Hanse Yachts und Kromi
Börsengang trotz aller Turbulenzen

Bei Turbulenzen meiden Anleger neue Aktien. Hanse Yachts und Kromi gehen trotzdem an die Börse.
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Neben dem flackernden Kaminfeuer erklärt der Unternehmensgründer mit offenem Hemd und wirrem Haar, wie er jedes Jahr den Gewinn um 80 Prozent steigern, Wettbewerber aufkaufen und Weltmarktführer werden will. "Irgendwie erinnert mich das hier verdammt an das Jahr 2000", raunt ein Fondsmanager seinem Sitznachbarn am runden Tisch ins Ohr. Investoren wurden zu der Börsengangs-Analystenkonferenz von Hanse Yachts nicht in eine Bank, sondern in eine "Location" gebeten – das Bootshaus der Frankfurter Rudergesellschaft Germania. Sie wie ursprünglich erwogen in einer Motoryacht über den Main zu schippern, hatten sich die Macher gerade noch verkniffen – wohl, um nicht Erinnerungen an die Börsenpartys der Haffa-Brüder im Hafen von Cannes zu wecken.

Was ist anders als in den Jahren vor der Jahrtausendwende? Anlegern werden hier keine Luftnummern verkauft, sondern handfeste Werte. Hanse Yachts wurde von dem Admiral’s-Cup-Sieger Michael Schmidt 1990 aus einer Treuhand-Werft heraus gegründet und wird in diesem Jahr rund 800 Boote bauen. Seit 1998 kletterte der Umsatz um über 40 Prozent pro Jahr. Und doch: Wenn alles so läuft, wie Schmidt sich das vorstellt, wird Hanse Yachts an der Börse um die 230 Millionen Euro kosten, fast das Vierfache des im letzten Jahr erzielten Umsatzes. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) 2007 von deutlich über 30 wäre Hanse Yachts fast doppelt so teuer wie Wettbewerber Bénéteau. Der wächst aber nicht so stark, betont Schmidt, und wollte angeblich Hanse schon mal schlucken.

Kromi Logistik, der zweite Börsenneuling, ist ehrliche Old Economy: Das Unternehmen stellt Werkzeugautomaten bei Kunden wie Airbus auf. Mechaniker können sich dort dann nach Bedarf mit Bohrwerkzeugen bedienen. Eine intelligente Dienstleistung, die in der Industrie gefragt ist. In den kommenden Jahren will Kromi den Umsatz um 20 und den Gewinn um durchschnittlich 55 Prozent steigern. Das angepeilte KGV von knapp 20 wird Kromi aber wohl nicht bekommen. "Der Einbruch hat alle demütiger gemacht", meint ein Aktienhändler. Anleger vermeiden jetzt Risiken. Mutige kommen billiger zum Zuge, weil Aktien nicht am oberen Rand der Preisspanne platziert werden können. "Die Nachfrage ist total ins Rutschen gekommen", sagt Florian Weber von der DKM Wertpapierhandelsbank, wo Neuemissionen vor dem Börsengang gehandelt werden. Segler Schmidt ficht das nicht an: "Wir sind hochseetauglich. Unsere Story stimmt, und der Markt reagiert sehr positiv."

Kandidaten sagen immer, dass sie so gut seien, dass ihnen Marktschwankungen egal sein können. Trotzdem: Eine schwache Börse drückt die Preise, allein schon, weil notierte Vergleichsunternehmen billiger geworden sind. Der Verfall der T-Aktie könnte der Telekom-Konkurrentin und Börsenaspirantin Versatel schaden, und beim Wohnimmobilien-Riesen Deutsche Annington wird sich niemand darüber freuen, dass die Immobilienaktie Gagfah an der Börse zeitweise 20 Prozent unter dem Höchstkurs lag. Nur Siemens-Chef Klaus Kleinfeld kann dem Verkauf seiner Tochter VDO entspannt entgegensehen. Läuft die Börse nicht, kann er immer noch an Conti-Chef Manfred Wennemer verkaufen. Kleinfeld soll schon mit ihm telefoniert haben. Beobachter argwöhnen, Kleinfeld halte die Börsenkarte nur in der Hinterhand, um für VDO einen höheren Preis herauszuschlagen.


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