Immobilienmarkt
Taylor Wimpey schürt Angst

Die Krise auf dem britischen Immobilienmarkt spitzt sich zu. Der Aktienkurs des größten Häuserbauers brach um 50 Prozent ein, nachdem Anleger eine dringende Geldspritze verweigert hatten. Die Folgen spürte die gesamte britische Bankenbranche.

LONDON. Die Verwerfungen auf dem britischen Häusermarkt nehmen immer dramatischere Züge an. Gestern musste der Immobilienentwickler Taylor Wimpey einräumen, dass die Aktionäre eine dringend benötigte Geldspritze verweigert haben. Die Aktie der größten britischen Hausbaugesellschaft brach darauf hin um mehr als die Hälfte ein. Damit haben die Anteile des Unternehmens, das erst 2007 aus einer Fusion entstand, innerhalb von zwölf Monaten 90 Prozent ihres Wertes verloren.

Der britische Immobilienmarkt steuert auf die schwerste Krise seit den 1990er-Jahren zu, als das Land in eine Rezession rutschte. Zuletzt schürte eine Reihe neuer Hiobsbotschaften die Furcht vor einem Crash. Die Vergabe neuer Hypothekenkredite brach im Mai um mehr als 60 Prozent ein. Die Hauspreise sackten im neunten Monat in Folge ab, und die Zahl der verkauften Häuser fiel auf den tiefsten Stand seit den 1970er-Jahren. Skeptiker wie Ed Stansfield von Capital Economics befürchten, dass der Häusermarkt vor einem Preisrutsch von bis zu 30 Prozent steht.

Taylor Wimpey wollte sich von Investoren 500 Mill. Pfund beschaffen, um Löcher in der Bilanz zu stopfen, die durch Abschreibungen gerissen wurden. Angesichts der Marktturbulenzen sei jedoch keine Einigung erzielt worden, erklärte der Konzern und gab gleichzeitig die Trennung von seinem Finanzchef Peter Johnson bekannt.

Analysten etwa von Dresdner Kleinwort warnten vor der realen Gefahr eines Zusammenbruchs von Taylor Wimpey. Andere sprachen von einem Desaster und einem schweren Schlag für die gesamte Branche, deren Geschäftslage sich alarmierend verschlechtere. Die Investoren fürchten, dass die Baugesellschaften auf teuer gekauftem Land sitzen bleiben, während sich die Konditionen für Darlehen, mit denen sie die Grundstücke erworben haben, rapide verschärfen.

Nach Informationen aus Finanzkreisen hat die Krise der Immobilenentwickler auch die britische Finanzaufsicht FSA auf den Plan gerufen. Die Kontrolleure befürchten, dass die Baugesellschaften die Verträge mit ihren Hausbanken nicht mehr einhalten können. Gestern gerieten die Aktien der Branche unter Druck. Anteile des Taylor-Wimpey-Rivalen Barratt stürzten um satte 40 Prozent ab.

Die Papiere der größten britischen Hypothekenbank HBOS verloren rund drei Prozent an Wert und schürten damit die Furcht vor Turbulenzen bei der geplanten Kapitalerhöhung von vier Mrd. Pfund. Der Kurs von HBOS liegt mittlerweile mit 261 Pence klar unter dem geplanten Ausgabekurs der neuen Aktien von 275 Pence. Die Bezugsrechtsemission wird von den Banken Dresdner Kleinwort und Morgan Stanley garantiert. Theoretisch müssten sie die Papiere zum zugesagten Preis in die eigenen Bücher nehmen, falls die Kapitalerhöhung scheitern sollte. Allerdings haben beide Institute nach Informationen aus Finanzkreisen einen erheblichen Teil des Risikos an andere Investoren weitergereicht.

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