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Hintergrund: Börse erleichtert wegen vorgezogener Neuwahl - Versorger gefragt

Mit der Aussicht auf einen vorzeitigen Regierungswechsel in Deutschland haben die Anleger zu Wochenbeginn die Börse wiederentdeckt. Der Dax stieg am Montagmorgen in die Nähe des Jahreshochs, wozu besonders die hohen Gewinne bei den Versorgern beitrugen.

dpa-afx FRANKFURT. Mit der Aussicht auf einen vorzeitigen Regierungswechsel in Deutschland haben die Anleger zu Wochenbeginn die Börse wiederentdeckt. Der Dax stieg am Montagmorgen in die Nähe des Jahreshochs, wozu besonders die hohen Gewinne bei den Versorgern beitrugen. Börsianer warnten allerdings vor zu großen Erwartungen an den denkbaren Regierungswechsel in Berlin. "Ich denke, das Thema wird, wie üblich, relativ schnell abgefrühstückt sein", sagte Aktienhändler Norbert Pütz von der Postbank in Frankfurt. Ölpreis und Konjunktur blieben die bestimmenden Faktoren.

Die SPD hatte auf die Wahlschlappe bei der Landtagswahl in NRW mit der Ankündigung von Neuwahlen für den Bundestag im Herbst reagiert. Die rot-grüne Koalition in Berlin liegt in Umfragen derzeit klar hinter den beiden Oppositionsparteien zurück.

Das positive Echo am Aktienmarkt ist nach den Worten von Aktienstratege Christian Schmidt von Helabatrust "zurückzuführen auf die Erwartung, dass die notwendigen wirtschaftspolitischen Reformen nun schneller angepackt werden". Besonders ausländische Investoren seien zuletzt von der als lähmend empfundenen deutschen Politik abgeschreckt worden und reagierten jetzt mit steigendem Interesse oder sogar Erleichterung.

'CDU-Mehrheit BRÄChte HandlungsfÄHige Regierung'

Aktienstratege Uwe Streich von der LBBW in Stuttgart stimmte dem zu: "Die Psychologie ist für die Märkte enorm wichtig", sagte er. Er verwies auf die Möglichkeit einer absoluten Unionsmehrheit im Bundestag, was in Kombination mit den Mehrheitsverhältnissen im Bundesrat zu einer "außerordentlich handlungsfähigen Regierung" führen würde. Bis dahin sei zwar noch ein "Reformstau" zu überwinden, der nach der Ankündigung vorgezogener Neuwahlen aber "deutlich verkürzt" sei.

Nach Einschätzung der Bank of America könnte nach der ersten Euphorie die Sorge über politische Unsicherheiten in Deutschland überwiegen. Insgesamt werde aber die Aussicht auf eine neue reformfreundliche Bundesregierung an den deutschen Finanzmärkten positive Auswirkungen haben, sagte Holger Schmieding, Europa-Chefvolkswirt der Bank of America. Sollte die CDU-Vorsitzende Angela Merkel zum Ende des Jahres als Wahlsiegerin Bundeskanzlerin werden, stehe Deutschland vor weiteren, einschneidenden Reformen, sagte Schmieding. Vor allem am Arbeitsmarkt seien solche Reformschritte dringend notwendig.

LaufzeitverlÄNgerung VON Atomkraftwerken Senkt Kosten BEI Versorgern

Mit den höchsten Kursgewinnen reagierten am Montag die Aktien von Energiekonzerne. Zentral bei den Überlegungen der Anleger sei die Ankündigung der CDU, nach der die vorzeitige Abschaltung von Atomkraftwerken rückgängig gemacht werde, sagte Stratege Streich. Zugleich käme die Kürzung der Förderung erneuerbarer Energien den beiden großen Versorgern RWE und Eon AG zugute, sagte er. Beides senke die Kosten und erhöhe entsprechend die Profitabilität.

Selbst ohne Regierungswechsel in Berlin ist es wahrscheinlich, dass der Ausstieg aus der Atomenergie rückgängig gemacht werde, wie es in einer Einschätzung von Morgan Stanley hieß. Auch in diesem Fall dürften die beiden Versorger entweder profitieren oder zumindest, wie im Falle RWE, nicht belastet werden, berichtete Morgan-Stanley Analyst Roland Vetter.

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