Handelsblatt Insider-Barometer
Insider haben kräftig zugekauft

Selbst angesichts der außergewöhnlich volatilen Börsen in den vergangenen beiden Wochen ist auf die Insider Verlass: Die Top-Manager zeigen wie schon in vorangegangenen Baisse-Phasen ein deutlich antizyklisches Verhalten.

DÜSSELDORF. Das Insider-Barometer, das die Käufe von Aktien des eigenen Unternehmens durch deren Top-Manager misst, verzeichnet aktuell einen sehr deutlichen Anstieg von über zwölf Punkten im Vergleich zur Vorwoche. Das Barometer, das vom Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) in Zusammenarbeit mit der Commerzbank für das Handelsblatt errechnet wird, ist auf über 194 Punkte gestiegen und notiert damit so hoch wie seit April nicht mehr.

Die Ursache für den Anstieg liegt im stark überdurchschnittlichen Kaufverhalten, das sich sowohl in der Anzahl der Ttransaktionen als auch im Volumen widerspiegelt. So konnten in den letzten beiden Wochen insgesamt 175 Kauftransaktionen verzeichnet werden - der höchste Wert seit Auflage des Insiderbarometers. Berücksichtigt wurden in der aktuellen Analyse alle von der BaFin bis Mittwoch, den 15.10.2008, eingetragenen Transaktionen.

Hiervon fallen alleine 42 Deals auf die ersten beiden Tage der vorvergangenen Woche. Diese deutliche Reaktion der Unternehmenslenker auf den Ausverkauf der Märkte am Freitag, den 10. Oktober, zeigt: Die Insider haben die Marktlage genutzt, um kräftig in ihre Unternehmen zu investieren. "Dies deutet darauf hin, dass sie auf Basis der deutlich zurückgekommenen Bewertungsniveaus sehr gute Einstiegchancen in ihre Unternehmen gesehen haben und diese auch nutzten", sagt Christian Rouette vom Fifam. Seinre Einschätzung zufolge signalisiert das sehr hohe Niveau des Barometers für die kommenden drei Monate eine Erholung der Börsen.

Die größten Käufe und Verkäufe

Der spektakulärste Verkauf kam zuletzt von Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz. Sie trennte sich Anfang Oktober über ihr nahe stehende Vermögensverwaltungen von Aktien im Wert von mehr als 70 Millionen Euro (was rund 16 Prozent der Martkkapitalisierung entspricht) an dem in die Krise geratenen Essener Handels- und Tourismuskonzern. Käufer war Sal. Oppenheim. Zuvor hatte die Privatbank schon alle Aktien aus einer Kapitalerhöhung des ehemaligen Karstadt-Quelle Konzerns gekauft und dem Konzern damit eine dringend benötigte Geldspritze verschafft.



Hier finden Sie die aktuellsten Analysten-Einstufungen zu Arcandor.

Auffällige Käufe gab es seit Ende September bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen. So kaufte der schwäbische Milliardär Adolf Merckle, ohnehin schon Mehrheitsaktionär bei Heidelberg Cement an schwachen Börsentagen weitere Anteile des Unternehmens im Wert von mehr als 65 Millionen Euro. Die Aktie hat zuletzt stark verloren, die Analysten von Commerzbank Private Banking raten von einem Kauf ab. Aktionärs- und Bilanzstruktur bergen ihrer Meinung nach Risiken.

Ebenfalls weiter aufgestockt hat die Isabell Finance GmbH. Sie kaufte in der ersten Oktoberwoche (für Vorstandschef Axel Schweitzer und seinen Bruder, den AR-Vorsitzenden Eric Schweitzer) für mehr als 42 Millionen Euro Aktien von Interseroh. Die Vermögensverwaltung ist Großaktionärin des 1991 gegründeten Dienstleistungs- und Rohstoffkonzerns, der hauptsächlich Recyclingprozesse organisiert. Somit scheint das Vertrauen in das Unternehmen und dessen Zukunftsaussichten weiterhin sehr hoch zu sein, auch die Analysten sind positiv gestimmt: Equinet hatte unlängst das Kursziel für Interseroh von 70 auf 72 Euro angehoben und die Aktie mit "Buy" bestätigt. Nach einem starken Kursanstieg im ersten Halbjahr 2008 ist die in keinem Index vertretene Aktie allerdings in den vergangenen Wochen stark gefallen und testet mit Kursen mit 41 Euro herum gerade die Unterstützung des mehrjährigen Aufwärttrends.

Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor
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