Heiße Aktien
Zocken mit Pennystocks

Praktiker, Conergy, Loewe – mehrere namhafte Unternehmen sind in Schieflage geraten. Die Aktien sind abgestürzt. Doch die Zocker investieren jetzt erst Recht. Ein Spiel, bei dem es nur wenige Gewinner gibt.
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DüsseldorfAm Tag, als die Baumarktkette Praktiker den Insolvenzantrag stellt, schnellt das Handelsvolumen nach oben. Allein auf der Börsenplattform Xetra wechseln rund 37,5 Millionen Papiere den Besitzer, fast ein Drittel aller existierenden Aktien des Unternehmens. Viele Anleger wollen nur noch raus aus der Aktie. Aber: auf der anderen Seite steht immer auch ein Käufer; jemand, der die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat, oder der einfach etwas Spielgeld übrig hat.

Neben Praktiker sind gleich mehrere namhafte Unternehmen in diesem Jahr in Schieflage geraten. Das trifft in erster Linie die Mitarbeiter. Aber auch die Aktionäre verlieren fast alles. Nur einige Unentwegte setzten erst Recht auf die abgestürzten Aktien. Sie hoffen darauf, mit kleinem Einsatz viel zu gewinnen.

Auf Internetseiten wie Wallstreet Online tauschen Anleger gerne die heißesten Tipps aus. Wer nicht ständig in solchen Foren unterwegs ist, wird sich wundern, über welche Aktien die Nutzer am meisten diskutieren: Es geht nicht um Unternehmen wie Daimler, das gerade seinen Nettogewinn verdreifacht hat. Auch andere Dax-Konzerne interessieren offenbar wenig. Es sind Pennystocks, die besonders gefragt sind: Praktiker und Conergy ist dabei, ebenso wie der Immobilienkonzern IVG. Auch weniger bekannte Aktien wie Dyesol, Sangui Biotech, Northland Resources oder Energulf Resources ziehen große Aufmerksamkeit auf sich.

„Ich rate dringend davon ab, sich auf die Tipps in Börsenforen zu verlassen“, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Er glaubt, dass es bei vielen Aktientipps allein darum gehe, den Kurs zu pushen, bis hin zur gezielten Verbreitung von Falschinformationen. Dies wird besonders gerne bei kleinen Pennystocks angewendet. Ein kurzer Ausschlag nach oben reicht den „Pushern“, um mit Gewinn zu verkaufen. „Solche Wetten sind nichts für unbedarfte Privatanleger“, warnt der Anlegerschützer.

Das Handelsvolumen bei Praktiker blieb in den vergangenen Tagen vergleichsweise hoch. Täglich werden auf Xetra noch rund fünf Millionen Aktien gehandelt, was einem Umsatz von 600.000 Euro entspricht. Nachdem das Unternehmen am Donnerstagabend ein weiteres Insolvenzverfahren für seine Tochter Max Bahr beantragt hat, dürfte das Handelsvolumen noch einmal anziehen – und der Kurs abermals fallen. Doch die ganz hartnäckigen Glücksritter dürfte auch das nicht abschrecken.

Gerade die abgestürzten Aktien üben eine besondere Anziehungskraft aus. Zumal die Gründe für den Absturz sehr verschieden sind. Nicht in jedem Fall handelt es sich um schlecht geführte Unternehmen, mitunter ist das Geschäftsmodell intakt. Dem Fernsehhersteller Loewe, der nach hohen Verlusten ein sogenanntes Schutzschirmverfahren einleiten musste, trauen manche Experten ein Comeback zu. Dabei kann das Unternehmen versuchen, sich unter gerichtlichem Schutz zu sanieren und wird weiter von seinem Management geführt. Die Aktie hat zwar deutlich verloren, für einen Pennystock-Jäger fällt sie mit einem Kurs 1,80 Euro aber aus dem Raster.

Kommentare zu " Heiße Aktien: Zocken mit Pennystocks"

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    „Ich rate dringend davon ab, sich auf die Tipps in Börsenforen zu verlassen“, sagt Jürgen Kurz ...
    //UnQuote

    Als jemand, der seit 15 Jahren in diversen Börsenforen aktiv ist, muss ich zum Ehrenrettung dieser Gemeinde festhalten, dass die Meinungen der User zumindest ehrlich sind.
    Das ganz im Gegensatz zu Banken-Empfehlungen, wo Banken-Verkäufer genau jene Papiere verkaufen, die halt im Moment "raus müssen". Auch wenn sie dann intern diese Papiere als "shitty deal" bezeichnen. (s. Timberwolf, Goldman Sachs, Hearing vom April 2010, http://www.youtube.com/watch?v=gLx2Xc1EXLg )
    Foren-User verdienen kein Geld, wenn sie Dir eine Aktie empfehlen. Bank-Verkäufer schon. Und letzteres sollte uns misstrauisch machen.
    Dennoch ist es richtig, dass man sich erst in ein Forum einlesen sollte, um ein Gespür dafür zu bekommen, wer von den Schreibern seriös begründen kann und wer nur ein "Pusher" ist!

  • Praktiker, Conergy, Loewe,...

    Und was ist mit Biofrontera AG?

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