Hohe Abschreibungen?
Aktie der Deutschen Börse im Minus

Der Dax legt kräftig zu, die Aktie der Deutschen Börse rutscht dagegen ins Minus. Eine drohende Abschreibung auf die US-Aktienoptionsbörse ISE lastet auf den Papieren. Die gestern vorgestellten soliden Quartalszahlen bewegen die Börsianer nicht zu Kauf.
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HB FRANKFURT. Eine drohende weitere Abschreibung auf die US-Aktienoptionsbörse ISE hat solide Quartalszahlen der Deutschen Börse überschattet und die Aktien des Börsenbetreibers ins Minus geschickt. Die Titel fielen am Donnerstag gegen den Markttrend knapp ein Prozent auf 50,82 Euro und waren damit der zweitgrößte Verlierer im Dax. Die Wahrscheinlichkeit für eine erneute Abschreibung habe sich erhöht, hatte die Deutsche Börse am Mittwochabend mitgeteilt. Sollten sich die nachhaltigen Geschäftsaussichten der Eurex-Tochter nicht verbessern, sei im vierten Quartal mit einer Wertminderung zu rechnen.

"Die bevorstehende Abschreibung auf das Sachvermögen von ISE ist ganz klar eine große Enttäuschung für uns", betonte LBBW-Analyst Martin Peter. Mitte Mai habe das Management noch betont, dass das Wachstumsszenario für ISE vollkommen intakt sei. Ein auf 20 Prozent gesunkener Marktanteil sei bei der ersten ISE-Abschreibung im vierten Quartal 2009 bereits eingepreist.

Eine wirkliche Überraschung ist die Ankündigung für viele Experten aber nicht. Bereits im Vorfeld hatten einige Analysten vermutet, dass die Misere wegen der fallenden Handelsvolumina bei der US-Optionsbörse noch nicht ausgestanden ist. Die mit der Terminbörse Eurex zusammengefasste ISE, der einzige größere Zukauf der vergangenen Jahre der Deutschen Börse, verliert schon seit längerem Marktanteile an Konkurrenten wie Nasdaq OMX, Nyse Euronext und CBOE. Sie graben der ISE mit Gebührensenkungen immer weiter das Wasser ab. Hinzu kommen regulatorische Hürden.

Unklar ist bislang, wie viel die Börse noch abschreiben muss. Die noch bilanzierten immateriellen Vermögenswerte der ISE liegen Analysten zufolge bei 850 Millionen Euro. Sie erwarten allerdings keine Abschreibung in voller Höhe, erste Schätzungen bewegen sich zwischen 250 bis 500 Millionen Euro. Im vierten Quartal 2009 hatte die Deutsche Börse bereits 420 Millionen Euro auf die ISE abgeschrieben und war aus diesem Grund erstmals in ihrer Firmengeschichte in die roten Zahlen gerutscht.

Die Geschäfte der Deutsche Börse Group mit den Geschäftsbereichen Xetra, Eurex und Clearstream liefen im dritten Quartal trotz mauer Sommermonate insgesamt etwas besser als von den Analysten erwartet: Ein leichter Umsatzanstieg von einem Prozent auf 504,3 Millionen Euro und der strenge Sparkurs ließen das operative Ergebnis (Ebit) vor Restrukturierungsaufwendungen um sieben Prozent auf 257,4 Millionen Euro steigen. Der bereinigte Überschuss kletterte um neun Prozent auf 171 Millionen Euro. Analysten hatten lediglich mit einem Umsatz von 502 Millionen Euro gerechnet. Beim bereinigten Ebit hatten sie 240 Millionen Euro erwartet, beim Überschuss 139 Millionen Euro.

Die Erholung der Weltwirtschaft habe die Volumina an den Kassa- und Terminmärkten trotz der weniger starken Kursschwankungen leicht steigen lassen, betonte die Börse. Allerdings schwächte sich die Dynamik im Vergleich zum lebhafteren zweiten Quartal wieder ab.

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