Industriemietalle sind mittelfristig nicht attraktiv
Aluminium-Angebot hält mit Nachfrage Schritt

Bei den Industriemetallen gibt es derzeit eine zweigeteilte Entwicklung: Einerseits haben Produktionsengpässe bei Nickel und Blei zu neuen Preishöchstständen geführt, andererseits sind die Preise für Kupfer und Zink stark gefallen. Experten erwarten zudem einen Preisrückgang von Aluminium.

PARIS. Weil bei Kupfer und Zink das Angebot stabil blieb, zeigen sich hier besonders deutlich die Bremsspuren, die auf die gesunkene Nachfrage aus den USA zurückgehen. Bei den meisten Industriemetallen ist mit tieferen Preisen zu rechnen – und zwar unabhängig davon, ob die Rezession im US-Häuserbau einen Einfluss auf andere Volkswirtschaften entfaltet.

Für den Aluminiumpreis ist entscheidend, ob der Bauxit-Abbau in Guinea, dem wichtigsten Produzenten, durch Streiks oder politische Unruhen unterbrochen wird. Für dieses Jahr dürfte das Angebot mit der Nachfrage Schritt halten. Erwartet wird deshalb ein leichter Preisrückgang – und 2008 dürften die Preise im Durchschnitt rund zehn Prozent unter dem Niveau von 2007 liegen. Bei Kupfer zeigen sich besonders deutlich die Auswirkungen des schwächeren Häuserbaus in den USA. Hinzu kommt der Abfluss spekulativer Gelder. Daten der Terminbörse Commodity Exchange Incorporated (Comex) und der Metallbörse London Metall Exchange (LME) weisen auf größere Short-Positionen hin. Nach einem Durchschnittspreis von 6 732 Dollar pro Tonne rechnen Experten für dieses Jahr mit einem Preis von 5 600 Dollar und für 2008 mit einem Preis von 4 650 Dollar.

Zum Preisanstieg des Nickels haben im vergangenen Jahr sowohl spekulative als auch fundamentale Faktoren beigetragen. Produktionsengpässe dürften allerdings bereinigt werden, und auch die Nachfrage wird sich voraussichtlich abschwächen. Für das laufenden Jahr sind zwar neue Preishöchststände möglich, doch bereits 2008 könnte es jedoch einen Rückgang von 40 Prozent geben.

Ähnlich ist die Situation bei Blei, wo eine hohe Nachfrage und niedrige Lagerbestände den Preis treiben. Weil die chinesischen Verarbeiter sehr rasch reagieren und die Produktionsausweitungen bereits ab Herbst spürbar werden, ist für 2008 mit einem Preisrückgang von 40 Prozent gegenüber dem diesjährigen Durchschnitt zu rechnen – dieser wird auf 1 600 Dollar geschätzt. Auch bei Zink, wo die Produktion in diesem Jahr um sechs Prozent ausgeweitet wird, sind für 2008 ein Durchschnittspreis von 2 700 Dollar zu erwarten, der damit deutlich unter dem des laufenden Jahres liegen würde.

Lediglich bei Zinn ist absehbar, dass die Preise das Rekordniveau halten werden: Indonesien geht gegen die illegale Produktion vor, in Bolivien könnte die Produktion ebenfalls gestört werden. Damit entstünde ein Versorgungsdefizit von 24 000 Tonnen. In diesem Jahr könnte es vor diesem Hintergrund neue Höchststände geben.

Für Anleger ergeben sich aus diesen Annahmen zwei Folgerungen: Erstens sind Industriemetalle mittelfristig kein besonders attraktives Investment. Andere Rohstoffbereiche wie Edelmetalle oder Rohöl bieten bessere Perspektiven. Zweitens reduzieren breit gefasste Rohwarenbaskets oder Indizes die Gewinne, die sich mit aussichtsreichen Rohstoffklassen erzielen ließen. Interessant sind Produkte, die nicht nur die Backwardation- und Contango-Probleme bei Futures, sondern auch die gespaltenen Aussichten bei den Rohwarenmärkten durch eine Beschränkung der Basiswerte auf besonders vielversprechende Rohstoffe berücksichtigen.

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