Gute Geschäftsaussichten und die Expansion im Ausland beflügeln den Aktienkurs
Spanische Medienfirma Prisa begeistert die Experten

Von der seit langem anhaltenden guten Stimmung für spanische Medientitel profitiert derzeit vor allem das von Jesús de Polanco geführte Unternehmen Prisa. 2003 war die Aktie nur fünf Euro wert, heute sind es fünfzehn.

MADRID. Allein im vergangenen Jahr legte der Kurs um 36 Prozent zu. Im Jahr davor waren es 85 Prozent. Das Wertpapier gehörte damit zu den sechs besten Performern des Referenzindex Ibex-35.

Prisa verlegt Spaniens Prestigezeitung El País, ist Eigentümer des Radiosender Cadena Ser und verfügt mit der Kontrolle des ebenfalls an der Börse gehandelten Unternehmen Sogecable über einen europaweit bedeutenden Anbieter von Bezahlfernsehen. In Lateinamerika besitzen die Spanier unter anderem mehrere Radiosender.

Fast alle Analysten sind sich einig, dass die Prisa-Aktie weiter ein Kauf ist oder es mindestens wert ist, gehalten zu werden. In den ersten Monaten 2005 gewann der Titel bereits 26 Prozent. Auch weil ein gerade veröffentlichter Bericht des Forschungsunternehmen Marketing Directo zeigt, dass das Land mit 220 Minuten am Tag zu denen Nationen in Europa gehört, wo am meisten ferngesehen wird. Ein wichtiger Fakt für den Werbemarkt. Nur die Engländer, Griechen und Italiener sitzen noch mehr vor der Kiste. Kein Wunder, dass spanische Medienunternehmen inzwischen zu den rentabelsten zählen. Sogecable ist gemäß der Studie das fünftwichtigste Bezahlfernsehen in Europa und Cadena Ser der dritterfolgreichste Radiosender.

Javier Marin von Morgan Stanley sieht wegen dieser guten Positionierung des Unternehmens das Kursziel der Prisa-Aktie bei 18 Euro, derzeit notiert der Titel bei 15,6 Euro. Analyst Enrique Jiménez vom Madrider Broker Ibersecurities rechnet sogar mit 18,5 Euro: „Die Geschäftsaussichten sind sehr gut und die geplante internationale Expansion gibt der Aktie Phantasie.“ Vor wenigen Wochen hat de Polanco, der Prisa gegründet hat und immer noch 64 Prozent an dem Unternehmen hält, für 25 Mill. Euro einen 15prozentigen Anteil an der französischen Tageszeitung Le Monde gekauft.

Die Börse nahm die Nachricht sehr positiv auf, nach einigen schwierigen Tagen zog der Kurs wieder deutlich an. In Zukunft soll das Auslandsgeschäft 30 Prozent zum Umsatz beisteuern, derzeit sind es 19 Prozent. Polanco hat ebenfalls angekündigt, in diesem Jahr den stark wachsenden hispanischen Markt in den USA in Angriff zu nehmen. Diese Strategie hält der Online-Broker Self Trade Bank für richtig. Denn Lateinamerika stelle immer noch ein Währungsrisiko dar.

Kurstreibend sind auch die guten Aussichten Sogecables auf eine Lizenz eines offenen analogen Kanals. Im Januar, als die Gerüchte erstmals aufkamen, dass die sozialistische spanische Regierung die Tochter Canal+, derzeit noch Bezahlfernsehen, zu einem offenen Kanal umwandeln könnte, haben viele Broker wie Safei ihre Einschätzungen für die Prisa-Aktie nach oben revidiert. Der Kurs beider Titel gewann in den Tagen danach um mehrere Prozent.

Aber auch die soliden Geschäftszahlen überzeugen die Analysten. Die Gruppe nahm in 2004 1,4 Mrd. Euro ein, 103 Mill. davon Gewinn. Das waren 70 Prozent mehr als im Vorjahr. „Ein Rekord, den wir diesen Jahr durch nationales und internationales Wachstum beibehalten wollen“, sagte de Polanco auf der Aktionärsversammlung vor wenigen Tagen. Das Jahr hat bereits gut begonnen für ihn. Bei den Werbeeinnahmen wird nach den Entwicklung in den ersten drei Monaten mit einem weiteren Anstieg von rund sechs Prozent in diesem Jahr gerechnet. 2004 waren es elf Prozent. Spanien ist derzeit in Europa der fünftgrößte Werbemarkt, wobei zwei Fünftel davon in die Fernsehsender fließen, rund 40 Prozent werden in die Presse investiert, acht Prozent werden für Spots im Radio ausgegeben.

Interessant ist die Prisa-Aktie für Privatanleger aber nicht nur wegen der noch aussichtsreichen Zukunft für das spanische Fernsehen, sondern auch wegen ihrer attraktiven Dividendenpolitik. In diesem Jahr werden von de Polanco 0,12 Euro ausgezahlt, das sind 20 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Ein Viertel des Gewinns des vergangenen Jahres geht damit an die Wertpapierbesitzer.

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