Handelsblatt Insider-Barometer
Insider-Verkäufe weiter auf hohem Niveau

Wie schon in den vergangenen Wochen neigen die deutschen Top-Manager dazu das hohe Kursniveau des Aktienmarktes zum Abbauen größerer Bestände zu nutzen. Dieses antizyklische Verhalten der Insider spiegelt ihre Befürchtung von Kursrückgängen wider. Doch es gibt eine Ausnahme.

DÜSSELDORF. Das Insider-Barometer, das die Aktienkäufe und-verkäufe der Manager von Dax, MDax, TecDax und SDax-Konzernen an ihrem jeweiligen Unternehmen misst, notiert aktuell auf ähnlichem Niveau wie in der Vorwoche und ist nur minimal auf 91,88 Punkte gesunken. Das ist das niedrigste Niveau seit mehr als zwei Jahren. Zum Vergleich: Im Schlussquartal 2008, als die Unternehmensinsider in der Börsenkrise massiv zukauften, notierte das Barometer bei mehr als 200 Punkten. Aktuell befinden sich die Volumina der Verkäufe auf sehr hohem Niveau, während auf der Kaufseite vergleichsweise kleine Transaktionen zu vermelden sind.

Das Barometer, das vom Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) alle zwei Wochen in Zusammenarbeit mit Commerzbank Wealth Management für das Handelsblatt errechnet wird, signalisiert unterhalb von 90 Punkten eine generelle Verkaufsneigung. Da sich der allgemeine Abwärtstrend in dem Insider-Barometer bereits seit Monaten fortsetzt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es bald unter die Marke von 90 Punkten fällt.

Zuversicht beim Compugroup-Chef

Den größten Kauf der vergangenen beiden Wochen tätigte Frank Gotthardt, Vorstandsvorsitzender der Compugroup, mit 975.000 Euro. Gotthardt, der mit über mehr als 33 Prozent Anteilen größter Aktionär der Medizin-Softwareschmiede ist, war in den vergangenen Monaten öfter durch Zukäufe aufgefallen und scheint somit von den Zukunftsaussichten seines Unternehmens weiter überzeugt zu sein. Die Aktie hat allerdings in den vergangenen drei Monaten auch schon mehr als 60 Prozent an Wert gewonnen. Die Berenberg Bank hat die Compugroup-Titel im August auf "Buy" mit einem Kursziel von 9,00 Euro belassen. Das jüngst übernommene US-Geschäft, welches noch bis zum zweiten Quartal Verluste erlitten hatte, könnte noch in diesem Jahr die Gewinnschwelle erreichen, schrieb Analyst Gunnar Cohrs. Das Unternehmen werde sich kurzfristig auf organisches Wachstum und eine Verbesserung der Margen konzentrieren.

Bank-Manager fahren Ernte ein

Nicht auf der Top Liste vertreten sind die erneuten Aktienverkäufe von Führungspersonen der Deutschen Bank im Wert von gut 5,4 Mio. Euro. Insbesondere Kevin Parker (Head of Asset Management), Seth Waugh (Regional CEO Americas) und Christopher Thomas Whitman (Group Treasurer) nutzten Kurse von knapp 50 Euro, um Aktien im Wert von mehreren Millionen Euro zu verkaufen. Bereits im Frühjahr gab es eine Reihe von Verkäufen bei Top-Managern des deutschen Branchenprimus. Damals hatte der Kurs nach einer Durststrecke bei teilweise weniger als 20 Euro wieder die Marke von 40 Euro übersprungen, was manche nutzten, um Kasse zu machen.

Nicht in allen Fällen bedeutet ein Insiderverkauf allerdings, dass die Unternehmenslenker von schlechteren Geschäfte ausgehen. Bei Heidelberg Cement kam es zum Aktienverkauf einer Beteiligungsgesellschaft in Höhe von fast 200 Mio. Euro. Deren Nähe zu einem Verwaltungsrat ist der Grund, warum der Deal an dieser Stelle aufgeführt ist. Letztlich geht es aber um die Umstrukturierung im Familienvermögen der Familie Merckle.

Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor
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