Handelsblatt Insider-Barometer
Insider haben Lust am Shoppen

Die Krise als Mega-Chance? Deutschlands Top-Manager haben in den vergangenen drei Monaten so viele Aktien ihres Unternehmens gekauft wie noch nie. Sowohl die Anzahl als auch die Volumina der Käufe stiegen in diesem Zeitraum auf den höchsten Stand, seitdem diese Transaktionen im Jahr 2002 erstmals veröffentlicht werden mussten.

FRANKFURT. Das Insider-Barometer, das das Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) alle zwei Wochen in Zusammenarbeit mit Commerzbank Private Banking veröffentlicht, stieg deshalb auf den Rekordstand von 209 Punkten und übertraf damit noch die Euphorie des vorangegangenen Hochs vom April dieses Jahres. Damals hatten sich die Vorstände, Aufsichtsräte und deren Angehörige ebenfalls vor einer kurzen Erholungsphase an den Märkten stark mit Aktien eingedeckt, mussten danach aber weitere Kursrückschläge hinnehmen. Die Kernfrage ist deshalb, ob die Unternehmensinsider diesmal unter Langfristaspekten ein besseres Händchen haben als damals?

"Es ist zwar unklar, ob sie generell die Tragweite der aktuellen Krise richtig einschätzen", sagt Christian Rouette von der Fifam. Er geht jedoch davon aus, dass sie die bisherigen Kursabschläge in Relation zur Auftrags- und Ertragslage ihres Unternehmens gestellt haben und so in den aktuellen Kursen viele Chancen sehen. Zumal sie die interne Entwicklung weitaus besser als jeder andere Aktionär beurteilen können.

Viele Top-Manager zeigen zudem mit ihren Käufen eine "jetzt-erst-recht"-Stimmung: Beim weltgrößten Chemie-Konzern BASF haben unmittelbar nach der Meldung über den massiven Nachfragerückgang am vergangenen Mittwoch einige Vorstände samt Familie Aktien geordert. Auch bei der Deutschen Bank haben Top-Manager zugegriffen.

Die Lust am Shoppen beschränkt sich indes nicht nur auf die großen Werte. In der Breite kamen sie zuletzt weit mehr noch bei kleinen und mittelgroßen Werten vor, die unter Investoren einen besonders schweren Stand haben und deswegen mit besonders hohen Kursverlusten kämpfen müssen. Weil dort die meisten Analysten mit ihren Urteilen zu den Aktien auch nicht besonders wohlwollend gestimmt sind, stehen die Top-Manager dort mit ihrem Optimismus oft allein auf weiter Flur.

Von den größten Einzelorders gelten die Käufe von Susanne Klatten bei Altana und von Friede Springer beim Verlagshaus Axel Springer wegen ihrer besonderen Verbundenheit zu den Unternehmen nicht als Insider-Deals, aus denen Privatanleger Schlüsse ziehen können. Das gilt allerdings für den österreichischen Öl-Spezialisten Catoil. Dort hat Vorstandsmitglied Anna Brinkmann für über 2,4 Mio. Euro Aktien geordert. Die waren innerhalb eines Jahres um rund 90 Prozent an Wert gefallen. Trotzdem gibt es noch immer Analysten, die einen weiteren Verfall nicht ausschließen.

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