Gute Aussichten
Neulinge beleben die Wiener Börse

Die Wiener Börse hat in diesem Jahr gute Aussichten, auf sechs Neuzugänge zu kommen: Derzeit läuft der Preisfindungs-Prozess für das Immobilien-Unternehmen CA Immo International. Voraussichtlich am Donnerstag wird der Büromöbelproduzent Bene seine Börsenpläne vorstellen.

WIEN. Spekuliert wird darüber hinaus über einen Börsengang des Industriekonzerns A-Tec, der zum Imperium des Industriellen Mirko Kovats gehört. Mit der österreichischen Post, dem Leuchtenhersteller Zumtobel und dem Automobilzulieferer Polytec sind bereits drei Kandidaten an die Börse gegangen.

Der aktuell laufende Börsengang der CA Immo wird 290 Mill. Euro in die Kasse des Unternehmens spülen, falls der Preis der Aktie etwa in der Mitte der festgelegten Spanne liegt, die von 12,60 bis 14,30 Euro reicht. Aktionäre können allenfalls 49 Prozent des Aktienkapitals erwerben, den Rest behält die Muttergesellschaft, die börsennotierte CA Immobilien Anlagen AG. Das Geld will die Immobilienfirma verwenden, um in neue Märkte in Serbien, Russland und der Ukraine zu investieren, sagte CA Immo-Chef Bruno Ettenauer im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der Börsenkandidat ist auf Gewerbeimmobilien in Osteuropa spezialisiert. Mit dem Möbelhersteller Bene kommt voraussichtlich ein Familienbetrieb an die Börse, der durch ein strammes Restrukturierungsprogramm in den vergangenen Jahren zum Konzern gereift ist. Bene beschäftigt 1 200 Mitarbeiter in 29 Ländern, produziert wird ausschließlich in Österreich. Mit einem Umsatz von 187 Mill. Euro im vergangenen Geschäftsjahr kam Bene auf knapp zehn Mill. Euro Gewinn. Die Eigenkapitalquote liegt bei komfortablen 23,8 Prozent. Es sollen Aktien im Gegenwert von rund 100 Mill. Euro platziert werden, heißt es in Börsenkreisen.

Mit einem Emissionserlös von rund 650 Mill. Euro war der Börsengang der österreichischen Post bisher der größte in diesem Jahr. Kandidaten von diesem Kaliber sind auch deswegen nicht mehr in Sicht, weil der bevorstehende Regierungswechsel in Wien dazu führen dürfte, dass weitere Privatisierungen der österreichischen Staatsbetriebe auf sich warten lassen.

Genauso wie der Post gelang es dem Leuchtenhersteller Zumtobel, mit seiner Aktie in den Leitindex der Wiener Börse ATX aufgenommen zu werden, der in den ersten neun Monaten etwa 5,5 Prozent zulegen konnte. Knapp neun Mrd. Euro an neuem Kapital sind in diesem Jahr über die Börse Wien den Unternehmen zugeflossen. Zu dem Ergebnis hat allerdings nicht zuletzt auch eine steuerlich geförderte Pensions-Eigenvorsorge beigetragen. Sie greift nur, wenn das angesparte Geld in Aktien investiert wird, die an Börsen der alten EU-Länder notieren, deren Marktkapitalisierung höchstens 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts betragen. Kritiker werten dies als Subvention für den Börsenplatz Wien, der praktisch als einziger diese Vorgabe erfüllt.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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