Hoffnung auf Bundesligarechte
Premiere-Aktie setzt Aufholjagd fort

Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche steigt die Aktie des kriselnden Pay-TV-Senders Premiere kräftig an. Diesmal steckt ein Bericht der Bild-Zeitung dahinter. Dem Blatt zufolge kann Premiere auch künftig die Fußball-Bundesliga zeigen.

HB FRANKFURT. Premiere-Anleger erleben eine bewegte Woche: Zum zweiten Mal binnen weniger Tage springen die Aktien des Unternehmens kräftig an. Seit Wochenbeginn ist das Papier von 2,87 Euro auf 4,71 Euro gestiegen. Allein heute beträgt das Plus 45 Prozent. Auslöser für den Kurssprung ist ein Bericht der "Bild"-Zeitung. Danach wird der Münchener Bezahlfernsehsender auch in den nächsten Jahren die Fußball-Bundesliga im Programm haben. Ein Sprecher der Deutschen Fußball-Liga (DFL) lehnte einen Kommentar zu dem Bericht. Allerdings wird die DFL voraussichtlich am Freitag eine Pressekonferenz zu dem Thema veranstalten.

An der Börse sorgte die Meldung für neue Fantasie in der gebeutelten Premiere-Aktie. "Das sind zwar bislang nur Spekulationen, aber der Markt glaubt daran", sagte ein Händler. Auch der von der Bild-Zeitung ins Spiel gebrachte Preis von 400 Mio. Euro scheine in Ordnung. Bei dem niedrigen Kurs könne man ohnehin nicht mehr viel verlieren, fügte der Händler an. Bis Mittwochabend hatte die Premiere-Aktie im laufenden Jahr 75 Prozent an Wert verloren.

Für Premiere sind die Pay-TV-Rechte an der Bundesliga überlebenswichtig. Das Unternehmen steht mit dem Rücken zur Wand. Im dritten Quartal erlitt es einen unerwartet hohen Verlust von 89 Mio. Euro. Hinzu kommen ein hoher Schuldenberg sowie eine äußerst schwierige Kreditsituation, die durch die Finanzkrise zusätzlich verschärft wird. Auch die Finanzierung für die Bundesliga-Rechte gestaltete sich für Premiere als schwerer Kampf. Noch Anfang der Woche verhandelte der Konzern mit zwei Bankkonsortien über sein Finanzkonzept. Ob und wie diese Verhandlungen zu einem Ergebnis geführt habe, ist bisher unklar.

Dass das Unternehmen den Zuschlag für die Rechte bekommt, wenn die Finanzierung steht, ist dagegen keine Überraschung. Das Interesse an den Pay-TV-Rechten war nach Handelsblatt-Informationen extrem niedrig und die eingehenden Angebote aus Sicht der DFL dürftig. Insofern war bereits damit gerechnet worden, dass Premiere zum Zuge kommen wird.

"Egal, ob der "Bild-Bericht" stimmt oder nicht, gehe ich davon aus, dass Premiere die TV-Rechte für die Fußball-Bundesliga ab 2009 erhalten wird", sagt Frank Neumann, Analyst beim Bankhaus Lampe. Das Unternehmen habe aus dem Fehler der Vergangenheit gelernt und dieses Mal für alle Optionen konkurrenzfähige Angebote vorgelegt. Angesichts der operativen Schwäche stuft Neumann die Premiere-Aktien derzeit dennoch mit "verkaufen" ein, als Kursziel sieht er 3 Euro. Auch die Experten von Unicredit und Commerzbank rieten zuletzt zum Verkauf der Aktien.

Positiv beurteilt hingegen die Schweizer UBS das Papier. Die Bank empfahl die Aktie bereits am Dienstag zum Kauf und beließ ihr Kursziel bei 6,50 Euro. Die Bank reagierte damit auf die erste kursbewegende Nachricht der Woche. Am Montag hatte Premiere verkündet, dass die Holdinggesellschaft Fininvest des italienischen Ministerpräsident Silvio Berlusconi über drei Prozent der Anteile halte. Weil Fininvest in Italien den Medienkonzern Mediaset kontrolliert, hatte das Übernahmespekulationen geschürt. Premiere-Aktien waren daraufhin um 32 Prozent angesprungen. Premiere befindet sich zu 25,01 Prozent im Besitz von News Corp, der Medienholding von Rupert Murdoch, die unter anderem auch Dow Jones und das Wall Street Journal kontrolliert.

UBS-Analyst Daniel Kerven begründete sein Anlageurteil aber nicht mit Übernahmeerwartungen sondern mit der Hoffnung auf eine stabilere Finanzlage. Mit der Beteiligung der Fininvest wachse die Zuversicht für eine Lösung der Schuldenprobleme des Bezahlfernsehsenders, hieß es. Im Falle einer Neuverhandlung der Schulden könnte sich der Wert der Aktie verdoppeln.

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