Handelsblatt Insider-Barometer
Insider bleiben weiter leicht antizyklisch

In der sich fast täglich verschärfenden Finanzkrise verhalten sich die Insider relativ gelassen und verkaufen tendenziell weniger Aktien, während die Kaufneigung bei sinkenden Aktienkursen sogar leicht zunimmt. Dieses leicht antizyklische Verhalten führt dazu, dass in dem vergangenen Berichtszeitraum das Barometer um rund sieben auf 180 Punkte angestiegen ist.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Das Insider-Barometer, das das Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) an der Technischen Hochschule in Aachen regelmäßig in Zusammenarbeit mit Commerzbank Private Banking berechnet, ist zuletzt aufgrund diese leicht antizyklischen Verhaltens sogar wieder leicht gestiegen. Mit einem Stand von leicht über 180 Punkten signalisiert es, dass die Mehrzahl der deutschen Unternehmenslenker die Zukunftsaussichten ihrer Gesellschaft und deren Aktie positiv bewertet.

In die Berechnung des Insider-Barometers gehen die Transaktionen von Vorständen, Aufsichtsräten sowie deren Angehörigen mit Aktien ihrer Gesellschaft ein. Diese müssen sie innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht BaFin melden, worauf sie dort auf deren Homepage veröffentlicht werden. Auch Anleger können Nutzen aus dem Barometer ziehen. Sie erhalten Einblicke in die Strategie derer, die direkte Kenntnisse aus dem Unternehmen haben. Zudem können sie anhand der Anzahl und der Volumina der Käufe und Verkäufe absehen, ob die Top-Manager in den nächsten Monaten eher mit steigenden oder fallenden Aktienmärkten rechnen.

"Der immer wieder zu beobachtende Effekt, dass die Verkaufsneigung bei sinkenden Aktienkursen abnimmt, kann neben der klassischen Erklärung, dass die Unternehmenslenker von der fundamentalen Situation überzeugt sind und deswegen kaum bereit sind zu tiefen Kursen zu verkaufen, auch eine psychologische Komponente haben: Verlustaversion. Wenn Insider im Vorfeld zu höheren Kursen eingestiegen sind, dann führt der zwischenzeitlich aufgelaufene Buchverlust dazu, die diese nicht gerne realisiert werden. Dieses Phänomen ist bei vielen Anlegergruppen vorzufinden, deshalb liegt es nahe, es auch bei den Insidern zu vermuten.", sagt Olaf Stotz, Professor an der Frankfurt School of Finance.

Auf der Verkaufseite sind sowohl das Handelsvolumen als auch die Zahl der Transaktionen weiter zurückgegangen. Bei den Käufen hingegen ist volumen- und zahlenmäßig wieder ein leichter Anstieg festzustellen. Die Handelsaktivität der Insider befindet sich dabei insgesamt auf einem normalen Niveau.

Die größten Insider-Verkäufe

Der Verkauf beim TecDax-Wert Kontron wurde bereits vergangene Woche behandelt: Auf der Verkaufseite gab der Gründer und langjährige Vorstandschef des Kleincomputerherstellers Kontron, Hannes Niederhauser, bekannt, dass er 210 000 Aktien im Wert von 1,8 Millionen Euro verkauft hat. Bereits Ende Juli hatte er 53 450 Kontron-Papiere im Volumen von knapp 500 000 Euro verkauft. Niederhauser, heute Aufsichtsratsmitglied des Unternehmens, erklärte den Verkauf mit privaten Gründen. Er habe in seiner Zeit als Vorstandschef acht Jahre lang auf ein Gehalt verzichtet habe, dafür aber alle halbe Jahre Aktien verkauft habe. Aktuell hält Niederhauser nach eigenen Angaben noch 670 000 Kontron-Aktien. Das nächste Mal wolle er im Sommer 2009 verkaufen.

"Diese Fakten zeigen, dass es bei Verkäufen mehr Gründe gibt, als einen Wertverlust zu vermeiden", sagt Experte Stotz.

Die Analysten von Commerzbank Private Banking raten sogar, auf dem aktuell sehr stark gedrückten Kursniveau schon wieder Kontron-Bestände aufzubauen. Schließlich erwarten sie bis 2010 sogar eine Verbesserung der Gewinnmarge.



Finden Sie hier die aktuellsten Analysten-Einstufungen zu Kontron.

Die größten Insider-Käufe

Vom Volumen her auffällig fiel der größte Insider-Kauf aus: Bei Interseroh hat die Isabell Finance Vermögensverwaltung ihre Anteile weiter aufgestockt. Hier scheint das Vertrauen in das Unternehmen und dessen Zukunftsaussichten weiterhin sehr hoch zu sein: Für 14,7 Millionen Euro erwarb die Mehrheitsaktionärin weitere Prozente an dem 1991 gegründeten Dienstleistungs- und Rohstoffkonzerne, der hauptsächlich Recyclingprozesse organisiert. Schon im Dezember 2007 war ein ähnlicher großer Kauf vorausgegangen.

Auch die Analysten sind positiv gestimmt: Equinet hatte das Kursziel für Interseroh von 70 auf 72 Euro angehoben und die Aktie mit "Buy" bestätigt. Das zweite Quartal 2008 dürfte mit einer EBIT-Steigerung um 34 Prozent ein Meilenstein in der Unternehmensgeschichte sein, schrieb Analyst Michael Schäfer. Sein EBIT-Ziel für das Gesamtjahr hob der Experte um 9,4 Prozent auf 76 Millionen Euro und liegt damit laut eigenen Angaben 10 Prozent über dem Marktdurchschnitt.

Bei der auf Mittelstandsbeteiligungen spezialisierten Pongs & Zahn AG, bei der die Xenia AG für Aufsichtsrat Hermann Hönig Aktien für 325 000 Euro erwarb wird momentan die Ausschüttung auf den ausstehenden Genussschein diskutiert. Gemäß den Bedingungen der Genussscheine mit der Wertpapierkennnummer A0F52H besteht vor dem Hintergrund des Bilanzverlustes der AG in 2007 keine Ausschüttungsverpflichtung. Dennoch hat Pongs & Zahn noch nicht abschließend darüber befunden, ob eine freiwillige, ggf. teilweise, Ausschüttung im Geschäftsjahr 2008 vorgenommen werden soll. Abschließende Beratungen finden am 27.09. statt.

Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor
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