Hedgefonds
Mehr Post für den Vorstand

Aktivistische Hedgefonds treten immer mehr Kampagnen los. In den USA ist das Phänomen schon weit verbreitet, jetzt geraten auch Dax-Unternehmen ins Visier.

FrankfurtDie Vorstände in den börsennotierten Unternehmen in Deutschland müssen sich darauf einstellen, dass in den kommenden Monaten verstärkt aktivistische Aktionäre an die Tür klopfen. „Seit rund einem Jahr gibt es ein Umdenken beim Thema ‚Shareholder Activism‘, sowohl in Europa, als auch in Deutschland. Die Vorstände wissen, dass die Zahl der öffentlichen Kampagnen seit Jahren stetig zunimmt“, sagt Jan Weber, Managing Director bei der US-Großbank Morgan Stanley, gegenüber dem Handelsblatt.

Laut einer Studie von „Activist Insight“ werden für dieses Jahr in Europa über 70 öffentliche Kampagnen von Aktivisten erwartet. Üblicherweise sind das milliardenschwere Hedgefonds, die das Geld dafür von institutionellen Investoren wie beispielsweise Pensionskassen bekommen. 2014 waren es bereits 51 Aktionen, im Jahr davor erst 36.

Ins Visier geraten Unternehmen, die – gemessen an Konkurrenten oder dem Aktienindex – schlechter abschneiden. Konglomerate sind besonders anfällig und gelten als „low hanging fruits‘“. Während sich Aktivisten in den USA meistens aggressiver verhalten und bis zu 15 Prozent der Aktien kaufen, um Sitze im Aufsichtsrat zu erhalten, ist die Gangart in Europa gemäßigter. „In Europa kaufen sich die Aktivisten mit geringen Quoten ein und suchen den Dialog mit dem Vorstandschef. Viele Vorstände in Deutschland oder der Schweiz werden mit solchen Briefen konfrontiert“, sagt Weber.

„In Deutschland bauen sie meist kleinere Beteiligungen unter drei Prozent auf und legen dann dem Vorstand mit 30– oder 40-seitigen Power-Point-Präsentationen dar, was er anders machen sollte. Das gelangt kaum in die Öffentlichkeit“, weiß Dirk Albersmeier, Co-Chef für das M&A-Geschäft in Europa der US-Investmentbank JP Morgan. Wer glaubt, dass eine hohe Marktkapitalisierung allein vor unbequemen Aktionären schützt, der täuscht sich, denn die rund 50 Spezialfonds managen heute mindestens 100 Milliarden Dollar - Tendenz steigend.

Die Top-Manager in den Vorstandsetagen wären schlecht beraten, wenn Sie den Kopf in den Sand stecken und darauf hoffen, dass Sie unbequeme Anfragen einfach aussitzen können. „Vorstände sollten offen sein für alle Ideen der aktivistischen Aktionäre, Tabus sind fehl am Platz. Schlechte Ideen muss man mit Argumenten entkräften, die man bereits im Vorfeld durchgespielt hat“, sagt Morgan-Stanley-Manager Weber. Er ist sich sicher: „Im Dax wird es aktuell und zukünftig immer eine Handvoll Situationen geben, bei denen Aktivisten eine Rolle spielen.“

Für die Anleger ist der Einstieg eines Hedgefonds bei einem Konzern meistens positiv, stiegen doch die Kurse im Schnitt um bis zu zehn Prozent. Allerdings kann das Kursfeuerwerk auch schnell abbrennen, deshalb empfiehlt es sich, mit dem Ausstieg der Aktivisten ebenfalls Kasse zu machen.

In 2015 machten bereits Vivendi, Conwert, Rolls-Royce sowie die UBS mit den Aktivisten Bekanntschaft, in den vergangenen Jahren waren laut „Activist Insight“ prominente Namen wie Celesio, Nokia, adidas und EADS auf dem Radarschirm der Hedgefonds.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%