Hoher Kurs mahnt zur Zurückhaltung – Bei einer Belebung der Konjunktur verliert die Aktie an Attraktivität
Experten bewerten Wal-Mart vorsichtiger

An Erfolgserlebnissen mangelt es Wal-Mart nicht: Der weltgrößte Einzelhändler überraschte den Markt kürzlich mit ausgezeichneten Quartalszahlen, und auch für August kündigte die Chefetage eine Fortsetzung der Gewinnstrecke an.

HOUSTON. Den größten Stromausfall der US-Geschichte, der zeitweise etwa 200 Filialen lahm legte, überstand Wal-Mart nach eigenen Angaben ebenfalls einigermaßen unbeschadet. Vor allem dank des internationalen Bereichs und der Tochterkette Sam's Club, deren Mitglieder einen regelmäßigen Beitrag zahlen und dafür günstiger einkaufen können, stieg das Nettoeinkommen im vergangenen Vierteljahr um mehr als 20 % auf 2,4 Mrd. $ oder 56 Cent je Aktie.

Jetzt sollen die Sonderangebote zum Beginn des Schuljahres die Kunden in die Supermärkte locken. Bislang lägen die Verkaufszahlen für August „im oberen Ende der Erwartungen“ von 3 % bis 5 %, teilte Wal-Mart mit – mit dieser Formulierung deutet das Unternehmen üblicherweise an, dass die Zahlen durchaus auch noch besser ausfallen können. Ein solcher Sprung um etwa 5 % wäre die größte Verbesserung seit mehr als einem Jahr. Und die Zeichen stehen gut: Nach Schätzungen des Einzelhandelsverbands werden US-Familien in diesem Jahr etwa 14 Mrd. $ ausgeben, um nach den langen Sommerferien für den Wiederbeginn der Schule gerüstet zu sein. Damit ist der Spätsommer nach dem Weihnachtsgeschäft inzwischen die zweitwichtigste Jahressaison für die Händler.

Doch Analysten warnen die Anleger vor Optimismus. Sie befürchten, dass die nächsten Monate für Wal-Mart trotz der guten Vorzeichen schwer werden. Sorgen macht ihnen unter anderem der verhältnismäßig hohe Preis: Nach der Bekanntgabe der jüngsten Ergebnisse erreichte der Kurs bei fast 60 $ ein Zwölfmonatshoch und liegt zurzeit noch immer etwa ein Drittel über den Tiefständen vom Februar. „Wal-Mart ist der dominierende Billiganbieter im globalen Einzelhandel, und deshalb lieben wir diese Jungs, aber die hohe Kursbewertung mäßigt unseren Enthusiasmus“, sagt Analyst Robert Buchanan von der Investmentbank A.G. Edwards, der deshalb sein Anlageurteil auf Halten herunterstufte.

Seine Kollegen erwarten zudem, dass viele Anleger in der Hoffnung auf einen baldigen Konjunkturaufschwung ihre Aktien abstoßen, weil ihnen der Titel zu defensiv geworden ist. „Seit Mitte April hat das Unternehmen nur noch etwa 7 % zugelegt, während der breitere S&P-500- Index um mehr als 13 % gestiegen ist“, sagt Wayne Hood von Prudential Securities. „In einer anziehenden Wirtschaftslage ist Wal-Mart einfach weniger attraktiv.“

Der Preiskampf mit der Konkurrenz geht unterdessen unvermindert weiter. Seit Kurzem führen Wal-Mart-Läden auch die gefragte Jeansmarke Levi's, die bisher vor allem in Kaufhäusern vertrieben wurde. Nach Ansicht von Experten sollte das Unternehmen von diesem Schritt profitieren, aber gleichzeitig auch den Wettbewerb mit den Warenhäusern weiter anheizen und die Preise unter Druck bringen. Höhere Löhne und gestiegene Versicherungsprämien belasten die Bilanzen ebenfalls, schätzt Jeffrey Klinefelter von US Bancorp Piper Jaffray. Und wie im vergangenen Quartal könnte der Handelsriese mit einem Überschuss an saisongebundenen Waren dastehen, die dann zu Schleuderpreisen abgegeben werden müssen. „Wal-Mart arbeitet daran, die Lagerbestände auf dem gleichen Niveau zu halten“, sagt Wayne Hood. „Deshalb werden wir im dritten Quartal möglicherweise größere Preisnachlässe sehen als erwartet.“

Ähnliche Entwicklungen erwarten die Experten noch einige Monate lang für den gesamten Sektor. Robert Buchanan setzte deshalb kürzlich sein Branchenurteil von „Übergewichten“ auf „Gleichgewicht“ herab. Er schätzt, dass die Umsätze in Einzelhandelsgeschäften, die seit mindestens einem Jahr bestehen, um nur etwa 2 % steigen werden. Und Wayne Hood erwartet: „Der Einzelhandel wird für den Rest des Jahres auf Rabatt- und andere Werbeaktionen angewiesen bleiben.“

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