Großinvestoren sehen Anleiherenditen in einem Jahr kaum über dem jetzigen Niveau
Fondsmanager erwarten baldiges Ende des Zinsanstiegs

Der deutliche Renditeanstieg an den Anleihemärkten wird nach Ansicht von Fondsmanagern schon bald wieder vorüber sein und eine nachhaltige Zinswende damit ausbleiben. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage des Handelsblatts unter Rentenfondsmanagern großer deutscher Kapitalanlagegesellschaften.

HB FRANKFURT/M. In den vergangenen fünf Wochen fiel der Kurs der für die Euro-Zone maßgeblichen zehnjährigen Bundesanleihe zwar um gut drei Prozent. Im Gegenzug stieg ihre Rendite um rund 0,40 Prozentpunkte, nachdem sie Ende September kurz ganz knapp unter die magische Marke von drei Prozent gefallen war. Doch die Mehrheit der befragten Fondsmanager geht davon aus, dass der Anstieg fast vorüber ist. DWS, Activest und Pimco erwarten, dass die zehnjährige Bund-Rendite in einem halben beziehungsweise einem Jahr bei maximal 3,50 Prozent liegt.

„Wir gehen nicht davon aus, dass dies die schon oft geglaubte Wende an den Bondmärkten ist“, sagt Frank Grehl von Activest. Auch Oliver Eichmann von der DWS und Knut Moreth von Union Investment meinen, dass es noch zu früh sei, von einer Wende zu sprechen, und sehen lediglich eine Korrektur. „Die Rendite von unter drei Prozent war fundamental nicht zu rechtfertigen“, sagt Eichmann. Die Korrektur könnte sie innerhalb der nächsten zwölf Monate bis auf 3,75 Prozent steigen lassen, meint Moreth. Kurzfristig sei allerdings ein noch deutlicherer Anstieg drin. Die Gegenbewegung laufe jetzt aber in Bereiche, die viele Marktteilnehmer schon länger angepeilt hätten.

Kritischer ist Timo Schild von Deka Investment, der den Rentenmarkt nach wie vor für überbewertet hält. Im Vergleich zu Aktien und dem Geldmarkt seien Anleihen derzeit nicht attraktiv. Die zehnjährige Bund-Rendite sieht Schild im Bereich zwischen 3,40 und 3,45 Prozent am „Scheideweg“. Beim Übersteigen dieser Marken sei ein rascher Anstieg bis auf 3,80 Prozent ein denkbares Szenario. Damit lägen die Langfristzinsen aber immer noch nur leicht über dem Stand vom Anfang dieses Jahres und deutlich niedriger als Anfang 2004. Der Trend zu sinkenden Renditen hat viele Volkswirte und auch Investoren auf dem falschen Fuß erwischt, die seit Jahren steigende Kapitalmarktzinsen prognostizieren.

Als Auslöser für den jüngsten Anstieg sehen die Fondsmanager unisono die etwas besseren Konjunkturdaten, wie zum Beispiel den Ifo-Index und die vor allem wegen des hohen Ölpreises gestiegene Inflation. „Die Inflationshysterie scheint aber übertrieben, da es nach wie vor kaum Spielraum für einen Anstieg der Kernrate, also der Preise ohne Energie und Lebensmittel, gibt“, sagt Grehl.

Nichtsdestotrotz haben die Daten zur Preisentwicklung die Rhetorik von Vertretern der Europäischen Zentralbank (EZB) in Richtung Leitzinserhöhung verschärft, was die Anleihemärkte ebenfalls belastete. „Der Bondmarkt preist jetzt schon Leitzinserhöhungen der EZB von 0,75 Prozentpunkten auf 2,75 Prozent bis Ende 2006 ein“, sagt Matthieu Louanges der für die Allianz-Töchter Pimco und Dit Rentenfonds managt. Dabei sei jedoch möglich, dass die Notenbank die Leitzinsen weniger stark erhöhe, wenn sie sich auf die voraussichtlich weiter niedrige Kerninflation und das insgesamt recht schwache Wirtschaftswachstum in Euro-Land konzentriere. Louanges hält es deshalb für denkbar, dass die zehnjährige Rendite innerhalb der nächsten zwölf Monate bis auf 2,75 Prozent fällt.

Gestützt werden die Anleihen nach Ansicht der Fondsmanager durch die große Liquidität und den Anlagebedarf von Fonds, Pensionskassen und Versicherern. „Deshalb werden etwas höhere Renditen voraussichtlich wieder Käufer anziehen“, sagt Eichmann von der DWS.

Grehl von Activest rät Anlegern schon jetzt dazu, Anleihen zu kaufen. Louanges von Pimco hält vor allem kurzlaufende Bonds für attraktiv. Moreth von Union Investment rät derzeit ebenfalls zu Anleihen mit eher kurzen Laufzeiten von drei oder vier Jahren. Schild von Deka Investment ist zwar generell pessimistischer für den Rentenmarkt, aber er meint, dass absehbare deutliche Schwächephasen des Marktes zum Einstieg lockten.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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