Heineken und Interbrew stehen bei den Analysten derzeit nicht hoch im Kurs
Nur Anheuser-Busch hat noch das Zeug für Zukäufe

Außer dem amerikanischen Weltmarktführer Anheuser-Busch trauen Fachleute derzeit keinem anderen Wettbewerber zu, deutsche Brauereien zu schlucken.

DÜSSELDORF. „Die üblichen Verdächtigen“ werden die internationalen Brauriesen genannt, seit auf dem deutschen Biermarkt das Übernahmefieber ausgebrochen ist. Doch außer dem amerikanischen Weltmarktführer Anheuser-Busch (Marke: Bud, Ausstoß: 156 Mill. Hektoliter) trauen Fachleute derzeit keinem anderen Wettbewerber zu, deutsche Brauereien zu schlucken.

Während der niederländische Braugigant Heineken sich hier zu Lande mit seinen Minderheitsbeteiligungen an der Bayerischen Brau-Holding (Paulaner) und an der saarländischen Karlsberg- Gruppe (Mixery) eher still vergnügt, hat sich Interbrew aus dem belgischen Leuwen mit den Marken Beck’s, Hasseröder und Diebels richtig Arbeit aufgeladen. Beide Konzerne müssen jedenfalls ihre Übernahmen erst einmal verdauen.

Die dänische Carlsberg Breweries hat hingegen offenbar eingesehen, dass Deutschland ein ganz spezieller Biermarkt ist, und sich nach langen, wenig ertragreichen Jahren von der Mönchengladbacher Hannen- Brauerei wieder getrennt. „Nur in China und in Deutschland haben wir kein Geld verdient“, räumte kürzlich Carlsberg-Chef Nils S. Andersen auf dem Deutschen Brauertag in Hamburg ein. Für einen strategischen Ausbau des Deutschland- Geschäftes fehlt den Dänen schlicht das nötige Geld. Denn als „mittelständischer internationaler Brauer“, so Andersen, könne man sich nicht „unendlich viel Kapital“ beschaffen, auch nicht an der Börse.

Die Kaufempfehlungen der Analysten halten sich für diese drei Braukonzerne mit Deutschlanderfahrung in Grenzen. Zumal Heineken die Anleger vor wenigen Wochen mit der Meldung schockte, dass der Konzern zum ersten Mal die selbst gesteckten Wachstumsziele wohl nicht erreichen werde. Außerdem schlägt die Übernahme der Österreichischen Brau-Beteiligungs-AG (BBAG) bereits mit 1,9 Mrd. Euro zu Buche. Die Analysten der Credit Suisse First Boston (CSFB) stuften die Aktie auf „underperform“ (unterdurchschnittlich) herunter, zumal auch das US-Geschäft der Niederländer schwächelt. Seit Jahresbeginn verlor die Heineken-Aktie an der Amsterdamer Börse rund 15 %

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Auch Interbrew muss sich nach einer teuren Akquisitionstour – allein die Übernahme der Bremer Brauerei Beck & Co kostete 1,7 Mrd. Euro – erst einmal sortieren. Fünf Monate nach seinem Einstieg an der Spitze des belgischen Brauereikonzerns zeigt Vorstandschef John Brock seinen Kollegen, wer Herr im Hause ist, und baut nun seinen Vorstand um. Unter anderem muss Finanzchef Luc Missorten gehen.

Branchenexperten wie Richard Withagen, Analyst bei Delta Lloyd Securities, honorieren harte Maßnahmen. Der Kurs der Aktie liegt trotz leichter Erholung aber immer noch fast ein Drittel unter dem Börsenwert vor einem Jahr.

Ein ähnliches Trauerspiel bietet derzeit der britische Braukonzern Scottish & Newcastle (S&N). „Verkaufen“, rät ING-Analyst Gerard Rijk, auch wenn jetzt zwei Londoner Milliardäre ihr Interesse an der Gastronomie-Sparte des Konzerns signalisiert haben. Die S&N-Pubs sollen für mindestens 2,3 Mrd. Pfund den Besitzer wechseln.

Richtig zufrieden kann derzeit nur Anheuser-Busch sein. Im zweiten Quartal steigerte der US-Braugigant seinen Nettogewinn um 7,8 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Weiteres Wachstum könnte auch außerhalb der USA erzielt werden. Deshalb halten Branchenexperten einen „Doppelschlag“ von Anheuser-Busch in Deutschland nicht mehr für ausgeschlossen. Mit der Übernahme der zum Verkauf stehenden Brau und Brunnen AG und der Holsten Brauerei AG könnte sich der Brauriese auf einen Streich fast 20 % des deutschen Biermarktes sichern, falls der Bielefelder Oetker-Konzern nicht zum Zuge kommen sollte. Nebenher sollen derzeit Verhandlungen laufen mit der tschechischen Brauerei Budejovicky Budvar (Budweiser) und der Bitburger Brauerei, die bisher wegen der Namensähnlichkeiten die Verwendung der US-Marke „Bud“ in Europa gerichtlich verhinderten.

Eine großangelegte Werbeoffensive haben die Amerikaner schon vorbereitet: Es besteht bereits eine Partnerschaft mit dem Weltfußballverband FIFA für die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Außerdem stieg der Braugigant jetzt für 75 Mill. Euro als Großsponsor des Williams-BMW-Teams in die Formel 1 ein. Beide Sportarten genießen vor allem außerhalb der USA große Popularität.

Quelle: Handelsblatt

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