Hohe Bewertung und Insider-Verkäufe mahnen zur Vorsicht
Risiken für die Börsen mehren sich

Der Optimismus und die Antriebskräfte für die Rally an den Aktienmärkten scheint ungebrochen. Dennoch mehren sich Hinweise darauf, dass die Aktienmärkte überbewertet sind und eine stärkere Korrektur ansteht. Bislang jedoch bleiben selbst schlechte Meldungen, wie drastisch verfehlte Umsatz- und Gewinnprognosen des amerikanischen PC-Herstellers Hewlett Packard, an den Börsen ohne Wirkung.

DÜSSELDORF. Die Kurse legen allenfalls eine Verschnaufpause ein, doch heftige Reaktionen nach unten bleiben aus.

Auftrieb erhalten die Börsen vor allem seitens der Charttechnik. Nachdem täglich immer mehr Indizes eine Trendwende andeuten, indem sie aus ihrer engen Bandbreite nach oben ausbrechen, scheint der Weg nach oben frei. „Mittelfristig halten wir an unserer optimistischen Grundeinschätzung und der Erwartungshaltung auf weiter steigende Indizes fest“, meint Uwe Wagner von der Deutschen Bank. Allerdings seien die Indizes überkauft, so dass kurzfristig mit Kursrückgängen gerechnet werden müsse.

Gelungen ist der Ausbruch fast allen maßgeblichen Indizes, so dem Dow Jones, Euro Stoxx 50, Nikkei und dem Dax. Dagegen sind der amerikanische S&P 500 und die Technologiebörse Nasdaq weiter in ihrem Seitwärtskanal „gefangen“. Der Ausbruch nach oben läge vor, wenn S&P und Nasdaq die Höchstkurse aus den vergangenen Wochen nachhaltig – also per Schlusskurs und Bestätigung am folgenden Handelstag – überwinden. Beim S&P liegt die Marke bei rund 1 015 Punkten, bei der Nasdaq sind es 1 775 Zähler – also jeweils nur knapp 2 % über dem aktuellen Niveau. Auffällig ist, dass diese Wiederstände zuletzt immer häufiger getestet, aber nicht durchbrochen wurden. Damit verschlechtert sich nach klassischer Chartlehre die Ausgangslage, weil der Widerstand an Kraft gewinnt.

Analysten sind skeptischer

Deutsch-Banker Wagner vertritt dagegen eine genau entgegengesetzte Meinung, die mit der herrschenden Lehre bricht: „Jeder weitere Versuch durchlöchert den Widerstand und nimmt ihm seine Kraft.“ Er schaut stärker auf mögliche Kursrückgänge: „Fallen Reaktionen nach unten gering aus, bestehen große Chancen, dass die Widerstände im nächsten Anlauf und dann mit stärkerer Schwungkraft durchbrochen werden.“ Rutschen die Börsen hingegen stärker ab, könnte der Aufschwung auf Dauer gestoppt sein.

Fundamental orientierte Analysten sind skeptischer. Nach dem 60 %igen Kursanstieg in nur fünf Monaten sei der Dax gemessen an seiner Bewertung „zunehmend ausgereizt“, sagte Kai Franke von der ING BHF-Bank. Der Researchleiter sieht den Dax noch bis auf 3 800 Punkte steigen. „Der Markt ist hoch bewertet, aber solange das kein Thema ist, müssen die Kurse deshalb zumindest kurzfristig nicht fallen“, meint HSBC-Stratege Volker Borghoff. Mittelfristig sieht er aber Risiken.

Vor allem aus den USA mehren sich Hinweise, dass die Börsen überbewertet sind. So notieren die Aktien im S&P 500 mit einem Kurs-Gewinn- Verhältnis auf Basis der laufenden Gewinne von über 30. Das langjährige Mittel liegt bei 15.

An der Nasdaq sind nach der Kursrally seit Oktober 2002 viele Werte sogar fast so hoch bewertet wie auf dem Höhepunkt der Technologieblase im Jahr 2000. „Einzelwerte wie Amazon und Yahoo sind überbewertet, aber ich habe aufgegeben, eine Antwort darauf zu suchen, warum die Nasdaq so stark steigt“, meint Michael Sauerborn von Merrill Lynch in New York. „Psychologie bewegt die Märkte mehr als Mathematik.“ Angesichts extrem niedriger Zinsen dränge noch viel Liquidität in den Aktienmarkt. Deshalb billigt er den Börsen noch weiteres Potenzial zu.

Spitzenmanager börsennotierter Firmen stellen sich aber schon auf schlechte Börsentage ein. Vor allem die Vorstände von Technologiefirmen wie Dell und Microsoft verkauften zuletzt Aktien ihrer Unternehmen im großen Stil. Offenbar halten die „Insider“ ihre Werte für zu teuer. Nach Angaben des Finanzdienstleisters Thomson First Call lag der Wert der verkauften Aktien in US-Dollar im Juli den dritten Monat in Folge mehr als 20 mal über dem der eingekauften Titel. Ein solches Missverhältnis gab es zuletzt im Jahr 2000. Anschließend waren die Börsen weltweit kräftig gefallen.

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