Hochfrequenzhandel beim China-Crash
Die Maschine und der Markt

Computer ersetzen immer mehr den Menschen – auch beim Wertpapierhandel und der Verwaltung von Geld. Am „Schwarzen Montag“ haben Maschinen die Börsenturbulenzen noch verstärkt. Was da passiert ist.
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FrankfurtSorgen münden in eine Panik. Maschinen helfen dabei. So lässt sich das Geschehen an den Börsen zum Wochenauftakt beschreiben – auch wenn es etwas überspitzt formuliert ist. Am „Schwarzen Montag“ war jedenfalls erst einmal mit sechs Jahren Aktienhausse. Vor allem die Wall Street bebte so stark wie seit dem Finanzkrisenjahr 2008 nicht. Abzulesen war es am sogenannte Angstbarometer, dass die Stärke der erwarteten Kursschwankungen für den US-Aktienindex S&P 500 misst.

„Pure Panik“ herrschte, wie Analyst Dwight Bolden von Metzler Capital Markets beobachtete. „Grund für die hohen Tagesschwankungen an vielen Märkten war ein Vertrauensverlust mit Blick auf China in Verbindung mit sinkendem Risikoappetit“, nennt William de Viljder, Chef-Volkswirt bei BNP Paribas, die Auslöser der Misere. Unsicherheiten über die weitere Entwicklung der US-Zinsen kamen hinzu.

Die Panik war kein reines Aktienphänomen. Bei Währungen und Rohstoffen hatten sich schon vorher Turbulenzen angedeutet. Doch bei den Aktien konzentrierten sich die Ausschläge am Montag. Ein gutes Beispiel liefert der Titel des Autobauers Ford. Die Aktie eröffnete zum Wochenauftakt 16 Prozent tiefer als am Freitag, fiel auf ein Minus von 25 Prozent, schloss nach einer furiosen Umkehr mit einem Abschlag von nur fünf Prozent. Ein normaler Tag sieht anders aus. Finanzprofessor Lutz Johanning weiß, wer dahinter steckt: „Das waren Investoren, die Direktbestände, Fonds oder Indexfonds verkauft haben.“

Eine wichtige Rolle spielen institutionelle Großanleger. „Die haben Risikobudgets, die sie einhalten müssen. Wenn Märkte fallen, müssen sie verkaufen“, erklärt Finanzprofessor Alexander Kempf.
Besonders spannend war die Eröffnung der Wall Street.

Normalerweise starten die US-Märkte mit geringeren Abschlägen als die europäischen Plätze, wenn die bereits ins Minus gerauscht sind. Das beobachtet de Viljder. „Aber die Eröffnung in USA war desolat, es gab einen regelrechten Ausverkauf“, sagt der Mann aus Paris, „das hat manche Akteure wie Hedgefonds und Vermögensverwalter überrascht, die dann gezwungen waren zu verkaufen.“ So beschleunigte sich die Talfahrt noch.

Börsentendenzen hat es immer gegeben. Ungewohnt sind allerdings die hohen Ausschläge der jüngeren Vergangenheit in sehr kurzer Zeit. Ein Warnschuss war der sogenannte Flash Crash vor fünf Jahren, als die Kurse an Wall Street innerhalb von Minuten extrem gefallen, sich ebenso wieder erholt hatten. Am Montag gingen die hohen Abschläge aus technischer Sicht vor allem auf das Konto von Stop-Loss-Orders, automatischen Oderausführungen, wenn bei Kursen vorgegebene Schwellen unterschritten werden.

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Kommentare zu " Hochfrequenzhandel beim China-Crash: Die Maschine und der Markt"

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  • Auf dem Bild, ist der Herr Schneider schon zur Maschine geworden ?

  • Wasch mir den Pelz, aber mach micht nass...

    Das ist heute die weit verbreitete Einstellung von privaten und institutionellen Investoren. An der Börse heißt das: Ich will dabei sein, wenn es steigt, aber bloß keine Verluste, wenn's bergab geht.

    Immer wieder tauchen am Markt irgendwelche Produkte auf, die diesen Widerspruch scheinbar tatsächlich umsetzen, also die schönste aller Welten.

    Verlustbegrenzung ist das Zauberwort, und auch Handelsblatt und Wirtschaftswoche täuschen regelmäßig ihre Leser mit angeblichen Sicherungsinstrumenten oder Stop-Loss-Kursen.

    So aber wird es nix an der Börse.

    Besser, man legt fest, welchen prozentualen Anteil man wirklich in einen volatilen Markt investieren will und geht damit dann auch ohne alberne Stop-Loss-Oders oder Absicherungsinstrumenten in den Markt. An so turbulenten Tagen ist derjenige gut beraten, der mal die ein oder andere Kauforder 5% unter den aktuellen Kursniveau platziert. Da würde sich heute der ein oder andere Wert zu einem attraktiven Kurs im Depot wiederfinden.

    Ich wüsste gerne mal, wer gestern beim DAX von 9.340 Punkten so verkauft hat, da wird so mancher Schaden in institutionellen Vermögen entstanden sein.

  • So sieht es aus. Legale Manipulation. Fällt es zu stark, wie gestern, wird der Handel ausgesetzt. Steigt es zu stark, dann nicht. Das hat mit Börse und Anlage nichts mehr zu tun. Rational oder fundamental kann man die heftigen Bewegungen von gestern und heute nicht erklären. China ist Nonsens, genau wie Griechenland. Eigentlich ist es nur noch zum kotzen.

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