Historischer Kurssturz
Schwarzer Börsentag für Rhön-Klinikum

Die Aktien von Rhön-Klinikum knicken am Montag so kräftig ein wie noch niemals zuvor in der Unternehmensgeschichte. Der Grund dafür ist die geplatzte Übernahme durch den Dax-Konzern Fresenius.
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Der Verzicht von Fresenius auf ein zweites Übernahme-Angebot hat Rhön-Klinikum am Montag den größten Tagesverlust der Unternehmensgeschichte beschert Die Papiere des Klinik-Betreibers fielen zeitweise um bis zu 23 Prozent und kosteten mit rund 14,50 Euro nur unwesentlich mehr als unmittelbar vor Bekanntgabe der ersten Offerte im April. Dabei wechselten innerhalb der ersten Handelsstunde fast zwei Mal so viele Rhön-Papiere den Besitzer wie an einem gesamten Durchschnittstag.

"Rhön-Klinikum muss nun das operative Geschäft stabilisieren und die Restrukturierung zurück aufs Gleis stellen", schrieb DZ Bank-Analystin Christa Bähr in einem Kommentar. Da die neuen strategischen Investoren Fresenius, Asklepios-Kliniken und B. Braun ihre Anteile aufstocken wollten, müsse mit anhaltenden Übernahmespekulationen rund um Rhön gerechnet werden.

Die Aktien von Fresenius stiegen als Reaktion auf die Entscheidung, vorerst nicht noch einmal für Rhön zu bieten, um 2,5 Prozent auf 86,94 Euro. Analystin Claudia Lakatos von Silvia Quandt Research betonte, ein neuer Übernahmeversuch wäre Fresenius aus Marktsicht zu teuer gekommen. "Wir betrachten die Entscheidung für Fresenius insofern positiv, weil es im Markt Bedenken gab wegen des diskutierten Preises und weil es wegen der unterschiedlichen Parteien schwierig geworden wäre, die Kontrolle über Rhön zu bekommen", sagte sie. Darüber hinaus wären die diskutierten Synergien geringer ausgefallen als beim ursprünglichen Deal. Dennoch: Die Logik hinter einer Konsolidierung des Klinik-Marktes sei immer noch gültig.

Der Rhön-Vorstand bedauerte die Absage von Fresenius. "Der Vorstand teilt weiterhin die strategische Logik des Zusammenschlusses zweier großer privater Klinikbetreiber in Deutschland", sagte Rhön-Chef Wolfgang Pföhler. "Rhön-Klinikum sieht sich für die Zukunft gut gerüstet, um bei der Konsolidierung im Krankenhausmarkt weiterhin eine aktive Rolle zu spielen."

Fresenius war Ende Juni im ersten Versuch gescheitert, Rhön-Klinikum für 3,1 Milliarden Euro zu übernehmen, weil der Konzern nicht wie angestrebt gut 90 Prozent der Rhön-Aktie einsammeln konnte. Im Anschluss lotete der Dax-Konzern aus, ob er einen zweiten Anlauf bei Rhön macht und sich dabei zunächst mit einer einfachen Mehrheit zufrieden gibt. Am Ende fiel das Urteil negativ aus. "Leider konnte keine hinreichend verlässliche Grundlage für die Verwirklichung der unternehmerischen Ziele geschaffen werden," erklärte der Konzern.


Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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