Ifo-Index treibt Kurse weiter nach oben
Analysten erwarten nette Bescherung

Anleger können auf ein zusätzliches Weihnachtsgeschenk hoffen. Nach dem überraschenden Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex erwarten Experten, dass der Deutsche Aktienindex (Dax) in der Woche vor Weihnachten noch einmal zulegt. Die ohnehin positive Grundstimmung der vergangenen Wochen sei am Freitag durch die Ifo-Nachricht noch einmal verstärkt worden.

HB FRANKFURT. „Ich kann mir vorstellen, dass die Börsianer schon in der nächsten Woche ihre Bescherung bekommen und mit einem neuen Jahreshoch beim Dax in die Weihnachtsfeiertage gehen werden“, sagte Aktienstratege Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg. Die Marke von 4300 Punkten könnte durchaus noch durchbrochen werden. In der zu Ende gehenden Woche hat der Dax rund ein Prozent zugelegt und notierte am Freitag Nachmittag bei 4210 Punkten.

Ein positives Signal zum Jahresende für die Dax-Investoren sei möglicherweise der überraschende Anstieg beim jüngsten Ifo-Index, hieß es bei den Strategen. Das Barometer, welches die Erwartungen der Unternehmen für die wirtschaftliche Entwicklung der kommenden Monate widerspiegelt, war im Dezember auf 96,2 (November: 94,1) Punkte gestiegen. „Allerdings muss man jetzt abwarten, ob das nur ein Ausreißer war oder der Beginn einer trendmäßigen Wende. Und das ist eigentlich eher unwahrscheinlich“, sagte Schallenberger.

Ob sich die Anleger gern an das Börsenjahr 2004 erinnern werden, ist jedoch eine andere Frage. Die Bankgesellschaft Berlin (BGB) macht die Rechnung auf, dass sich die Aktiendepots per Saldo nur wenig bewegt haben. Zweistellige Kursgewinne haben nur der spanische IBEX-35, der italienische MIB-30 und der deutsche MDax realisiert. Euro-Stoxx-50 und Dax bringen es auf Jahressicht auf ein Plus von sechs Prozent. An den Rentenmärkten, vor allem an den Emerging Markets, sind die Gewinne weitaus üppiger ausgefallen.

Ölpreis auf Sinkflug

„Der Dax wird sich wohl Schritt für Schritt weiter nach oben tasten“, bewertete ein Münchener Stratege die mittelfristigen Aussichten für den Leitindex. „Um wieder größere Sprünge zu machen, bedürfte es eines nachhaltigen Impulses, und da ist zur Zeit nichts wirklich absehbar.“ Weder von der globalen Konjunkturentwicklung, noch vom sich stabilisierenden Ölpreis oder von der Währungsseite her seien zündende Impulse zu erwarten. Der Preis für leichtes US-Rohöl hat sich in der zu Ende gehenden Woche um acht Prozent verteuert und ist Experten zufolge dabei, sich zu stabilisieren. Mit rund 44 Dollar je Barrel (Fass zu rund 159 Litern) lag der Rohölpreis am Freitag Mittag in etwa auf dem Niveau von Anfang September, als die Rekordrally bis auf die Ende Oktober überbotene 55-Dollar-Marke begann.

Die Ölexperten der HSH Nordbank sehen die Ölsorte Brent Crude 2005 im Jahresmittel bei 35,60 US-Dollar. Den stärksten Rückgang prognostizieren sie für den Übergang vom ersten zum zweiten Quartal. In diesem Zeitraum werde Brent Crude auf 35 von 42,50 US-Dollar nachgeben. „Wir gehen davon aus, dass einige der Krisenherde in den kommenden Monaten an Relevanz verlieren werden“, heißt es. So werde sich das „Problem Yukos“ im Verlauf des Jahres klären. Die Risikoprämie werde allmählich abgebaut. Andererseits dürfte der Irak auf absehbare Zeit instabil bleiben, und auch in Förderländern wie Nigeria und Venezuela könne es jederzeit zu Zwischenfällen kommen.

Experten erwarten festen Euro

Der die exportorientierten deutschen Unternehmen belastende Aufwärtstrend des Euro wird sich nach Expertenschätzungen auch 2005 fortsetzen. Einige Analysten prognostizieren sogar Wechselkurse bis zu 1,50 Dollar. In diesem Jahr hat sich die Gemeinschaftswährung in Reaktion auf die hohen US-Defizite im Haushalt und in der Leistungsbilanz um mehr als acht US-Cent auf zeitweise knapp 1,35 Dollar verteuert.

Das fundamentale Umfeld favorisiert vorerst noch die Aktienseite. Die BGB schätzt, dass die Unternehmen der Eurozone die Erträge noch einmal um zehn Prozent steigern können. Hiervon dürften die Kurse profitieren, ebenso von einer vor allem im Vergleich zu US-Aktien günstigen Bewertung. Und im Unterschied zu den USA wird sich aller Voraussicht nach auch am günstigen Zinsumfeld zumindest bis zur Jahresmitte nichts ändern. Die Wirtschaften der Eurozone dürften moderat wachsen, die Inflationsrisiken sind begrenzt. Im zweiten Halbjahr könnte die Aufwärts- allerdings in eine Seitwärtsbewegung übergehen, die Ertragsdynamik nachlassen und gleichzeitig die Zinssorge zunehmen.

Die Highligts der neuen Woche

Ab Montag sind die Aktien des Solarstromunternehmens Solarworld im TecDax gelistet. Die Bonner Gesellschaft war von der Deutschen Börse in einem beschleunigten Verfahren in den Technologieindex aufgenommen worden, da das Unternehmen bei Marktkapitalisierung und Börsenumsatz zu den 25 größten Technologiewerten im Prime Standard gehört. Solarworld ersetzt den Windanlagenhersteller Repower Systems. Für das Technologieunternehmen Elexis, den Mediendienstleister Schlott-Gruppe und die Immobiliengruppe Vivacon startet in der kommenden Woche die Mitgliedschaft im Kleinwertesegment SDax. Die Mitgliedschaft in einem der Börsenbarometer ist für Unternehmen meist von Vorteil, da sie so stärker ins Blickfeld von Anlegern - vor allem Fondsmanagern - rücken.

Von Unternehmensseite her stehen in der kommenden Woche kaum Nachrichten an. Zu den Konjunkturdaten, die kurz vor Weihnachten das Interesse der Anleger noch einmal auf sich ziehen dürften, zählen die US-Frühindikatoren am Montag und die US-Auftragseingänge am Donnerstag. „Am ehesten schaut man noch auf die Rohöllagerbestände in den USA“, sagt ein Frankfurter Aktienhändler. Diese werden am Mittwoch veröffentlicht. Bei den Einzelwerten stehen vor dem Jahresende noch einmal die Gewinner des Jahres im Fokus. Window-Dressing dürfte deren Kurse noch einmal stützen. In der kommende Woche dürften die Aktienmärkte zudem noch einmal den großen Verfall an der Eurex thematisieren. Kurz vor den Weihnachtsfeiertagen endet der Handel am kommenden Donnerstag bereits um 14 Uhr, am Freitag wird nicht gehandelt.

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