Im Abwärtssog von Nike gaben auch Adidas-Titel nach
Nike stolpert über verpasste Prognosen

Wichtiger als tatsächlicher Gewinnzuwachs wiegt manchmal die Einhaltung von Prognosen. Das erfuhr unlängst der US-Sportschuhhersteller Nike: Obwohl das Unternehmen im soeben abgelaufenen vierten Quartal ein Ertragsplus von satten 18 % hinlegte, ging es an der Börse in der vergangenen Woche kräftig abwärts – denn die durchschnittlichen Voraussagen der Analysten hatte Nike um einen Cent verfehlt.

NEW YORK. Während die Aktie noch in den letzten Junitagen mit knapp 57 Dollar fast die Jahreshöchststände vom Juli 2002 übertraf, notierten die Titel am Mittwoch nur noch bei rund 53,50 Dollar. Im Abwärtssog von Nike gaben auch die Aktienkurse von Konkurrenten wie Adidas nach, obwohl der Vorstand Ende Juni die Prognosen bestätigt hatte.

Zusätzlich unter Druck gerieten die Titel, als Analystin Virginia Genereux von Merrill Lynch ihr Anlageurteil von Kauf auf Neutral senkte und gleichzeitig die Schätzungen für das kommende Geschäftsjahr leicht auf 3,18 Dollar zurücknahm. „Das Quartal war gar nicht so schlecht und enttäuschend, wie es zuerst den Anschein hatte“, sagt Genereux. „Aber trotzdem gab es einige negative Überraschungen, die das Aufwärtspotenzial für die Aktie vorläufig beschränkt haben.“

Andere Experten interpretieren die Situation optimistischer: „Im Endeffekt hat Nike gezeigt, dass das Unternehmen Plus- und Minus bewältigen und dabei unter dem Strich Gewinnzuwachs am laufenden Band produzieren kann“, sagt Margaret Mager von Goldman Sachs. Sie erwartet, dass sich Nikes Aktienkurs in den kommenden zwölf Monaten besser entwickeln wird als der Markt und rät bei weiteren Kursverlusten zum Aufstocken.

Neben den verpassten Prognosen wurde Nike vor allem zum Verhängnis, dass die weltweiten Auftragszahlen für Juni bis November hinter denen des Vorjahres zurückblieben. Durch den schwachen Dollar stand unter dem Strich zwar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Plus von mehr als vier Prozent, doch die Bestellungen in den USA lagen um ein Zehntel niedriger als 2002.

Dazu haben viele Einzelhändler noch genügend Vorrat im Lager und werden auch vorerst kaum Nachschub ordern, sagt Analystin Noelle Grainger von JP Morgan: „Sowohl bei Sportschuhen als auch bei der Kleidung sind die Kanäle zurzeit einfach überschwemmt, und die Kaufhäuser zögern noch, neue Bestellungen aufzugeben wie ursprünglich geplant.“ Außerdem will die Sportschuhkette Foot Locker, bis zum vergangenen Jahr der größte Nike-Abnehmer, ihre Aufträge weiter zurückfahren, möglicherweise um bis zu 50%. Nach Meinung der Analysten könnte sich dieser Schritt auf längere Sicht für Nike durchaus positiv auswirken, weil sich die Handelsbasis damit breiter aufstellt.

Hoffnung setzen die Experten unterdessen auf das Durchdrücken höherer Preise, mit denen Nike einen Teil des Absatzrückganges wettmachen könnte. „Die teureren Modelle verkaufen sich zurzeit wieder bes-ser“, sagt Grainger. „Dazu kommen in der nächsten Zukunft noch die neuen Produkte mit dem jüngsten Basketball-Superstar LeBron James, die diese positive Preisentwicklung weiter begünstigen sollte.“

Sie setzt ihr Sechsmonats-Kursziel deshalb auf 60 Dollar - im Vergleich zum aktuellen Niveau ein Plus von fast 15 Prozent - und rät Anlegern zum Übergewichten von Nike-Aktien: „Wir glauben weiterhin an eine Beschleunigung der Geschäftstrends und ermutigen die Investoren dazu, noch ein oder zwei weitere Quartale Geduld zu haben.“

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