Hypo Real Estate haben die Probleme kaum getroffen
Analysten halten Hypo-Aktien die Stange

Viele Jahre lang haben Hypothekenbanken den Pulsschlag von Anlegern kaum beschleunigt. Seit Dienstag, dem 31. August, lösen sie Herzrasen aus. Nun versuchen Analysten, die Nerven der Anleger zu beruhigen und die Wogen zu glätten.

HB FRANKFURT/M. Vor zwei Wochen schockierte die Aareal Bank die Märkte, als sie ihre Risikovorsorge für faule Kredite überraschend aufstocken musste und der Chef zurücktrat. Statt eines Gewinns von 100 Mill. Euro erwartet der Immobilienfinanzierer aus Wiesbaden einen Verlust in gleicher Höhe. Die Aktie verlor einen Drittel des Wertes. Kaum hatten sich die Wogen geglättet, sorgte der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, Rolf. E Breuer, für erneute Aufregung. Er warnte vergangene Woche im Handelsblatt vor weiterem Wertberichtungsbedarf bei den Hypobanken. Nun gab auch die Aktie von Aareal-Konkurrent Hypo Real Estate deutlich nach.

Doch nach Ansicht von Analysten ist die Aktie der Hypo Real Estate Holding durchaus eine Investition wert. So sieht Stuart Graham, Analyst der Investmentbank Merrill Lynch vor allem kurzfristig noch Potenzial für die Aktie – auch wenn er das Schwankungsrisiko als hoch einstuft. Den Beobachtern gefällt, dass die Hypo Real Estate das problematische Deutschlandgeschäft radikal zurückgefahren hat und Erfolge im Ausland verzeichnet. Außerdem will die Bank bis Ende des Jahres kritische Kredite in Milliardenhöhe am Markt platzieren, was das Risiko von Zahlungsausfällen senkt. „Die Hypo Real Estate hat die Probleme schneller offen benannt und angegangen“, lobt auch Konrad Becker, Analyst bei der Privatbank Merck, Finck & Co. Vieles sei jedoch schon eingepreist. „Verglichen mit dem rasanten Anstieg der vergangenen Monate wird der Kurs nur noch begrenzt steigen“, sagt er.

Das Geschäft mit Immobilien hatte in den Augen der Investoren vor der Aareal-Krise eindeutig an Reiz gewonnen. Die Aktie der Hypo Real Estate, eine Abspaltung der Hypo-Vereinsbank, ist heute doppelt soviel wert wie bei ihrem Börsengang im Oktober 2003. Selbst die Bewertung der Aareal Bank liegt mit rund 23 Euro noch immer rund ein Viertel über der Erstnotierung von Mitte 2002. Die Eurohypo, in der die Deutsche Bank, Commerzbank und Dresdner Bank ihre Hypothekenbank- Töchter vereint haben, will im Herbst 2005 an die Börse.

Auf der Aareal–Aktie lasten allerdings deutlich mehr Unsicherheiten als auf der Hypo Real Estate. Jörn Kissenkötter, Analyst bei M.M. Warburg, weist darauf hin, dass die Bank zwar ebenfalls ihre Problemkredite verkaufen wolle, aber der Zeitplan noch unklar sei. Außerdem müsse man abwarten, wer der neue Chef wird. „Es wird dauern, bis die Anleger bei der Aareal Bank wieder Vertrauen haben“, meint auch Analyst Becker.

Insofern lagen viele Anleger wohl richtig, als sie die Aareal-Krise nicht verallgemeinerten. „Die Probleme der Aareal Bank haben nicht die gesamte Branche der Hypothekenbanken getroffen“, sagt Becker. Im Gegenteil, sagt er: „Es gab eher noch einen Wechsel der Anleger von Aareal zur Hypo Real Estate.“

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%