Hapag-Lloyd
Reederei bangt um den Börsengang

Nach einer Gewinnwarnung des Weltmarktführers Moeller-Maersk verschiebt die Hamburger Container-Reederei ihre Börsenpremiere um eine Woche. Auch eine Preissenkung halten Experten für möglich.

FrankfurtDer Börsengang der weltweit viertgrößten Container-Reederei Hapag-Lloyd steht auf Messers Schneide. Zahlreiche Investoren hätten ihre Kauforders nach der Gewinnwarnung von Weltmarktführer A.P. Moeller-Maersk wieder storniert, sagten zwei mit den Börsenplänen vertraute Personen am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Die beteiligten Investmentbanker wollen sich nun noch eine Woche Zeit nehmen, die Anleger noch umzustimmen. Auch eine Preissenkung sei dabei kein Tabu, hieß es in Finanzkreisen.

Hapag-Lloyd verlängerte die Zeichnungsfrist, die eigentlich am Dienstag ablaufen sollte, überraschend bis zum 3. November. Die Aktie soll nun voraussichtlich am 6. November erstmals an der Frankfurter Börse notiert werden, eine Woche später als geplant.

Hapag-Lloyd hat bereits zwei gescheiterte Anläufe an die Börse hinter sich. Zuletzt hatte die Atom-Katastrophe im japanischen Fukushima 2011 die Pläne zunichte gemacht. Noch am Montag hatte Hapag-Lloyd den Investoren signalisiert, dass die Aktien voraussichtlich zu 23 Euro zugeteilt würden - am unteren Rand der bis 29 Euro reichenden Preisspanne. Doch auch das konnte große Investoren nicht beruhigen. „Maersk war der Grund. Die in der Gewinnwarnung genannten Frachtraten haben die Investoren stark verunsichert”, sagte ein Banker. Diese gelte es nun zurückzugewinnen. Gelingt das nicht, sei auch eine Absage nicht ausgeschlossen. Ein anderer Investmentbanker zeigte sich skeptisch: „Die Situation wird auch in einer Woche nicht einfacher sein.”

Dabei hatte Hapag-Lloyd die Latte für den Börsengang schon niedrig gelegt. Mit 23 Euro je Aktie läge der Börsenwert nur bei 2,7 Milliarden Euro, gut die Hälfte dessen, was man sich erhofft hatte. Vorstandschef Rolf Habben-Jansen hat die Parole ausgegeben, dass die Börsennotiz an sich hohen Wert hat - egal, wie hoch der Ausgabepreis ist. Das Emissionsvolumen wurde stark eingedampft. Nun müssen nur noch Aktien für gut 200 Millionen Euro an den Mann gebracht werden. Papiere für weitere 53 Millionen haben die Großaktionäre Klaus-Michael Kühne und die chilenische CSAV schon bestellt.

Das Geld will Hapag-Lloyd unter anderem für den Kauf weiterer sechs Containerschiffe ausgeben. Der Reisekonzern TUI bietet nur dann eigene Aktien für knapp 100 Millionen Euro an, wenn die Nachfrage dafür ausreicht. Er muss sein Anteilspaket ohnehin um rund 150 Millionen Euro abschreiben.

Die Frachtschifffahrt, die wie kaum eine vom Welthandel abhängig ist, ist schon wieder im Wettlauf um Größe. Dadurch erwarten Schifffahrts-Experten in diesem Jahr eine Zunahme der Kapazität um 8,2 Prozent und im nächsten Jahr um weitere fünf Prozent. Das drückt auf die Preise. Maersk erwartet für 2015 nur noch 3,4 Milliarden Dollar Gewinn, 600 Millionen weniger als vorher geplant. Die Frachtraten von Asien nach Europa sind auf ein Niveau gefallen, auf dem viele Reedereien Verlust schreiben. Die umkämpften Routen nach Asien machen bei Hapag-Lloyd aber nur 17 Prozent der Flotte aus, bei Maersk sind es 27 Prozent. Zudem bauen die Hamburger auf die Synergieffekte aus der Übernahme der Container-Sparte von CSAV.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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