Gute Nachrichten waren beim Stahlriesen zuletzt Mangelware – Management hofft auf Konjunkturaufschwung
Analysten warten bei Thyssen-Krupp ab

Kummer sind die Aktionäre von Thyssen-Krupp gewöhnt: Die Umsätze des Stahlkonzerns sind aufgrund der anhaltenden Konjunkturschwäche rückläufig, Aktionäre erhielten zuletzt nur eine Dividende von 0,40 Euro je Stückaktie, im Vorjahr waren es noch 0,60 Euro.

FRANKFURT. Im jüngsten Geschäftsbericht versprach ihnen Vorstandsvorsitzende Ekkehard Schulz bei einem „besseren Ergebnis wieder eine höhere Dividende.“ Doch danach sieht es im laufenden Geschäftsjahr nicht aus: Der Auftragseingang sank im dritten Quartal verglichen mit dem Vorjahreswert um vier Prozent auf 9,1 Milliarden Euro, der Umsatz ging um acht Prozent auf 8,9 Milliarden Euro zurück.

Fabian Kania, Analyst der Helaba Trust, haben die schlechten Quartalszahlen nicht überrascht: Aufgrund der weiter lahmenden Konjunktur „war es abzusehen, dass es schwer wird“. Alle drei Geschäftsbereiche – Stahl, Anlagenbau und Autozulieferbereich – seien gleichermaßen betroffen. Im Stahlbereich mache sich die rückläufige Nachfrage wegen der hohen Fixkosten aber besonders bemerkbar. „Für Stahlkocher sind hohe Ergebnisschwankungen üblich“, sagt Kania.

Er hält das Potenzial der Aktie für begrenzt, da „auch in den nächsten ein, zwei Quartalen angesichts der schwachen Nachfrage in den Abnehmerbranchen und des durch den starken Euro ausgelösten Importdrucks schwache Ergebnisse im Stahlsegment zu erwarten seien.

Frank Wischmann, Analyst der Metzler Bank, hält dagegen: Er findet die Produktpalette des Konzerns im Bereich Stahl technisch so anspruchvoll, dass sie weder in der Qualität noch in puncto Lieferzeit von der Konkurrenz etwa aus China oder Russland schlagbar sei. Seiner Ansicht nach ist es denkbar, dass die europäischen Stahlhersteller das hohe Preisniveau sichern können, weil sie ihre Produktionsmenge in bestimmten Bereichen gesenkt haben und weiter senken werden. Das wirke sich wahrscheinlich stabilisierend aus. Zudem habe sich der Euro längst wieder beruhigt.

Auch das Kursrisiko der Thyssen-Aktie hält Kania für begrenzt, da die Aktie „historisch relativ moderat“ bewertet sei. Nach dem Kurstief im Frühjahr – im März war das Papier auf 7,01 Euro gerutscht – hätten Investoren gemerkt, dass die Ratingherabstufungen sich im Rahmen hielten. „Seither hat sich Thyssen-Krupp überdurchschnittlich entwickelt“, beobachtet der Analyst. Er geht „weder von großartigen Steigerungen noch von einem Absturz“ aus und bewertet daher die Aktie mit „neutral“.

Jutta Rosenbaum, Analystin bei CAI Cheuvreux, die die Aktie mit „outperform“ bewertet, hob dagegen ihre Gewinnprognose vor Steuern für das Geschäftsjahr 2002/2003 von 673 auf 700 Millionen Euro an. „Weil die Zahlen der ersten neun Monate viel besser gewesen sind, als ich erwartet hatte“, sagt sie. Auch das Thyssen-Management erwartet einen Gewinn vor Steuern von 700 Millionen Euro. Weniger optimistisch blickt der größte Stahlkonzern Deutschlands allerdings auf sein angestrebtes Vorsteuerergebnis von 1,5 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2003/2004: Das will das Unternehmen laut Vorstandschef Schulz überprüfen, „sollten die Abschwächungstendenzen insbesondere in den für Thyssen-Krupp wichtigen Abnehmerbranchen Automobilindustrie, Bauwirtschaft und Maschinenbau auch in den kommenden Monaten anhalten“.

Thyssen-Krupp hätte laut Kania eine neue Zahl nennen müssen, um die Unsicherheit zu beseitigen. „Die 1,5 Mrd. Euro sind unrealistisch“, kritisiert er. Mit einer neuen Prognose hat Rosenbaum dagegen nicht gerechnet: Der Konzern habe die Zahlen schließlich nicht revidiert, sondern „wollte das nur tun, wenn die Wirtschaftslage so schwach bleibt“.

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