Harter Preispoker beim drittgrößten deutschen Börsengang – Emission von Thielert stößt auf Interesse der Anleger
Fondsmanager halten Praktiker für teuer

Der drittgrößte deutsche Börsengang in diesem Jahr wird kein Selbstläufer. Während Analysten die Preisvorstellungen der Heimwerkerkette Praktiker angemessen nennen, starten Fondsmanager einen knallharten Preispoker. Gestern nannte die Tochter des Handelskonzerns Metro für die am 18. November geplante Platzierung eine Zeichnungsspanne von 16 bis 19 Euro.

cs/mm/scc FRANKFURT/M. „Die Sparte ist fair bewertet“, meinen die Analysten von Independent Research und empfehlen die Aktie zum Kauf. „Am unteren Ende der Spanne könnte der Börsengang interessant werden“, sagt Markus Barth von der Fondsgesellschaft Nordinvest. Er verweist aber auch auf mögliche Gefahren. Man müsse sich fragen, warum Metro die Tochter unbedingt abgeben wolle.

Die Mutter hatte sich erst vor anderthalb Wochen für den Börsengang entschieden, nachdem Verhandlungen über einen vollständigen Verkauf gescheitert waren. Außerdem stecke in dem Unternehmen, das vor drei Jahren noch deutliche Verluste geschrieben hat nach wie vor ein erhebliches Risiko, betont Barth. 2002 galt die Baumarktkette mit einem Jahresverlust von 42 Mill. Euro noch als Sanierungsfall, inzwischen hat Vorstandschef Wolfgang Werner den Trend gedreht. 2005 soll Praktiker einen Gewinn von 67 Mill. Euro erzielen, der bis 2008 auf 100 Mill. Euro steigen soll. Trotz dieser Erfolge ist der Praktiker-Preis einigen Fondsmanagern zu hoch. „Für uns ist 16 Euro die absolute Obergrenze“, betont Stephan Thomas von Frankfurt Trust. Der Abschlag gegenüber dem börsennotierten Konkurrenten Hornbach falle zu niedrig aus. Mit derselben Begründung hieß es bei einer anderen Fondsgesellschaft. „Wir werden auch zu 16 Euro nicht zeichnen“.

Dabei war Metro den Anlegern beim Preis bereits entgegengekommen. Ursprünglich habe die Mutter einen Ausgabekurs von bis zu 21 Euro angepeilt, hieß es in Finanzkreisen. Angesichts des zuletzt raueren Börsenklimas reduzierte Metro auch die Größe der Platzierung. Statt der geplanten 75 Prozent kommen jetzt nur 60 Prozent der Praktiker-Aktien an den Markt.

Auf dieser Basis liegt das Emissionsvolumen bei 552 Mill. Euro bis 655 Mill. Euro. Damit ist Praktiker ein Kandidat für den Index der wichtigsten Nebenwerte, den M-Dax. Am Graumarkt, wo die Aktien von Börsenkandidaten bereits vor der Erstnotiz gehandelt werden, notierte Praktiker gestern bei 17,00 bis 17,40 Euro, solide innerhalb der Preisspanne. Praktiker-Chef Werner will die Anleger auch mit einer attraktiven Dividende locken. Bereits 2005 könnten die Investoren mit einer Ausschüttung rechnen, die dem Niveau im M-Dax entspreche. Die Dividendenrendite der hier notierten Titel liegt im Schnitt bei etwa 2,5 Prozent. Wachstumspotenzial sieht Werner vor allem in Südosteuropa. Hier sei Praktiker in vielen Märkten die Nummer eins. Im kommenden Jahr werde man in der Ukraine einsteigen, ein Engagement in Russland werde geprüft.

Zuletzt boten deutsche Börsengänge den Anlegern nur ein gemischtes Bild. Der bislang gewichtigste Kandidat des Jahrgangs 2005, der Bezahlsender Premiere, hat seit dem ersten Handelstag 24 Prozent verloren. Dagegen stiegen die Aktien des Triebwerkherstellers MTU um 21 Prozent.

Gestern starteten mit dem Flugzeugmotorenhersteller Thielert und dem Finanzhaus Rothmann zwei weitere Börsengänge. Die Thielert-Aktien kommen für zwölf bis 14 Euro auf den Markt. Die begleitenden Banken begründen diesBewertung mit dem starken Wachstumspotenzial in den kommenden fünf Jahren. Seit 2002 konnte der Motorenhersteller den Umsatz im Schnitt um 46 Prozent steigern, der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen legte um 37 Prozent zu.

Trotz einer insgesamt positiven Einschätzung finden Fondsmanager auch Wermutstropfen bei Thielert. Auf Kritik stößt die Tatsache, dass über die Hälfte der Aktien aus dem Besitz der Altaktionäre kommt. Vom maximalen Gesamterlös von 146 Mill. Euro würden dem Unternehmen nur 64 Mill. Euro zufließen. Auch dass Thielert trotz sprudelnder Gewinne keine Dividende in Aussicht stellt, sorgt für Verwunderung. Am Graumarkt bewegte sich Thielert gestern im oberen Drittel der Preisspanne.

Das Finanzhaus Rothmann, der dritte und gleichzeitig kleinste Börsenkandidat bringt seine bis zu 11 Mill. Aktien zum Festpreis von 1,55 Euro an den Markt. Die Erstnotiz ist am 23. November im General Standard der Frankfurter Börse geplant, der eher den national orientierten Unternehmen vorbehalten ist. Am Graumarkt wurden Rothmann-Aktien gestern zwischen 1,55 und 1,65 Euro gehandelt.

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