Indizes liegen auf dem höchsten Niveau seit drei Jahren
Europas Börsen ignorieren die EU-Krise

Die Aktienmärkte boomen und notieren auf dem höchsten Stand seit knapp drei Jahren. Doch rings um die Finanzmärkte geht es weniger freundlich zu: Die Erweiterung und Integration der Europäischen Union (EU) stockt, weil eine gemeinsame Verfassung nach den gescheiterten Referenden in Frankreich und den Niederlanden in weite Ferne gerückt ist.

DÜSSELDORF. Das gilt damit auch für künftige Absatzmärkte und billigere Produktionsstätten der großen westeuropäischen Unternehmen. Andererseits leiden die Aktien an mittel- und osteuropäischen Börsen, weil sich die Erwartungen einer raschen Anbindung an den Westen als übereilt erweisen dürften. Analysten sorgen sich, dass die Aktienmärkte darunter künftig leiden.

Franz Wenzel von Axa Investment Managers in Paris ist sichtlich verwundert, wie gut die Börsen bislang die zwei gescheiterten Referenden wegstecken. „Das ist es ja nicht allein. Noch schwerer wiegen die instabilen Regierungen in den drei Kernländern Italien, Frankreich und Deutschland. Hinzu kommen negative Konjunkturdaten aus Euro-Land und den USA“, zeigt sich Wenzel für die Zukunft besorgt.Konjunkturell signalisierten die jüngsten Daten aus den USA eine Abschwächung der Wirtschaft und gleichzeitig Inflationsgefahren. Solch eine Mischung gilt als „Gift“ für die Aktienmärkte, weil Notenbanken auf eine stärkere Teuerung gemeinhin mit höheren Zinsen reagieren, wodurch die Konjunktur zusätzlich geschwächt wird.

Allein der kräftige Rückgang des Euros und die günstige Bewertung der europäischen Aktienmärkte im Vergleich zu den USA verhindern laut Wenzel, dass die Kurse sinken. „Das allein wird in Zukunft aber nicht reichen. Wenn sich das äußere Umfeld nicht rasch bessert, dürften die Märkte unter Druck kommen“, prognostiziert er. Gemessen an den Erträgen der Unternehmen, sind europäische Aktien zurzeit gut 20 Prozent niedriger bewertet, als es dem Durchschnitt in den vergangenen 40 Jahren entspricht.

Gerade der Blick in die Zukunft stützt aber nach Einschätzung von Andreas Höfert, Senior Economist der UBS in Zürich, die Entwicklung an den Börsen in Europa. „Die Aktienmärkte richten sich bereits auf ein Europa ein, das vermutlich dynamischer sein wird als das Europa, das wir bis jetzt hatten“, sagt der UBS-Stratege. Die Märkte blickten schon weit in die Zukunft, wenn viele der aktuellen Probleme gelöst sein werden. Dies sei auch der Grund dafür, dass der zurzeit noch negative Zustand in Europa ignoriert werde.

Nicht ganz so negativ wie Axa-Stratege Wenzel sieht auch Mark Glazener, Fondsmanager beim Vermögensverwalter Robeco, die Lage. Er wertet die Abstimmungen in den Niederlanden und in Frankreich mit Blick auf die Aktienmärkte als „verpasste Chance“. „Denn ausländische Investoren hätten sich sonst möglicherweise stärker für Investments in Europa interessiert“, sagt er. Andererseits befürchtet er aber keinen Rückschlag für die Märkte, denn nichts habe sich verändert. „Die europäische Integration wird sich nur mit einem langsameren Tempo fortsetzen“, sagt Glazener.

Dies dürfte vor allem kleinere Börsen in Europa belasten, die in Erwartung einer weiter zügigen Osterweiterung zugelegt haben. „Sowohl durch das Nein der Franzosen und Niederländer als auch durch die Neuwahl in Deutschland dürfte sich die Geschwindigkeit der Erweiterung deutlich verlangsamen. Das wird zu Gewinnmitnahmen an Stellvertretermärkten wie Österreich, Griechenland und Finnland führen“, ist Rolf Elgeti, Leiter der Europa-Strategie bei ABN Amro in London, überzeugt. Der ATX in Wien notiert derzeit auf einem Rekordhoch und ist nach einem Plus von 40 Prozent in 2004 in diesem Jahr um weitere 20 Prozent gestiegen.

Bezogen auf die etablierten Börsenplätze in Westeuropa, macht sich Robeco-Fondsmanager Glazener jedoch keine Sorgen. Er rät Anlegern, weiter in die europäischen Aktienmärkte zu investieren. Robeco, eine Tochtergesellschaft der niederländischen Rabobank und größte Fondsgesellschaft des Landes, gewichtet europäische Aktien sogar über. Grund dafür sei, dass in den Vereinigten Staaten die wirtschaftliche Schwäche gerade einsetze. „Die USA werden damit weniger attraktiv“, sagt Glazener. Zudem seien europäische Aktien billiger; dies zeige beispielsweise der Vergleich der Aktien von BP gegenüber Exxon. Bei der Branchenauswahl setzt Robeco auf die europäische Gesundheitsindustrie und die Bereiche Industrie und Energie.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%