Handelsblatt Insider-Barometer
Insider üben sich in Zurückhaltung

Zum Jahresbeginn ist das Insiderbarometer leicht unter den Stand von 200 Punkten gesunken.

HB DÜSSELDORF. Bei den Unternehmensinsidern macht sich aktuell eine leichte Kaufzurückhaltung im Vergleich zu den Vorwochen bemerkbar, was sich möglicherweise auch mit der steuerlichen Änderungen zu Jahresbeginn erklären lässt. "So könnte die Abgeltungssteuer durchaus auch bei den Unternehmenslenkern zu verstärkten Käufen zum Ende des letzten Jahres geführt haben, die jetzt zu Jahresbeginn wieder etwas nachlassen", erläutert Olaf Stotz vom vom Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) an der TU Aachen.

Sein Institut berechnet in Zusammenarbeit mit Commerzbank Wealth Management regelmäßig für das Handelsblatt das Insider-Barometer, das generell bereits ab 110 Punkten ein Kaufsignal für den Aktienmarkt gibt. Ausgangspunkt ist dabei stets die Annahme, dass Top-Manager wie Vorstände oder Aufsichtsräte einen besseren und tieferen Einblick in die Unternehmensentwicklung haben als gewöhnliche Aktionäre und aufgrund dessen Aktien kaufen oder verkaufen.

Ausgererechnet die größten Deals in der aktuellen Auswertung (siehe Tabelle) betrafen allerdings Unternehmen, die den wenigsten Anlegern ein Begriff sein dürften. So kauften bei der im Prime Standard notierten Deutschen Forfait AG verschiedene Vorstände, Aufsichtsräte und ihnen nahestehende Personen Aktien im Wert von rund 933 000 Euro. In einer Ad-Hoc-Meldung des im Jahr 2000 gegründeten Kölner Unternehmens hieß es, dies erfolge vor dem Hintergrund der Änderung der Steuergesetzgebung zum Jahreswechsel. Großaktionäre der DF waren im November 2008 M.M.Warburg (20,9%), der Forfait-Vorstand (15,5%) und die Forfait Investment GmbH (10,2%). Die Geschäftstätigkeit der DF-Gruppe besteht im An- und Verkauf von Forderungen aus Exporten in Emerging Markets. Das Ziel ist der zeitgleiche oder kurzfristige Weiterverkauf der erworbenen Forderung (Forfaitierung).

Für den größten Aktienverkauf sorgte Claas E. Daun. Der Aufsichtsratschef der im Prime Standrad notierten KAP Beteiligungs AG trennte sich von 563.052 KAP-Aktien im Wert von 13,513 Mio. Euro. Die Kap-Führung hatte erst Ende November einen Rückkauf von Stückaktien in fast genau diesem Umfang beschlossen. Die KAP-Aktie hatte Ende 2008 noch über 40 Euro notiert, konnte sich aber der allgemeinen Marktschwäche nicht entziehen und notiert derzeit bei 23 Euro. Aktuell gibt es allerdings weder zur DF- noch zur KAP-Aktie aktuelle Analystenstimmen.

Der Rückblick auf das Jahr 2008 zeigt, dass die Vorstände, Aufsichtsräte sowie deren Angehörige aus den 160 Unternehmen des Dax, MDax, TecDax und SDax das turbulente Börsenjahr 2008 zu weit mehr Käufen und Verkäufen von Aktien ihres Unternehmens genutzt haben als in den Jahren zuvor. Das zeigt die Statistik der Börsenaufsicht BaFin, bei der diese Orders gemeldet werden müssen.

Den richtigen Zeitpunkt zum Ausstieg fanden speziell in der ersten Jahreshälfte die Topmanager von Unternehmen aus den Bereichen Regenerative Energien und Immobilien, deren Aktien lange Zeit kräftig gestiegen waren. Seitdem sich Vorstände und Aufsichtsräte bei Solon, Q-Cells, Nordex einerseits und Colonia Real Estate und Vivacon andererseits von ihren Papieren getrennt haben, ging es mit deren Aktienkurs zwischen 70 und 85 Prozent bergab.

Dass die Unternehmensinsider mit ihrer nun schon seit Monaten anhaltenden Kaufneigung eine völlig andere Meinung zur weiteren Marktentwicklung zeigen als viele Volkswirte, Analysten und Anlageberater, scheint diese nicht zu stören. Weltweit kaufen die Manager scharenweise, während um sie herum nahezu jedermann von Aktienengagements abrät. Daran ändern auch die freundlichen Märkte der vergangenen Tage nichts: "Die Fortsetzung der Kurserholung dürfte nicht das Ende des Bärenmarktes bedeuten", heißt es bei der Landesbank Berlin (LBB).

Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%