Handelsblatt Insider-Barometer
Insider verkaufen nicht mehr so viel

Das Insider-Barometer notiert diese Woche kaum verändert um rund einen Punkte niedriger als in der Vorwoche. Im zweiwöchigen Vergleich kann es rund 1,7 Punkte zulegen. Hierdurch wird die aktuelle Trendlosigkeit des Barometers verdeutlicht, nachdem es vor zwei Wochen deutlich nach unten korrigiert hatte.

DÜSSELDORF. Vor zwei Wochen hatten große Verkäufe bei der AWD Holding bzw. der Deutschen Bank den Barometerstand nach unten gedrückt. Bei den Käufen ist volumen- und zahlenmäßig ebenfalls ein leichter Rückgang festzustellen. Die Handelsaktivität der Insider befindet sich dabei insgesamt auf einem normalen Niveau. "Insbesondere die abnehmenden Verkäufe führen zu der aktuellen Stabilisierung des Barometers", sagt Christian Rouette vom Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) an der TU Aachen. Dies bedeutet auch, dass die vor zwei Wochen zu verzeichnende Zunahme der Verkauftransaktionen deutscher Top-Manager so nicht fortgeschrieben werden konnte, sondern vielmehr eine deutliche Reduzierung der Verkauforders zu verzeichnen ist. So haben sich die Verkaufstransaktionen halbiert (von 17 auf acht Transaktionen in den vergangenen zwei Wochen). Von Mai bis Juli, als es an den Märkten fast kontinuierlich nach unten ging, hatten die Insider kaum Aktien ihres Unternehmens verkauft. Doch Ende August nutzten etliche von ihnen die leichte Kurserholung, um einen Teil der Bestände zu Geld zu machen.

Fifam berechnet gemeinsam mit Commerzbank Private Banking exklusiv für das Handelsblatt das Insider-Barometer. Das entsteht aus Käufen und Verkäufen von Aktien des eigenen Unternehmens, die Vorstände, Aufsichtsräte sowie deren Familienangehörige spätestens nach fünf Handelstagen der Börsenaufsicht Bafin melden müssen. Auch Anleger können Nutzen aus dem Barometer ziehen. Sie erhalten Einblicke in die Strategie derer, die direkte Kenntnisse aus dem Unternehmen haben. Zudem können sie anhand der Anzahl und der Volumina der Käufe und Verkäufe absehen, ob die Top-Manager in den nächsten Monaten eher mit steigenden oder fallenden Aktienmärkten rechnen.

Aktuell notiert das Insider-Barometer auf sehr hohem Niveau bei 172,17 Punkten, hat in den vergangenen drei Wochen aber spürbar an Schwung verloren. Da in das Insider-Barometer die gewichteten Käufe und Verkäufe der vergangenen drei Monaten eingehen, ist das Signal für die weitere Marktentwicklung noch immer sehr positiv. Der Maßstab zeigt bereits ab 110 Punkten, dass die Mehrzahl der Insider anhand ihrer überwiegenden Kauforders mit steigenden Kursen rechnet.

Die größten Käufe und Verkäufe

Den größten Aktienverkauf tätigte am 22. August die CC Verwaltungs GmbH mit Qiagen-Aktien im Wert von rund 1,5 Millionen Euro, entsprechend 0,5 Prozent der Marktkapitalisierung des Biotechnologie-Konzerns. Der Aktienkurs war zuletzt stark gestiegen. Von 11,94 Euro (Anfang August) kletterte die Aktie ohne Unterbrechung bis auf 14,78 Euro (aktuell 14,70 Euro), ein Plus von rund 24 Prozent innerhalb weniger Wochen.

Qiagen nimmt bei seiner Wachstumsstrategie Asien stärker ins Visier. "Wir werden 2009 eine weitere regionale Expansion dorthin sehen, und auch nach Südamerika", sagte Finanzvorstand Roland Sackers. "In China etwa gibt es einen enormen Nachholbedarf, das Marktwachstum liegt bei über 30 Prozent, auch mittelfristig." An acht Standorten ist das Unternehmen in Asien nach eigenen Angaben bereits mit Vertriebsmannschaften vertreten, nun soll ein Forschungsinstitut in Singapur eröffnet werden. Die Analysten der Commerzbank haben ihre Kaufempfehlung für die Qiagen-Aktie bei einem Kursziel von 16 Euro aktuell bekräftigt.

Bei den größten Käufen fällt die VEM Vermögensverwaltung GmbH mit dem Erwerb von Heidelberg-Cement-Aktien in Höhe von 3,7 Millionen Euro (für Aufsichtsrat Adolf Merckle) auf. Damit verhält er sich weitaus offensiver als die Mehrzahl der Analysten, die sich in den vergangenen Wochen eher zurückhaltend zu der Aktie geäußert haben. "Dollarschwäche und Konjunkturgefahr sollten nach wie vor nicht unterschätzt werden", sagte Heino Hammann von der NordLB.

Der "Frankfurter Börsenbrief" schreibt, Großanteilseigner VEM habe schon im Februar 512,5 Millionen und Mitte März ca. 600 Millionen Euro in Heidelberg Cement investiert. Dass beide Transaktionen doch zu dreistelligen Kursniveaus durchgeführt worden seien, weise darauf hin, dass für Merckle der Wert "seines" Unternehmens deutlich das aktuelle Niveau übertreffe. Der Kurs von Heidelberg Cement hat sich seit Anfang Juni um rund 30 Prozent reduziert.

Bei Invision Software kaufte die Invision Holding, an der die Vorstände Peter Bollenbeck und Matthia Schroer sowie Armand Zohari zu jeweils einem Drittel beteiligt sind, Anfang September Aktien für rund zwei Millionen Euro, entsprechend acht Prozent der Marktkapitalisierung des Unternehmens. In Anbetracht der aktuellen Marktsituation ein Vertrauensbeweis, denn der Aktienkurs befindet sich aktuell nahe des 52-Wochen-Tiefs. Der Ratinger Anbieter von Programmen zum optimierten Personaleinsatz hatte im August Geschäftszahlen für das erste Halbjahr 2008 bekannt gegeben und musste die weitere Prognose deutlich nach unten anpassen. Das Unternehmen geht nun nicht mehr von einem Umsatzwachstum von 21,5 bis 23 Millionen Euro aus, sondern von 17 bis 18,5 Millionen. Dabei wird ein leicht negatives bis leicht positives Nachsteuerergebnis erwartet. Grund: Fehlende Einnahmen aus Softwarelizenzen.

SES Research hat das Kursziel für Invision nach der Gewinn- und Umsatzwarnung von 20 auf 16 Euro gesenkt, aber die Einstufung auf "Kaufen" belassen. Seine Prognosen habe er deutlich reduziert und infolgedessen das Kursziel gesenkt, schrieb Analyst Felix Ellmann. Das Unternehmen leide unter verlängerten Verkaufszyklen bei Neukunden.

Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor
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