Informationstechnologie
Cisco gibt Branche neue Hoffnung

Cisco Systems beeindruckt mit einem starken Umsatz, einer optimistischen Prognose und einem Einkaufsprogramm. Der Netzwerkausrüster gilt als Stimmungsindikator für die Branche: Offenbar investieren die Unternehmen wieder. Analysten erwarten für die Aktie einen Kursanstieg. Einige Hintergründe der Erholung aber bleiben offen.
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STUTTGART. Die Technologiebranche wittert Morgenluft: Nach Intel, IBM und Microsoft hat auch der weltgrößte Netzwerkausrüster Cisco Systems mit seinen Quartalszahlen kürzlich die Erwartungen der Analysten übertroffen. Ein Umsatz von rund neun Mrd. Dollar und die erste positive Wachstumsprognose seit einem Jahr – das reichte, um die Anleger in Euphorie zu versetzen und die Aktie zeitweise um fast fünf Prozent nach oben zu schicken. Aktuell liegt der Aktienkurs bei rund 23,40 US-Dollar. „Die Erholung bei Cisco scheint stärker zu sein, als wir uns bislang vorstellen konnten“, sagt Analyst Simon Leopold von Morgan Keegan.

Das sind nicht nur gute Nachrichten für das kalifornische Unternehmen, sondern für den gesamten Technologiesektor. Cisco gilt als Stimmungsindikator. „Dass die Unternehmen wieder mehr Geld für Ciscos Netzwerke ausgeben, ist ein Zeichen, dass sie wieder an die Zukunft denken und bereit sind, in langfristige Projekte zu investieren“, sagte Analyst Jeffrey Evenson von Bernstein Research der New York Times.

Kunden wieder in Kauflaune

In den vergangenen Quartalen hatten sich Ciscos Geschäftskunden – zu denen neben großen Telefongesellschaften auch die Regierungen zahlreicher Länder zählen – mit Neuaufträgen für Router und Computerschaltanlagen stark zurückgehalten, weil die wirtschaftlichen Aussichten noch zu unsicher waren.

Doch jetzt scheinen die Kunden wieder zuversichtlicher – und in Kauflaune. Bis 2013 sollen die im Internet übertragenen Datenmengen laut Cisco-Schätzung auf das Fünffache steigen. Die Unternehmen beginnen nun wieder mit Neuinvestitionen, um den Ansturm zu bewältigen. William Choi von der Investmentbank Jefferies & Co. erkennt bei Cisco „einen klaren Aufschwung bei den Auftragszahlen, und der Umsatz kehrt zu seinem normalen Muster zurück“.

Auch Cisco-Chef John Chambers zeigt sich bullish. „Die Chancen stehen gut, dass wir im Rückblick sagen werden: Das dritte Quartal war tatsächlich die Talsohle, ab dem vierten Quartal ging es langsam wieder aufwärts, und im ersten Quartal 2010 begann dann ein aggressiver Aufschwung.“

Bisher allerdings sei das Tempo noch verhalten, und die Anleger sollten keine schnellen Wunder erwarten, mahnte Chambers. Seine Meinung hat sowohl bei Anlegern als auch bei Analysten viel Gewicht, seit der Firmenchef vor zwei Jahren als einer der ersten vor einem Abschwung der Wirtschaft gewarnt hatte, weil sich die Umsätze im Technologiesektor verlangsamten.

Die große Mehrzahl der Analysten rät derzeit zum Kauf der Cisco-Aktie. 30 von 42 Banken sehen die Titel optimistisch. Nur einer empfiehlt den Verkauf, 11 das Halten von Cisco.

Der größte Unsicherheitsfaktor dürfte derzeit die Frage sein, wie stark die aktuelle Erholung auf den sogenannten Finanzguss oder „Budget Flush“ zurückzuführen ist. Denn für Cisco ist das vierte Jahresquartal traditionell ohnehin das stärkste, weil viele Unternehmen kurz vor Jahresende ihre restlichen budgetierten Haushaltsgelder ausgeben müssen. Daher gebe es die Möglichkeit, „dass die Bestellungen Anfang nächsten Jahres wieder steil abfallen“, schreibt der Online-Finanzdienst TheStreet.com.

Cisco kauft Aktien zurück

Dennoch herrscht bei Cisco Optimismus. Die Chefetage will neue Arbeitsplätze schaffen. Das Aktienrückkaufprogramm läuft auf Hochtouren: Im gerade abgelaufenen Quartal holte sich die Geschäftsleitung 76 Mill. Aktien für insgesamt knapp zwei Mrd. Dollar vom Markt; außerdem genehmigte die Vorstandsetage eine Aufstockung des Programms auf rund 13 Mrd. Dollar.

Auch an anderer Stelle wird eingekauft. Allein seit Anfang Oktober hat Cisco sechs Mrd. Dollar für Firmenübernahmen ausgegeben. Diese Geschäfte seien ein guter Gradmesser für Ciscos „Zuversicht in die Wirtschaft – besser als alles, was sie sagen können“, kommentiert Analystin Simona Jankowski von Goldman Sachs.

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