Hypo Real Estate
Krisenbank vor der Rückkehr an die Börse

Die Hypo Real Estate galt als Symbol der Finanzkrise. Nun will der Bund die Kernbank des notverstaatlichten Immobilienfinanzierers über die Börse wieder loswerden – trotz der Turbulenzen auf dem Parkett.
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MünchenKnapp sieben Jahre nach der spektakulären Rettung durch den Staat wagt die Hypo Real Estate die Rückkehr an die Börse. „Wir sind börsenreif und eine attraktive Alternative auf dem deutschen Kurszettel“, sagte der Co-Vorstandschef der HRE-Nachfolgerin Pfandbriefbank pbb, Andreas Arndt, am Mittwoch zum offiziellen Auftakt der Werbetour bei den großen Investoren in Frankfurt, London und New York.

Der Immobilienfinanzierer habe seine Hausaufgaben gemacht, sei gut im Geschäft und könne eine solide Kapitaldecke vorweisen. Daher wage sich das Institut auch im aktuellen Marktumfeld aus der Deckung, das vom griechischen Schuldendrama überschattet wird. Die tickende Uhr im Hintergrund - die EU hat für die Re-Privatisierung der Pfandbriefbank eine Frist bis Jahresende gesetzt - spiele keine große Rolle, betonte Arndt. „Wir sind exzellent unterwegs, jetzt ist ein guter Zeitpunkt loszumarschieren.“

Während etliche andere Börsenkandidaten ihre Pläne zuletzt wieder auf Eis legten, gab die pbb am Dienstagabend mit der Veröffentlichung des Prospekts den Startschuss. Sie will bis zu 1,37 Milliarden Euro einsammeln – es wäre der größte Börsengang des Jahres in Deutschland. Der Erlös fließt vollständig der Bundesregierung zu. Der Bankenrettungsfonds SoFFin hofft auf ein glückliches Ende: „Wenn das Marktumfeld robust bleibt, sind wir zuversichtlich, den Börsengang erfolgreich und mit einem guten Ergebnis für den Steuerzahler abzuschließen“, sagte eine Sprecherin.

Der Staat hatte die HRE in der Finanzkrise aufgefangen und muss den gesunden Kern der Bank nun wieder abstoßen. Bei der Schwestergesellschaft Depfa, einem Staatsfinanzierer, war das nicht gelungen: Sie landete in der bundeseigenen "Bad Bank" für die HRE und wird dort über die nächsten Jahrzehnte abgewickelt.

Arndt glaubt, dass sich genug Investoren finden, die die bis zu 107,6 Millionen pbb-Aktien in einer Preisspanne von 10,75 bis 12,75 Euro zeichnen. Die Krise der alten HRE, deren Liquidität in der Finanzkrise ausgetrocknet war, sei in den bisherigen Investorengesprächen nur ein einziges Mal Thema gewesen. Die pbb, die neben gewerblichen Immobilienkrediten auch Darlehen für öffentliche Infrastrukturprojekte vergibt, habe ein durchfinanziertes Kreditbuch, erklärte er. Auch der Fokus auf den soliden deutschen Heimatmarkt sei ein Pluspunkt. Damit setzt sich die pbb von der Konkurrentin Aareal Bank ab, die international unterwegs ist.

Die Pfandbriefbank lockt die Anleger, die die Aktien bis zum 15. Juli zeichnen können, mit dem Versprechen, 40 bis 50 Prozent ihres Jahresgewinns als Dividende auszuschütten. Bei der Rendite ist sie allerdings noch weit entfernt von ihrem Ziel, im hohen einstelligen Bereich zu landen.

Dass Kleinaktionäre zugreifen, wird weithin nicht erwartet. Viele hatten mit der alten HRE hohe Verluste hinnehmen müssen. Großanleger wie etwa Fondsgesellschaften dagegen ließen zuletzt verlauten, wenn die pbb-Aktie zum Schnäppchenpreis komme, dann werde man wohl zugreifen. Arndt wollte keine Details zum Investoreninteresse preisgeben, betonte aber, es seien auch langfristig orientierte Anleger dabei. Das Interesse sei breit gestreut.

Einen im Frühjahr geprüften Verkauf der pbb an einen Finanzinvestor oder einen ausländischen Konkurrenten hatte der Bund verworfen, weil ihm der Börsengang aussichtsreicher erschien. Die Bewertung der pbb ist nun mit 1,45 bis 1,7 Milliarden Euro höher als das Staatsgeld, das noch in der Bank steckt.

Eine Stille Einlage des Staates über eine Milliarde Euro hat die pbb wie angekündigt am Montag bereits getilgt. Zunächst sollen bis zu 80 Prozent der pbb an die Börse gebracht werden, den Rest will der Staat noch für mindestens zwei Jahre behalten - in der Hoffnung auf steigende Kurse.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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