Hypo Real Estate
Für HRE-Aktionäre drängt die Zeit

Die Uhr tickt für die HRE-Aktionäre: Nur noch kurze Zeit gilt das Übernahmeangebot des Bundes. Erst wenige Anleger haben bisher von dem Angebot Gebrauch gemacht, ihre Aktien für 1,39 Euro pro Stück zu verkaufen. Anlegerschützer empfehlen Aktionären, die Abfindung mangels Alternativen anzunehmen.

FRANKFURT. Aktionäre des schwer angeschlagenen Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) sollten das Übernahmeangebot des Bundes annehmen. Das empfehlen Aktionärsvertreter, Anlegeranwälte und Berater. "Für Anleger ist das Angebot von 1,39 Euro je Aktie mangels Alternative attraktiv", sagt Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Dafür bleibt den Anlegern allerdings nicht mehr viel Zeit.

Bis 4. Mai haben die Kleinaktionäre offiziell noch, das Angebot des Bundes anzunehmen. Einige Depotbanken haben ihre Kunden aber bereits aufgefordert, bis spätestens morgen Bescheid zu geben. Ansonsten wäre die Zeit für die Verrechnung wegen des Maifeiertages zu knapp, heißt es. Bislang haben Aktionärsschützern zufolge erst wenige Anleger die Offerte von Vater Staat angenommen. Der Bund will mit der Komplettübernahme der Aktien das Überleben der HRE sichern. Der Münchener Immobilienfinanzierer wird nur dank staatlicher Hilfen von 102 Mrd. Euro über Wasser gehalten. Über das Abfindungsangebot möchte der Bund die Mehrheit der Aktien bekommen, um dann auf der Hauptversammlung am 2. Juni eine Kapitalerhöhung unter Ausschluss der übrigen Aktionäre auf 90 Prozent beschließen zu können. Die 90-Prozent-Mehrheit würde dem Bund reichen, um die restlichen Aktionäre aus dem Unternehmen drängen zu können (Squeeze-out). Für den Fall, dass dies nicht gelingt, darf der Staat ein Enteignungsverfahren durchführen.

Allzu viel Hoffnung, dass der Aktienkurs in der verbleibenden Zeit noch nach oben schießt, sollten sie sich aber nicht machen. "Wären es meine Aktien, würde ich einschlagen und das Angebot des Bundes annehmen", sagt Felix Weigend, Partner bei der Anwaltskanzlei Rotter in München.

Wenig wahrscheinlich ist den Experten zufolge auch, dass Aktionäre, die das Abfindungsangebot nicht annehmen, in den späteren Verfahren mehr erlösen. Die 1,39 Euro je Aktie beinhalten einen Aufschlag von rund einem Zehntel auf einen gesetzlichen Mindestwert von 1,26 Euro, der sich aus einem Börsendurchschnittskurs einer bestimmten Zeitspanne bemisst. Die bei einem Squeeze-out ermittelte Bar-Abfindung oder eine Entschädigung nach einer Enteignung, die nach einem gewichteten Verkehrswert des Unternehmens ermittelt wird, dürfte nach Einschätzung der DSW aller Wahrscheinlichkeit nach geringer ausfallen.

Zwar prüft die DSW eine Verfassungsbeschwerde gegen das Enteignungsgesetz. Die Erfolgsaussichten aber sind eher gering. Gegen den Plan, eine sogenannte systemrelevante Bank zu retten und damit Steuergelder zu schützen, dürften die Belange einzelner Aktionäre, die sich mit HRE verwettet hätten, keine Chance haben, sagt Berater Jürgen Kurz.

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