Größter Börsengang seit der Deutschen Post
Ein starker Motor für die Börse

Der Motorenbauer Tognum (MTU Friedrichshafen) will den größten Börsengang seit der Deutschen Post im November 2000 schaffen. Was ist die Aktie wert?
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Teuer einkaufen, billig verkaufen – so verkleinert man Aktionärsvermögen. Daimler-Chef Jürgen Schrempp band sich 1998 völlig überteuert Chrysler ans Bein. Nachfolger Dieter Zetsche verschleuderte im März 2006 den Motorenbauer MTU Friedrichshafen für 912 Millionen Euro an den Finanzinvestor EQT. Der gab dem vielfachen Weltmarktführer den Kunstnamen Tognum, strukturierte ein bisschen herum und musste dann nur noch abwarten, dass der weltweite Investitionsboom die Zahlen nach oben schob.

Und siehe da: 2006 wuchs der Umsatz, ohne Zukäufe, um 25 Prozent. Tognum bietet Ingenieurtechnik made in Germany vom Feinsten, "genau das, was Investoren im Moment haben wollen", sagt ein Investmentbanker, der den größten Börsengang (IPO) seit dem Debüt der Post im Herbst 2000 mit vorbereitet hat. Kerngeschäft sind Bau und Verkauf leistungsstarker Dieselmotoren, die für alle Bereiche außerhalb der Autoindustrie ("off Highway") eingesetzt werden: in Rennyachten und Schnellfähren, in Dieseltriebwagen und in 600-Tonnen-Trucks, die rund um die Uhr im Bergbau eingesetzt werden. Nicht zu vergessen der Luxusmarkt: Ein MTU-Motor treibt das Spitzenmodell des italienischen Edelyachtbauers Ferretti auf 52 Knoten (96 Kilometer in der Stunde). "Das ist wie Formel-1-Fahren", schwärmt Tognum-Vorstandschef Volker Heuer, allen Klimasorgen zum Trotz.

Stark ist Tognum auch in der wenig konjunkturanfälligen Rüstungstechnik mit Motoren für Patrouillenboote, Fregatten, Panzer. Der Kampfpanzer Leopard 2 etwa läuft mit einem 1 500 PS starken Zwölfzylinder-Diesel von MTU. Und rund ein Viertel des Umsatzes von zuletzt gut 2,5 Milliarden Euro macht Tognum mit Energietechnik, zum Beispiel mit großen Generatoren.

Die Friedrichshafener sind auf die Königsklasse des Dieselmotorenbaus spezialisiert: schnell laufende Hochleistungsmotoren, die bis zu 9 100 Kilowatt (12 400 PS) leisten. Ihr finnischer Wettbewerber Wärtsilä baut vor allem langsam und mittelschnell laufende Motoren. Tognum wäre die perfekte Ergänzung des Wärtsilä-Portfolios gewesen. Die Finnen wollten Tognum kaufen, verhandelten bis kurz vor dem Börsengang. Doch EQT rechnet damit, an der Börse mehr herausholen zu können.

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