Handelsblatt Insider-Barometer
Insider-Barometer steigt auf Allzeithoch

Obwohl der Dax sehr volatil bleibt und jüngst sogar (Mehr-)Jahrestiefstände getestet hat, bleibt die Kauflaune der Insider-Investoren ungebrochen. Unternehmenslenker kaufen deutlich mehr Aktien der eigenen Firmen als sie verkaufen - und signalisieren damit, dass sie die aktuellen Marktbewertungen als Einstandskurse einschätzen.

HB DÜSSELDORF/FRANKFURT. Das Insiderbarometer, das das Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) regelmäßig in Zusammenarbeit mit Commerzbank Private Banking für das Handelsblatt berechnet, steigt auf den Rekordstand von 209,54 Punkten und übertrifft damit das Hoch vom April dieses Jahres. Damals hatten offenbar euphorische Vorstände, Aufsichtsräte und deren Angehörige sich ebenfalls vor einer kurzen Erholungsphase an den Märkten stark mit Aktien eingedeckt.

Volumen und Anzahl der Kauftransaktionen hätten im Vergleich zur Analyse vor zwei Wochen wieder zugelegt und lägen damit weiterhin auf einem deutlich überdurchschnittlichen Niveau, kommentiert Christian Rouette von der Fifam. Gleichzeitig zeigten die Transaktionen auf der Verkaufseite eine höhere Anzahl an Verkäufen aber mit geringeren Volumina, und damit im historischen Vergleich ein eher schwaches Bild.

Allerdings kann ausgerechnet die größte Einzelorder - Susanne Klatten kaufte für rund 279 Millionen Euro weitere 15 Prozent an Altana - wegen ihrer besonderen Verbundenheit zu dem Unternehmen nicht als Insider-Deal gewertet werden, aus denen Privatanleger weitere Schlüsse ziehen können. Die Milliardärin und Altana-Großaktionärin hatte bereits angekündigt, den im MDax notierten Spezialchemiekonzern komplett übernehmen und von der Börse nehmen zu wollen. Eine Erhöhung des Angebots wird von Analysten überwiegend ausgeschlossen. Die Analysten der Commerzbank erwarten, dass das Altana-Management die Offerte unterstützen und daher keine kurstreibenden Gegenmaßnahmen ergreifen wird.

Die größten Verkäufe

Verkäufe im größeren Stil gab es bei den Nebenwerten Conergy und Stöhr.

Die 1880 gegründete Kammgarnspinnerei Stöhr mit Sitz in Mönchengladbach produziert als Textilhersteller hauptsächlich Bezugsstoffe für die Automobil- und Flugzeugindustrie. Das Unternehmen ist zu 68,22 Prozent im Besitz der KAP Beteiligungs-AG. Diese ist hervorgegangen aus der Irmen & Richter Textil AG und dient als Finanzholding. Die Aktie wird im amtlichen Markt gehandelt und ist im General Standard zugelassen. Stöhr & Co. gehört zur Gruppe des Textilunternehmers Claas Daun. Der trennte sich Mitte November von 12 Prozent an dem Unternehmen indem er Aktien für zwei Mio. Euro verkaufte. Die Stöhr-Aktie befindet sich seit Sommer 2007 im Abwärtstrend und hat in den vergangenen zwölf Monaten 47 Prozent an Wert verloren.

Bei Conergy trennte sich Chef Dieter Ammer von Aktien im Wert von 5,5 Mio. Euro. Dies sind allerdings Handelspositionen, um die Differenzen zwischen Aktie und Bezugsrechten im Rahmen der gegenwärtigen Kapitalerhöhung (von bis zu 400 Mio. Euro) zu nutzen. Hintergrund: Das Hamburger Solarunternehmen kämpft seit einem Jahr gegen den Untergang. Ammer, der nach der Absetzung des Gründers Hans-Martin Rüter vom Aufsichtsrat auf den Chefsessel gewechselt ist, hat aber zugesagt, mindestens wieder auf sein altes Investment aufzustocken. Auch in puncto Kapitalerhöhung ist Conergy vorangekommen: Dresdner Kleinwort und Credit Suisse haben die aktuelle Kapitalerhöhung gezeichnet, auch die Altaktionäre haben rund 150 Mio. Euro fest zugesagt.

Derweil hat aber der Absturz an den Börsen weltweit die Aktien der Solarkonzerne mitgerissen. Aus dem Aktienkurs von Conergy von über 20 Euro wurden 15, dann 10, dann 5, dann 0,98 Euro. Ein Superstar als Pennystock; gedauert hat es gerade einmal ein gutes Jahr. Aktuell notieren Conergy-Papiere bei rund 1,14 Euro, zum Wochenauftakt ging es in einem schwachen Marktumfeld 18 Prozent nach unten.

Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor
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