Hat George W. Bush einen Joker im Ärmel?
Dax-Ausblick: US-Wahl könnte Märkte belasten

Nichts wäre nach Einschätzung von Börsianern für die Aktienmärkte in der kommenden Woche unangenehmer als eine Hängepartie bei der Präsidentenwahl in den USA. Selbst positive Überraschungen bei der neuerlichen Flut von Quartalsberichten dürfte den Aktienkursen dann kaum Auftrieb geben.

HB/RSC DÜSSELDORF. „Der größte Feind der Börse ist Unsicherheit. Wenn wir am Mittwoch aufstehen und nicht wissen, wer Präsident ist, werden Aktien und der Dollar wohl unter Druck kommen“, sagte Carsten Klude, Kapitalmarktexperte bei MM Warburg. „Dann dürften auch starke Quartalsberichte wenig ausrichten können.“ Der jüngsten Meinungsumfrage der Nachrichtenagentur Reuters und dem Meinungsforschungsinstitut Zogby zufolge liegen der republikanische Amtsinhaber George W. Bush und sein Herausforderer John Kerry von den Demokraten mit jeweils 47 Prozent der Wählerstimmen gleichauf. Am Donnerstag hatte Kerry noch mit zwei Prozentpunkten zurückgelegen.

Mehr als eine Seitwärtsbewegung ist nach Meinung von Marktbeobachtern vom Dax in der kommenden Woche nicht zu erwarten. Positive und belastende Faktoren halten sich die Waage, heißt es zur Begründung. Analysten können sich derzeit nicht auf eine einheitliche Richtung des Gesamtmarkts einigen. Die größten Kursbewegungen werden wohl in den Titeln der zahlreichen Unternehmen, die Quartalszahlen vorlegen, stattfinden. Aber im Mittelpunkt des Interesses wird die US-Wahl am Dienstag stehen. Bis Montag werden sich damit auch die hartnäckigen Spekulationen auf eine "October Surprise" halten. Marktteilnehmer vermuten, dass Präsident George W. Bush noch kurz vor der Wahl einen Joker aus dem Ärmel zieht. So wie die plötzliche Festnahme von Saddam Hussein. Dies könnte die US-Wahl auf einen Schlag entscheiden.

Politische Börse bietet Möglichkeit für Statistikspielchen

Uneinigkeit herrscht unter Börsianern bei der Frage, ob ein klarer Sieg des einen oder anderen Kandidaten gut für die Aktienmärkte wäre. Während die einen die als traditionell wirtschaftsfreundlicher eingeschätzte Politik der Republikaner ins Feld führen, weisen andere auf den durch den Irak-Krieg Bushs angefachten Ölpreisschub hin, der Märkte und Weltwirtschaft seit Monaten belastet.

Viele Börsianer versuchen der Unklarheit mit statistischen Spielereien beizukommen. So rechnen die Analysten der Postbank vor, dass der S&P-500-Index unter unter demokratischen Präsidenten in der Vergangenheit per Saldo 52 Prozent an Wert zugelegt hat, bei republikanischen Amtsinhabern habe das Plus bislang nur bei 37 Prozent gelegen. Goldman Sachs rät Börsianern jedenfalls am Sonntag die Footbalnachrichten aus den USA zu verfolgen. Bei den vergangenen 15 Wahlen habe immer der Amtsinhaber gewonnen, wenn die Washington Redskins bei ihrem letzten Heimspiel den Platz als Sieger verließen.

Nach der Wahl rechnen Analysten mit steigenden Kursen

Im Wochenverlauf berichten in Deutschland unter anderem 15 Unternehmen aus Dax und MDax, darunter der angeschlagene Warenhauskonzern KarstadtQuelle und der Autohersteller BMW, über den Geschäftsverlauf im abgelaufenen Quartal. Zu Wochenschluss dürfte dann der US-Arbeitsmarktbericht an den Märkten im Blick stehen.

Nach der Wahl rechnen Analysten bei aller Vorsicht mehrheitlich mit eher steigenden Kursen. Dies ergab eine Umfrage des ZEW unter 182 Analysten. Bei den fundamentalen Faktoren ist davon jedoch noch nichts zu sehen. "Es ist zum Haareraufen", sagt ein Analyst: "Kaum entspannt sich der Ölpreis kräftig, steigt der Euro schnell an". Da ein Belastungsfaktor derzeit vom nächsten abgelöst werde, sei wohl nur mit sauberer Auswahl von Einzelaktien Geld zu verdienen.

Dieses fundamentale Dilemma spiegelt die Charttechnik wider: Trotz positiver Grundstimmung vieler Markttechniker bleibt der Dax eingekeilt zwischen Widerständen und Unterstützungen. "Alle 40 bis 50 Punkte liegt ein Widerstand", sagt ein Analyst. Ein schneller Aufschwung sei daher nicht zu erwarten. Wichtig sei die Verteidigung der Unterstützung bei 3 930, von oben drückt der Widerstand bei 4 000 Punkten.

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