Healthineers Siemens’ Milliarden-Börsengang noch vor Ostern

Siemens hatte angekündigt, die Medizintechnik-Tochter Healthineers im ersten Halbjahr an die Börse zu bringen. Nun soll das Projekt bereits vor Ostern über die Bühne gehen. Das Listing hat eine immense Größe.
Update: 08.01.2018 - 15:17 Uhr Kommentieren
Healthineers: Siemens beschleunigt Milliarden-Börsengang Quelle: Reuters
Computertomograph

Ein CT am Siemens-Healthineers-Standort Forchheim in der Nähe von Nürnberg.

(Foto: Reuters)

MünchenSiemens macht Finanzkreisen zufolge Tempo beim Börsengang seiner Medizintechnik-Tochter Healthineers. Die größte Neuemission in Frankfurt seit der Deutschen Telekom solle noch vor Ostern über die Bühne gehen, sagten zwei mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Montag.

Siemens wolle den offiziellen Startschuss bereits Anfang März geben, vier Wochen später soll Healthineers das Börsendebüt feiern. Der Münchner Technologiekonzern wolle sich damit die gute Stimmung an der Börse zunutze machen. „Der Markt läuft gut, aber keiner weiß, wie lange, wenn die Leitzinsen steigen“, sagte ein Insider. Offiziell hat sich Siemens bisher nur auf das erste Halbjahr für den Börsengang festgelegt - wenn das Marktumfeld dies zulasse.

Am Dienstag kommender Woche sollen Analysten auf einem Kapitalmarkttag in London erstmals einen tieferen Einblick in das Zahlenwerk des Herstellers von Röntgengeräten, Magnetresonanz-Tomographen und Laborausrüstung bekommen. Am 31. Januar stellt Siemens seine Geschäftszahlen für das erste Quartal 2017/18 vor. Sie sollen auch Basis für den Börsenprospekt von Healthineers sein, wie die Insider sagten.

Was mal alles Siemens war
Siemens will sechs Milliarden Euro sparen
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Siemens Hausgeräte

Die bekannten Waschmaschinen, Kaffeeautomaten oder Staubsauger mit dem Siemens-Logo stammen in der Regel vom Gemeinschaftsunternehmen Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH (BSH), das bereits seit 1967 existiert. Im Jahr 2013 stieg der BSH-Umsatz um 7 Prozent auf 10,5 Milliarden Euro. Inzwischen hat sich Siemens aus dem Geschäft ganz zurückgezogen und die Anteile für drei Milliarden Euro an den Partner Bosch verkauft.

Siemens Gamesa
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Das Geschäft mit Windturbinen hat Siemens im Jahr 2016 mit der spanischen Firma Gamesa zusammengelegt zu „Siemens Gamesa“. An der neuen Gemeinschaftsfirma hält Siemens 59 Prozent.

Im November 2017 besuchte die britische Königin Elizabeth ein Werk des Unternehmens in Kingston upon Hull (Bild).

Siemens Hörgeräte
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Die Hörgerätetochter wollte Siemens ursprünglich an die Börse bringen. Nun verkauft der Konzern sie für 2,15 Milliarden Euro. Die neuen Eigentümer sind der schwedische Finanzinvestor EQT und die Hexal-Gründerfamilie Strüngmann. Sollte sich das Geschäft gut entwickeln, bekommen die Münchner über einen Besserungsschein noch einen Nachschlag. Siemens bleibt mit 200 Millionen Euro Vorzugskapital an der traditionsreichen Tochter beteiligt.

Osram
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Osram

„Licht ist Osram“, lautet der Werbespruch von Osram. Von 1978 bis 2013 gehörte der Hersteller zu Siemens, dann brachte der Mutterkonzern die Tochter an die Börse. Die Siemens-Aktionäre wurden beteiligt. Der Markt ist jedoch im Umbruch, die Preise für LED-Leuchten sind wegen der großen Konkurrenz unter Druck. Der Hersteller fährt deswegen einen Sparkurs und streicht Stellen.

Gigaset bilanziert zweites Quartal
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Gigaset

Das Geschäft mit schnurlosen Telefonen hat Siemens im Jahr 2008 an den Finanzinvestor Arques verkauft, der seit 2011 als Gigaset AG firmiert. Ein Streit über den Verkaufspreis zog sich bis weit in das Jahr 2010 hin, Siemens verzichtet schließlich wohl auf einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag.

huGO-BildID: 8061727 ** ARCHIV ** Ein Stopschild ist am 28. Sept. 2006 in Kamp-Lintfort an einer Produktionshalle des Handy-Herstellers BenQ zu sehe
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Siemens Mobile

Der Verkauf der Handy-Sparte an den taiwanischen Elektronikkonzern 2005 war für Siemens ein unrühmliches Kapitel. Das Rennen mit Branchengrößen wie Nokia konnte Siemens nicht mithalten, doch auch unter den neuen Besitzer hatte das Unternehmen keine Zukunft. Die Firma mit etwa 7000 Mitarbeitern stellte Ende 2006 die Produktion ein.

huGO-BildID: 31796967 FILES - A general view of Nokia Siemens Networks in Espoo on November 23, 2011. Finnish telecom equipment maker Nokia is buying
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Siemens Networks

Das Geschäft mit der Ausrüstung für Telefonnetze brachte Siemens im Jahr 2007 in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Nokia ein. Nokia Siemens Networks machte danach etliche Sparrunden durch. Anfang Juli kündigte Siemens den Verkauf seines 50-Prozent-Anteil für 1,7 Milliarden Euro an Nokia an.
Siemens hatte bereits seit langem den Ausstieg aus dem Gemeinschaftsunternehmen gesucht. Mit dem Verkauf des NSN-Anteils treibe das Unternehmen die „Fokussierung auf unser Kerngeschäft weiter konsequent voran“, teilte Joe Kaeser, damals Siemens-Finanzvorstand, mit.

Healthineers ist die profitabelste Sparte von Siemens. Ihr Wert wird von Analysten auf 30 bis 40 Milliarden Euro geschätzt, obwohl sie nur ein Sechstel zum Umsatz von Siemens beiträgt. Der Münchener Konzern insgesamt ist an der Börse 102 Milliarden Euro wert. Siemens will nur einen Minderheitsanteil von 15 bis 25 Prozent an Healthineers an den Aktienmarkt bringen.

Die Emission könnte damit sechs bis zehn Milliarden Euro schwer werden. Mehr hatte zuletzt das Börsendebüt der Telekom 1996 eingebracht: 10,6 Milliarden. Um den Verkauf der Aktien zu erleichtern, erwägt Siemens-Chef Joe Kaeser, im Vorfeld einen Ankerinvestor an Bord zu nehmen, etwa einen großen Staatsfonds.

Dermapharm will noch schneller sein

Der erste Börsenneuling des Jahres in Frankfurt wird die Siemens-Sparte aber voraussichtlich nicht: Der bayerische Arzneimittel-Hersteller Dermapharm will Healthineers Insidern zufolge zuvorkommen. „Das soll noch vor Healthineers laufen“, sagte einer von ihnen. Das Familienunternehmen aus Grünwald bei München könnte mit gut einer Milliarde Euro bewertet werden, sagten mehrere mit den Plänen vertraute Personen zu Reuters.

Organisieren solle den Börsengang die Investmentbank Berenberg. Die weiteren Schwergewichte, die im ersten Halbjahr an die deutsche Börse drängen, dürften es vor Ostern nicht mehr schaffen. Dazu gehören der Deutsche-Bank-Vermögensverwalter DWS, der Wissenschaftsverlag Springer Nature und der Bremsenkonzern Knorr-Bremse. 

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