Handelsblatt-Umfrage unter den zehn größten Instituten – Prognosen verhaltener als im Frühjahr
Dax zum Jahresende bei 4 200 gesehen

Die meisten deutschen Großbanken rechnen bis zum Jahresende mit steigenden Aktienkursen. Die zehn größten Institute prognostizieren im Durchschnitt, dass der Dax das Jahr mit einem Stand von 4 205 Punkten beschließt. Die optimistischste Prognose sieht den Dax bei 4 500 Zählern, die pessimistischste bei 3 900. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Handelsblatts.

DÜSSELDORF. Ein Stand von 4 205 Punkten wäre der höchste Stand in diesem Jahr und entspräche einem Plus von 3,2 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau – und einem Zuwachs von knapp fünf Prozent gegenüber dem Stand von Anfang Januar. Die Banken sind bei ihrer Prognose allerdings deutlich verhaltener als noch im Sommer und Frühjahr. Neun von zehn Instituten schraubten ihre Voraussagen vom März zurück. Sieben Banken reduzierten ihre Prognose gegenüber Ende Juni.

Hauptargumente für Kursgewinne in den bevorstehenden siebeneinhalb Wochen sind die günstige Bewertung europäischer Aktien und die Erwartung, dass der hohe, aber zuletzt nachgebende Ölpreis weiter fallen wird. „Preiswerteres Öl wird die im Moment etwas gedämpften Konjunkturerwartungen wieder aufhellen, und die Finanzmärkte nehmen das mit steigenden Kursen vorweg“, sagte Rolf Schneider von der Dresdner Bank. „Weil die Bewertungen sehr niedrig sind, ist die Basis für eine Jahresendrally gelegt“, sagte Gertrud Traud von der Bankgesellschaft Berlin. Sie sieht den Dax Ende Dezember bei 4 500 Punkten.

Favorisiert werden Branchen, die besonders stark vom Aufschwung profitieren. Am häufigsten werden Maschinenbau und Automobilbranche genannt, weil sie vom weiter anziehenden Export profitieren. Hingegen stehen Konsumwerte nach den Hiobsbotschaften beim angeschlagenen Karstadt-Quelle-Konzern und wegen der weiter flauen Binnennachfrage nicht auf der Empfehlungsliste.

Nach Einschätzung von Bernd Meyer von der Deutschen Bank war der Markt „während der Sommermonate sehr stark auf Risiken fokussiert und deshalb in einer engen Handelsspanne gefangen“. Nach seiner Einschätzung dürfte der Dax in den vergangenen Tagen aus seiner monatelangen Seitwärtsbewegung ausgebrochen sein. Anlass zu dieser Hoffnung gibt das jüngste Dax-Hoch. Dies liegt über dem von Anfang Oktober. Damit ist der Trend seit Anfang des Jahres, als jedes Hoch stets unter dem vorangegangenen lag und dadurch den Pessimisten Auftrieb gab, durchbrochen. „Der Ausbruch dürfte viele Investoren zu neuen Investments animieren, so dass wir bis Jahresende eine Performance erreichen, die wir schon sehr lange erwartet haben“, sagte Meyer.

Die Geschichte gibt ihm Recht. Statistiken belegen, dass die Börsen zum Jahresende und -anfang deutlich stärker zulegen als in den Frühlings- und Sommermonaten (siehe „Wann die Börsen Saison haben“). Nach 4 700 Punkten im März und 4 500 Punkten im Juni prognostiziert sein Haus nun 4 400 Dax- Punkte zum Jahresende. Das wäre ein Plus von gut acht Prozent gegenüber dem aktuellen Stand.

Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) warnt vor überzogenem Optimismus. Sie befürchtet, die zuletzt eher enttäuschenden Unternehmenszahlen für das dritte Quartal könnten die Stimmung kippen lassen. VW, Hypo-Vereinsbank und Deutsche Bank hatten Investoren verstimmt. Nach Münchener Rück am Montag nahm gestern auch RWE die Prognose zurück. Zugleich überraschte Infineon mit unerwartet schwachen Zahlen. „Nach dem sehr guten ersten und zweiten Quartal nehmen die Moll-Töne deutlich zu“, sagte Frank Schallenberger von der LBBW. Auch die Bayerische Landesbank ist skeptisch. Der hohe Ölpreis und die zu erwartende Abflachung der Weltkonjunktur könnten den Dax nach Einschätzung der Bank bis zum Jahresende auf 3 900 Punkte drücken.

Der Euro wird die Aktienkurse nach Meinung der Finanzhäuser wenig beeinflussen. Den Kurs der Gemeinschaftswährung sehen die zehn großen Banken am Jahresende durchschnittlich bei 1,27 Dollar.

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