Hoffnung auf Ertragswende
Commerzbank-Aktie stemmt sich gegen den Abwärtstrend

Ein Jahr nach der Übernahme der Dresdner Bank versucht die Commerzbank gegen die vergangenen Quartalsverluste Stimmung zu machen. Die Aktie beflügelt das heute, doch viele Analysten halten den Optimismus für Wunschdenken.

DÜSSELDORF. Die Aktie der Commerzbank hat am Dienstagmorgen einen Kurssprung gemacht. Die Papiere der zweitgrößten deutschen Bank verteuerte sich bis zum Nachmittag um knapp knapp fünf Prozent auf etwa 6,75 Euro, während der Dax 1,5 Prozent nachgab. Zuvor hatte Commerzbank-Chef Martin Blessing in einem Zeitungsinterview der Börse Hoffnung gegeben, sein Institut früher als geplant in die Gewinnzone zurückzuführen. "Im zweiten Quartal dieses Jahres haben wir schon wieder Steuern bezahlt. Und ich erwarte, dass es 2010 noch besser wird. Die Frage ist, wann wir wieder profitabel sind. Wir haben gesagt, dass das 2011 der Fall sein wird, aber es könnte auch früher sein", sagte Blessing der "Financial Times".

Auch die Integration der Investment-Sparte der Dresdner Bank kommt voran. Die Zusammenführung von Dresdner Kleinwort und Commerzbank soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. CoBa-Vorstand Michael Reuther nimmt sich für das Segment viel vor: "Wir wollen die Nummern eins unter den Investmentbanken in Deutschland werden", sagte er dem Handelsblatt. Langfristig soll das Investmentbanking der Commerzbank 20 bis 25 Prozent zum Vorsteuerergebnis beitragen.

In den vergangenen vier Quartalen hatte die Bank aber sowohl operativ als auch netto deutliche Verluste geschrieben. Im zweiten Quartal dieses Jahres meldete das Geldhaus einen operativen Fehlbetrag von 201 Mio Euro. Zudem belastet die deutlich gestiegene Risikovorsorge für Kreditausfälle die Bilanz. Außerdem muss die Commerzbank für die stillen Einlagen des Bundes hohe Zinszahlungen leisten, der sich über den Bankenrettungsfonds Soffin im vergangenen Jahr mit rund 17 Milliarden Euro an dem Kreditinstitut beteiligt hatte. Zwischen September 2008 und März 2009 ist die Commerzbank-Aktie von etwa 17,50 Euro auf 2,50 Euro gefallen, ehe sie einen kleinen Teil der Verluste wieder aufholen konnte.

Professionelle Börsenbeobachter sehen in den Äußerungen Blessings vor allem den Versuch, gegen den negativen Trend positive Stimmung zu machen. Vier von fünf Analysten halten die Aktie für deutlich überbewertet. "Für die Aktionäre wird nach den Zinszahlungen an den Soffin nicht viel übrig bleiben, selbst wenn die Commerzbank bereits in nächsten Jahr wieder in die Gewinnzone kommen sollte", dämpft Dieter Hein von Fair Research die Hoffnungen auf eine dauerhafte Rally. Auch die Experten von Equinet haben die Commerzbank-Aktie nach den Äußerungen Blessings auf "sell" mit einem Kursziel von 4,00 Euro belassen.



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Ein weiterer Analyst, der namentlich nicht genannt werden wollte, monierte zudem, die Blessings Äußerungen zugrunde liegenden Annahmen seien zu optimistisch. Vor allem das Ziel, die Staatshilfen so früh wie möglich zurückzuzahlen sei unrealistisch. Schaffen will der Commerzbank-Chef das "durch einbehaltene Gewinne, eine Kapitalerhöhung oder den Verkauf von Vermögenswerten."

Derzeit ist die Commerzbank dabei, zahlreiche Töchter wie zum Beispiel die Immobilienbank Eurohypo abzustoßen. Analysten bezweifeln aber, dass sich daraus positive Effekte für das Eigenkapital des Geldhauses ergeben, da sich die Märkte immer noch im Keller befinden und eine Veräußerung nur Erträge im niedrigen dreistelligen Millionenbereich erzielen dürfte. Auch eine Kapitalerhöhung sei keine gute Nachricht, würde sie doch neben den stillen Einlagen des Bundes auch die Dividende der Aktionäre verwässern. Zudem basiere Blessings Einschätzung des Ausfallrisikos der Commerzbank-Kredite auf der Annahme einer baldigen und dauerhaften Wirtschaftserholung.

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