Heimwerkerketten gelten als Profiteure
Hypothekenkrise setzt Baufirmen unter Druck

Das Unwetter auf dem US-Privathausmarkt schlägt auch auf die Aktien von Baufirmen durch. Weil die Zahl der verfügbaren Häuser steigt – schließlich kommen wegen der wachsenden Zahl von Zwangsversteigerungen immer mehr Häuser auf den Markt – und gleichzeitig wegen höherer Bonitätsanforderungen die Zahl der Interessenten fällt, zieht dies deren Papiere in Mitleidenschaft. Analysten raten deshalb zu höchster Vorsicht.

STUTTGART. Donald Horton, Chef des größten US-Bauunternehmens D.R. Horton, gab vor Kurzem zu Protokoll: Das Jahr 2007 werde „ein verdammt schlechtes“ – sowohl für die Verkaufszahlen als auch für die Preise. Gleich reihenweise legen die einstigen Stars der Branche magere Zahlen vor: KB Homes berichtete von einem um 84 Prozent gefallenen Nettogewinn. Toll Brothers, Pulte Homes und Centex meldeten gar Verluste.

„Wir erwarten, dass 2007 nur ganz wenige Baufirmen profitabel bleiben können“, sagt Analyst Daniel Oppenheim von Bank of America und schätzt: „Die Schwierigkeiten am Hypothekenmarkt werden die Nachfrage nach neuen Häusern um 15 Prozent drücken.“ Bei KB Homes sind die Aufträge im letzten Vierteljahr um zwölf Prozent zurückgegangen; im Quartal davor wurde sogar fast jede zweite Bestellung storniert.

Jetzt richten sich die Hoffnungen auf den Frühling, in den USA die wichtigste Zeit für Hauskäufe. Bisher fallen die Zahlen je nach Region unterschiedlich aus. Lehman Brothers-Ökonom Drew Matus erwartet, dass sich die Lage Ende Juni dieses Jahres deutlicher absehen lässt.

Vorsichtig optimistisch zeigen sich die Experten dagegen bei Aktien von Baumärkten. Denn obwohl die Krise auch an ihnen nicht spurlos vorübergeht, könnten sie zu deren Nutznießern werden. Nämlich falls die Käufer beschließen: Wenn wir uns schon kein neues Haus leisten können, dann renovieren wir eben unser altes.

Die weltgrößte Heimwerkerkette Home Depot verdiente zwar im vergangenen Vierteljahr ebenfalls fast ein Drittel weniger als im Vorjahresquartal. Doch Chef Frank Blake kündigte umfangreiche Investitionen an, um die Infrastruktur auszubauen. Allein im laufenden Jahr soll die Belegschaft um mehr als 80 000 aufgestockt werden. „Blake und die gesamte Chefetage sagen genau das Richtige“, meint Analyst David Strasser von Bank of America. „Das Schwierigste wird die Umsetzung. Doch wir glauben, dass ihre Strategie stimmt.“ Die Mehrheit der Analysten rät bei Home Depot zum Kauf.

Auch bei Erzkonkurrent Lowe’s überwiegen die Kaufempfehlungen. Noch vor einem Monat erreichte die Aktie ein Jahreshoch bei knapp 36 Dollar und könnte nach Schätzung von Analysten noch ein Aufwärtspotenzial von 20 Prozent bergen. Deborah Weinswig von Citigroup nennt Lowe’s ihren Top-Empfehlung (Top Pick) für 2007 und lobt die „klare Strategie, die soliden Fundamentaldaten und das erfahrene Führungsteam“.

Allerdings: So oder so werden sich die Anleger in Geduld üben müssen, bis die Stimmung in der Baubranche wieder freundlicher ausfällt. „Die Abkühlung am Immobilienmarkt könnte länger dauern, als allgemein angenommen“, warnt Gary Balter von der Investmentbank Credit Suisse. Er rechnet mit einer Erholung nicht „vor Ende 2007 oder erst 2008, und auch dann wird sie nur langsam vor sich gehen.“

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