Aktien
Holsten-Aktie profitiert von Übernahmephantasie

Der Hamburger Bierkonzern sucht nach einem starken Partner. Gerüchte besagen, mit Anheuser-Busch sei dieser bereits gefunden.

FRANKFURT/M. Die im SDAX notierte Aktie von Deutschlands größter Brauerei Holsten hat in diesem Jahr eine rasante Kursentwicklung genommen. Im Sommer galt sie sogar als Aufstiegskandidat für den MDAX. Denn seit im Februar bekannt wurde, dass der Aufsichtratsvorsitzende Christian Eisenbeiss seinen Aktienanteil von 34 auf gut 48 Prozent aufgestockt hat, hat sich der Kurs der Aktie mehr als verdoppelt. Er stieg von 22,98 Euro auf rund 47 Euro an. Spekuliert wurde, dass der in den USA lebende Eisenbeiss, dem gute Kontakte zu Anheuser-Busch nachgesagt werden, sein Aktienpaket nur deshalb vergrößert hat, um es an einen ausländischen Konkurrenten zu verkaufen. Zwar kommen alle großen ausländischen Brauereien als Käufer in Frage. Doch informierte Kreise setzten bereits jetzt auf Anheuser-Busch. Warum sonst sollten die Amerikaner sich als Bierlieferant bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland eingekauft haben und alle Werberechte für Bier erworben haben, obwohl die Marke Budweiser in Deutschland gar nicht eingeführt sei, heißt es.

Vermutungen, er wolle seine Anteile verkaufen, hat Eisenbeiss lange dementiert. Erst Mitte Juli teilte Vorstandssprecher Andreas Rost offiziell mit, die Holsten-Gruppe müsse auf Grund der beschleunigten Konsolidierung in der Bierbranche aktiv werden. Deshalb sei die Investmentbank Lehman Brothers nun mit der Suche nach einem starken internationalen Partner beauftragt. Die Aktie stieg darauf hin um knapp 30 Prozent.

Investoren setzen schon lange auf die Übernahme des Getränkeherstellers und spekulieren auf einen ähnlich hohen Preis wie ihn die belgische Interbrew bei der Übernahme von Beck’s gezahlt haben soll: mindestens das zehnfache des Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibung (EBITDA). Käme diese Formel bei Holsten zur Anwendung, würde sich auf Basis der Zahlen von 2002 ein Übernahmepreis von rund 1,170 Mrd. Euro ergeben. Verglichen mit dem aktuellen Börsenwert des Unternehmens von 635 Mill. Euro, wäre die Aktie dann immer noch ein Schnäppchen.

Jens Jung, Analyst beim bankenunabhängigen Analystenhaus Independent Research glaubt, dass eine Übernahme inzwischen grundsätzlich im Holsten-Kurs eingepreist sei. Er empfiehlt die Aktie weiterhin zum Kauf mit Kursziel 60 Euro. Gleichzeitig warnt er aber – wie auch andere Analysten, die nicht genannt werden möchten – vor einem hohen Kursrisiko, falls aus der Phantasie nicht Realität wird.

„Spannend ist jetzt die Frage, was ein Käufer mit dem Unternehmen macht,“ sagt Jung. „Mal angenommen, der Käufer ist Amerikaner, dann will er Zugang zum deutschen Markt, lässt die Marke laufen und nutzt Synergie-Effekte, um Kosten zu senken“, spekuliert Jung. Das sei für Holsten ebenso wie für die Aktie vorteilhaft. „An sich ist die gesamte Branche nicht gerade ein Wachstumssektor und eigentlich eher uninteressant“, sagt Jung. Auch im Hinblick auf die Dividende sei der Titel schwach. „Sonst würde man jetzt keinen Partner suchen.“

Derzeit hält die Hamburger Brauerei mit den Marken Holsten, Licher, König-Pilsner sowie Astra einen Anteil von knapp zehn Prozent am deutschen Biermarkt. Bei Biermixgetränken bringt es Holsten auf einen Marktanteil von 20 Prozent.

Anders als die Gerüchte lieferten die Fakten keine Gründe für eine Kurssteigerung. Der Umsatz gab im im ersten Halbjahr 2003 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um 8,5 Prozent auf 356 Mill. Euro nach. Und trotz des heißen Sommers blieb der Getränkeabsatz um neun Prozent zurück, wofür Holsten der Einführung des Zwangspfandes auf Einwegverpackungen zum 1. Januar 2003 die Schuld gibt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%