Handelsfehler
Wirrwarr um Google-Aktien

Ein plötzlicher Kurssturz kurz vor Handelsschluss hat Google-Aktionäre aufgeschreckt. Binnen weniger Minuten sackte die Aktie an der Technologiebörse Nasdaq scheinbar grundlos um mehr als 15 Prozent ein. Die Nasdaq vermutet einen Handelsfehler und setzte den Kurs nachbörslich wieder hoch.

FRANKFURT. Eigentlich war der gestrige Handelstag ein guter für Google-Aktionäre. Zwei Minuten vor der Schlussglocke an der US-Technologiebörse Nasdaq lag das Papier der Internet-Suchmaschine bei gut 413 Dollar. Die Verluste vom Vortag, als die Aktie erstmals seit zwei Jahren unter 400 Dollar gefallen und bis auf 381 Dollar abgestürzt war, waren schon fast wieder vergessen.

Plötzlich jedoch rauschten Google-Aktien erneut in den Keller. Binnen Sekunden ging es um mehr als 15 Prozent abwärts, am Ende der Nasdaq-Sitzung waren die Aktien nur noch 341,43 Dollar wert. Nach Gründen für den Absturz suchten die Börsianer vergeblich.

Dem Schock folgte bald die Erleichterung. Eine halbe Stunde nach Handelsschluss erklärte die Nasdaq, dass sie "möglicherweise falsche" Transaktionen bei Google unter die Lupe nehme. Kurz darauf strich sie als Ergebnis der Prüfung alle Trades der letzten fünf Handelsminuten über 425,29 und unter 400,52 Dollar. Den Schlusskurs setzte sie nachträglich ebenfalls auf 400,52 fest - ein Plus zum Vortag von 5,1 Prozent. Gleichzeitig nahm die Börse auch Transaktionen beim Chemiekonzern Rohm & Haas zurück, die ebenfalls als falsch eingestuft wurden.

Die genauen Hintergründe der Handelsfehler sind bisher ungeklärt. Sie werfen aber ein Schlaglicht auf die Handelsqualität an Börsen in turbulenten Zeiten. Angesichts der enormen Nervosität an den Märkten war es großes Glück, dass die Fehler erst kurz vor Handelsschluss erfolgten, sodass die Anleger kaum noch auf die Entwicklung reagieren konnten. Andernfalls hätte die Gefahr irrationaler Kettenreaktionen bestanden, wie man sie in den vergangenen Wochen und Monaten oft beobachten konnte.

Google-Aktien befinden sich seit auf Talfahrt. Seit dem Allzeithoch bei 774 Dollar vor einem Jahr hat sich der Börsenwert des Internetdienstleisters nahezu halbiert. Ein Grund für den Absturz war neben dem allgemeinen Börsenumfeld das Ergebnis für das zweite Quartal. Zwar steigerte Google den Gewinn um 35 Prozent, an den Märkten war aber mehr erwartet worden. Zuletzt machte das Unternehmen mit Plänen für einen eigenen Internetbrowser und ein Google-Handy von sich reden. Außerdem will der Konzern bei der Online-Werbung mit dem Konkurrenten Yahoo kooperieren. In den USA haben die beiden Suchmaschinenanbieter gemeinsam einen Marktanteil von 80 Prozent.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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