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Hintergrund: Türkischer Aktienmarkt leidet unter möglicher Abwahl Schröders

Die Sorge vor einer Abwahl des amtierenden deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder hat den türkischen Aktienmarkt am Montag belastet. Bei einem Regierungswechsel fällt ein wichtiger Fürsprecher für den türkischen EU-Beitritt weg.

dpa-afx FRANKFURT/LONDON. Die Sorge vor einer Abwahl des amtierenden deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder hat den türkischen Aktienmarkt am Montag belastet. Bei einem Regierungswechsel fällt ein wichtiger Fürsprecher für den türkischen EU-Beitritt weg. In Verbindung mit dem drohenden "Nein" der Franzosen zur EU-Verfassung am kommenden Sonntag laste dies auf der Stimmung der Aktienhändler am Bosperus, erklärten Marktteilnehmer in London und Frankfurt.

Ein "Nein" der Franzosen zur EU-Verfassung bremst das Zusammenwachsen der europäischen Staaten und behindert damit den schnellen Beitritt der Türkei in das europäische Bündnis. "Neuwahlen in Deutschland belasten den Integrationsprozess" hieß es von der Ceros Vermögensverwaltung.

"Es gibt drei Gründe für die Kursverluste in der Türkei", sagte Andrea Ardavany, Händlerin für europäische Wachstumsmärkte der Creditanstalt Bank Austria in London. Neben der Wende im Übernahmeverfahren beim Mobilfunkanbieter Turkcell stehe die Politik eindeutig im Mittelpunkt des türkischen Börsengeschehens. "Sowohl das EU-Referendum in Frankreich als auch die mögliche Abwahl von Schröder sind für die Türkei ein großer Unsicherheitsfaktor und das Thema an der Börse". Vor allem das französische Referendum werde sehr negativ gesehen und belaste noch stärker, als die Unsicherheit, die aus einer möglichen Abwahl Schröders erwachse.

"Ein sich abzeichnender Regierungswechsel in Deutschland und Frankreichs mögliches 'Nein' zur EU-Verfassung wäre keine langfristig Katastrophe für den türkischen Aktienmarkt", stellte die Ceros Vermögensverwaltung fest. Baris Büyükdemir, Manager des Fonds "Türkei75+", ist sich der Risiken einer gebremsten europäischen Integration, die eine Ablehnung der europäischen Verfassung durch Frankreich und ein Regierungswechsel in Deutschland bedeuten würden, bewusst. "Natürlich setzen viele Türkeianleger auf die Europaphantasie. Ein Stoppen des Integrationsprozesses würde daher sicherlich kurzfristigen Druck auf die Istanbuler Aktien- und Rentenmarkt auslösen," unterstreicht Büyükdemir. Dennoch zeigt sich der Türkei-Experte langfristig optimistisch.

Auch die Analysten der CSFB heben den möglichen Widerstand der Franzosen gegen einen EU-Beitritt hervor, der sich im Referendum zum Ausdruck kommen könnte: Zwanzig Prozent der Franzosen seien gegen einen Beitritt der Türkei in die EU, hieß es in einer Analyse vom Montag. "In unseren Augen ist der entscheidende Punkt, ob die Beitrittsverhandlungen Anfang Oktober beginnen".

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