahreszeitraum. Doch noch im ersten Halbjahr 2011 gaben die Firmen gerade einmal zwölf derartige Warnungen heraus. Das sind die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Beratungsgesellschaft EY.

Ärgerlich sind solche Anpassungen für Anleger vor allem deshalb, weil sie sich negativ auf die Aktienkurse auswirken. Im Schnitt sanken die Kurse der betroffenen Unternehmen am Tag der Gewinnwarnung um sechs Prozent. Eine Woche danach notierte die Aktie sogar durchschnittlich acht Prozent unter dem Wert vor der Ad-hoc-Meldung.

Ein Grund für die gehäuften Prognosekorrekturen: Die starken Schwankungen auf den weltweiten Absatz- und Finanzmärkten machen das Geschäft noch weniger planbar als in der Vergangenheit. „Die aktuellen wirtschaftlichen und politischen Turbulenzen hinterlassen zunehmend Spuren im operativen Geschäft vieler deutscher Unternehmen“, sagt EY-Partner Marc Förstemann. „Entsprechend mussten zahlreiche Unternehmen ihre Ziele nach unten korrigieren.“

Besonders häufig enttäuschten bislang Groß- und Einzelhändler sowie Chemiekonzerne ihre Anleger. Jedes vierte Unternehmen aus diesen beiden Branchen musste im ersten Halbjahr eine Gewinnwarnung herausgeben.

Allerdings übertrafen in dem Zeitraum auch viele Firmen ihre ursprünglichen Vorhersagen: Insgesamt 43 sogenannte Gewinn- oder Umsatzerwartungen wurden veröffentlicht. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 61 Anpassungen nach oben gewesen. Auch dann reagierten die Aktien: Unmittelbar nach der Ankündigung kletterten die Kurse im Schnitt um fünf Prozent. Sieben Tage später schrumpfte das Plus allerdings auf nur noch vier Prozent. „Gewinnwarnungen werden an der Börse stärker bestraft, als Anhebungen der Prognosen belohnt werden“, erklärt Martin Steinbach, Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei EY.

Besonders unzuverlässig sind die Vorhersagen der Dax-Konzerne: Insgesamt 13 Prognosekorrekturen wurden im ersten Halbjahr von den 30 Unternehmen veröffentlicht. In immerhin acht Fällen schraubten sie ihre Erwartungen nach oben – unter anderem Adidas, Fresenius und Vonovia. Fünf Firmen – darunter Deutsche Lufthansa und Commerzbank – passten die Prognosen dagegen nach unten an.

Im Gesamtjahr 2015 mussten 44 Prozent aller Unternehmen im Prime Standard, dem Börsensegment mit den höchsten Transparenzanforderungen, mindestens einmal ihre eigene Prognose kassieren. Für das laufende Jahr rechnet Steinbach mit einem ähnlich hohen Anteil.

Zwar überwogen im ersten Halbjahr noch die positiven Prognoseanpassungen. Doch es deutet sich eine Trendwende an: Während im ersten Quartal noch deutlich mehr Gewinnerwartungen als Gewinnwarnungen publiziert wurden, gab es im zweiten Quartal genauso viele Korrekturmeldungen nach oben wie nach unten. „In den vergangenen Wochen haben sich die konjunkturellen Aussichten spürbar eingetrübt“, beobachtet Förstemann. „Brexit-Votum, Währungsturbulenzen, Terrorangst: Immer wieder sorgen Hiobsbotschaften für Verunsicherung.“

Dass Unternehmen immer häufiger ihre Ziele verfehlen, führt der Experte auch auf unzureichende Prognosemodelle zurück: „Viele Unternehmen sind damit überfordert, in ihren Modellen die komplexen Realitäten abzubilden.“ In einigen Fällen habe die Unternehmensleitung zudem keinen vollständigen Überblick über die aktuelle Lage im Konzern. „Gerade weit entfernte Vertriebs- und Produktionsstandorte sowie jüngst zugekaufte Konzernteile führen mitunter ein gefährliches Eigenleben“, stellt Förstemann fest. Das alles spricht dafür, dass die Prognosen wohl auch weiterhin sehr ungenau bleiben dürften.

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  • Wieso kann ein Land VW verklagen wegen Aktienkursschwankungen, zahlt das Land die Gewinne der letzten Jahre dann vorab zurück?! Ich hoffe sehr, dass die Rücklagen für Beamte im schwaren Loch verschwinden. Die sollen wie wir alle in die Rentenkasse einzahlen und entsprechend Rente erhalten wie wir alle! Mittlerweile besteht doch Lug und Trug an der breiten Bevölkerung und das flächdeckend. Von Politik, Banken und Konzernen.

    Aber letztlich wird die Natur sich ihr Recht zurückholen, mal schauen, wann es soweit ist und vor allem, wann wir es merken.....

  • Großkonzerne sind eh überflüssig, werden nicht wirklich gebraucht. Mit Handwerk und Mittelstand leben wir besser.

    Banken sind mittlerweile ebenfalls in letzter Konsquenz überflüssig.

    Mit Geld sollte lediglich dazu dienen reale Werte und Eigentum zu erlangen.

  • Schon Karl Valentin hat erkannt: Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Er hätte sich aber wohl die Augen gerieben, wenn er erlebt hätte, wie volatil in unserer Zeit alles geworden ist. Angefangen von Aktienkursen bis hin zum Wählerverhalten. Das Denken in immer kürzeren Zeiträumen hat langfristige Strategien weitgehend verdrängt. Eine gute Entwicklung? Wohl kaum.

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