Hochtief
In der Übernahmeschlacht setzt die Börse auf ACS

Die Aktienmärkte beweisen ein gutes Gespür dafür, ob ein Deal klappt oder nicht. Im Abwehrkampf von Hochtief gegen ACS spekulieren sie auf einen Erfolg des Angreifers - und geben Chef Herbert Lütkestratkötter kaum noch eine Chance im Kampf gegen die Spanier.
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DÜSSELDORF. Was bewegt Anleger, die Aktie des Baukonzerns Hochtief zu kaufen? Bei einem Kurs von 64 Euro errechnen sich 320 Euro für fünf Aktien. Dafür bietet der spanische Hochtief-Großaktionär ACS acht Anteilsscheine des eigenen Unternehmens. Diese sind gegenwärtig aber nur 296 Euro wert. Würden die Hochtief-Aktionäre das Angebot annehmen, kämen sie auf einen Verlust von 7,5 Prozent.

Dennoch scheint die Börse darauf zu setzen, dass ACS mit seinem Angebot Erfolg hat. Der Hochtief-Kurs hält sich seit dem massiven Anstieg im September hartnäckig im Bereich der Offerte der Spanier. Können die Anleger nicht rechnen? Oder spekulieren sie auf einen Nachschlag des Angreifers? Weder noch, urteilen Analysten, Händler und Aktienexperten.

"Es wird keinen Aufschlag geben", sagt Marco Cabras von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Dennoch haben Anleger guten Grund, auf weiter steigende Kurse zu spekulieren. Auch dann, wenn die Spanier an ihrer unattraktiven Offerte festhalten. Das war sie von Anfang an.

Einzelteile sind mehr wert

Vor vier Wochen entsprach das Angebot immerhin noch dem Verhältnis beider Aktien - keinen Cent mehr. ACS bietet nur so viel, wie es das gesetzliche Minimum vorschreibt, den Durchschnittskurs der letzten drei Monate. Die Spanier berücksichtigen weder, dass ein Aufschlag bei Übernahmen üblich ist. Auch berücksichtigt ACS nicht, dass Hochtief deutlich unterbewertet ist. 2009 setzte der deutsche Baukonzern 18 Mrd. Euro um, ACS nur 15,6 Mrd. Euro. Während Hochtief abzüglich seiner Barreserven auf 1,2 Mrd. Euro Schulden sitzt, steht ACS netto mit 14 Mrd. Euro in der Kreide. Dennoch bewertet die Börse ACS mit 11,6 Mrd. Euro mehr als doppelt so hoch wie den deutschen Wettbewerber. Die australische Tochter Leighton, an der Hochtief mit 54,5 Prozent beteiligt ist, kommt auf einen Börsenwert von 7,4 Mrd. Euro. Das heißt: Hochtief, ohne Leighton, gibt es fast zum Nulltarif. "Die Summe der Einzelteile ist weit mehr wert als der Gesamtkonzern", sagt Marc Gabriel vom Bankhaus Lampe. Er empfiehlt die Aktie mit einem Kursziel von 78 Euro zum Kauf.

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