Handelsblatt Insider-Barometer
Insider handeln Umweltaktien

Insider, die auf größeren Positionen sitzen, nutzen verstärkt die jetzige Phase, in der viele Aktien stark gestiegen sind, um Kasse zu machen.

DÜSSELDORF. In der vergangenen Woche hat die Umsatztätigkeit der Insider etwas abgenommen, insbesondere die Volumina der Transaktionen sind moderat zurückgegangen. Auf der Top-Liste sind dieses Mal zwei Werte aus der Umweltbranche vertreten, einer auf der Kaufliste, einer auf der Verkaufliste. Beide Transaktionen sind mit einem Volumen von deutlich über einer Millioen Euro im Vergleich zu ihrer Marktkapitalisierung nicht unbedeutend.

Bei Solon haben Insider Aktien im Wert von fast zwei Millionen Euro verkauft. Bei den meisten im Nebenwerte-Index Tecdax vertretenen Solarwerte hatten die Kurse in den vergangenen Monaten kräftig angezogen. Ganz anders bei Solon, hier mussten Aktionäre in den vergangenen zwölf Monaten Kursverluste von fast 90 Prozent hinnehmen. Im Juli 2008 notierte der Wert noch bei fast 59 Euro, der Tiefpunkt wurde im März 2009 erreicht bei 5,51 Euro, aktuell stehen 8,66 Euro zu Buche. Positive Analystenstimmen zu dem Unternehmen, das keinerlei Dividende an seine Aktionäre ausschüttet, sind nicht zu finden. HSBC stufte die Aktie vergangene Woche auf "Untergewichten" herunter. Es sei nur mit einer leichten Verbesserung im zweiten Quartal gegenüber dem ersten Jahresviertel zu rechnen, schrieb Analyst Burkhard Weiss, kurzfristig seien keine größeren Stützungsfaktoren für die Aktie auszumachen. Kurzfristig bleibe die Nachfrage im Solarbereich schwach, heißt es außerdem in einer Branchenstudie von Goldman Sachs.

Bei Envitec Biogas kauften Insider Aktien im Wert von rund 1,5 Mio. Euro zu, das entspricht 0,8 Prozent der Marktkapitalisierung. Die Aktie hat auf Jahressicht ein leichtes Plus verbucht, sehr stark fiel vor allem der Kursaufschwung in den vergangenen vier Wochen aus, als die Aktie von 12,30 bis auf 16,33 Euro kletterte. Nach Informationen der WestLB haben höhere Einspeisevergütungen in Deutschland seit Anfang April den Auftragseingang auf über 50 Mio. Euro angetrieben. Laut Analyst Sebastian Zank sollte dies zusammen mit dem Aktienrückkaufprogramm den Abwärtstrend der Aktie beenden.

Insider, die auf größeren Positionen sitzen, nutzen verstärkt die jetzige Phase, in der viele Aktien stark gestiegen sind, um Kasse zu machen. Insgesamt hat sich das Insider-Barometer, das das Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) an der Uni Aachen zusammen mit Commerzbank Wealth Management für das Handelsblatt berechnet, wie in den Vorwochen zwischen 120 und 130 Punkten eingependelt. Damit befinden sich Anzahl und Transaktionsgrößen von Insiderkäufen und-verkäufen bei den 160 Unternehmen aus Dax, MDax, TecDax und SDax wieder auf dem Niveau vom Juli 2007.

Ein Übergewicht bei den Insider-Käufen, beginnt bei 110 Punkten. Doch die Insider verhalten sich längst nicht mehr so einseitig wie zu Jahresbeginn, als es wochenlang gar keine Verkäufe gab. Das heißt für den Aktienmarkt, dass eine positive Grundstimmung für die künftige Entwicklung zwar weiter vorhanden ist und die Mehrzahl der Manager mit steigenden Kursen rechnet. Doch der Aufschwung dürfte weit weniger steil ausfallen als zuletzt.

Anders als am deutschen Markt mehren sich in den USA die Warnsignale für die Anleger: Hier übersteigt die Anzahl der Insiderverkäufe die Zukäufe inzwischen um mehr als das Zwanzigfache.

Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor
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