Inside VW
Der Wolfsburger Konzern überzeugt die Investoren

Übernahmegerüchte und der Ehrgeiz des Managements treiben die Gewinnerwartungen und den Kurs hoch.
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Die Volkswagen-Aktie hat die Ankündigung der Chinesen, die Neuzulassung von Autos in Peking zu beschränken, stark getroffen. Kein Wunder - der Wolfsburger Konzern ist in China lange am Markt und dort auch besonders erfolgreich.

Der Rückschlag sollte aber den längerfristigen Trend nicht überdecken: Selten hat ein Dax-Neuling so überzeugt wie Volkswagen in diesem Jahr. Dax-Neuling? Kaum noch ein Anleger denkt daran, dass die Vorzugsaktien von VW erst seit einem Jahr im Dax vertreten sind. Damals haben sie die hauseigenen Stammaktien ersetzt. Deren Anteil an frei handelbaren Aktien war unter die erforderliche Marke von zehn Prozent gefallen, was für das Management des zweitgrößten Autobauers weltweit nicht weiter dramatisch war: Es stand ja kein anderer Kandidat als die eigenen Vorzüge für den Platz im Dax parat.

Deren Kurs hat sich im laufenden Jahr in etwa verdoppelt. Mit einem Preis von knapp 65 Euro ist die Aktie kurz vor den Weihnachtstagen 2009 in den Kreis der deutschen Top 30 eingezogen, bei mehr als 130 Euro lagen kürzlich die Spitzenwerte. Speziell seit dem Herbst bekam der Kurs noch einmal einen kräftigen Schub. "VW ist wie kein anderes Unternehmen in diesem Sektor positioniert, um von den Branchentrends zu profitieren und Wachstumstrends wahrzunehmen", sagt Yann Benhamou von der französischen Großbank BNP Paribas. Gerade erst hat er deswegen sein Kursziel für die Aktie von 139 auf 146 Euro nach oben geschraubt.

Wie ihm geht es den meisten seiner Kollegen. Rund 60 Prozent der 19 Analysten, die laut dem Informationsdienst Bloomberg die Aktie beobachten, raten weiter zum Kauf. Dazu gehört auch Ben Maslen von der Bank of America/Merrill Lynch. Für weitere Fantasie sorgt bei ihm das Thema Übernahmen. Porsche kam im vergangenen Jahr als zehntes Unternehmen im Konzern hinzu, Nummer elf folgte mit der Beteiligung am japanischen Massenhersteller Suzuki. Nummer zwölf soll der Lastwagenbauer MAN sein. "MAN repräsentiert das wahrscheinlichste Übernahmeziel in einer Kombination zwischen Volkswagen und Scania", sagt Ben Maslen.

Dass der Name MAN immer wieder fällt, wenn es um den Ausbau des VW-Konzerns geht, liegt an den Beteiligungen, die VW bei MAN wie beim schwedischen Lastwagenbauer Scania hat. Eine Fusion beider Unternehmen ist zwar vor Jahren gescheitert. Gerüchte über Varianten einer möglichen Zusammenarbeit gibt es jedoch beinahe im Wochenrhythmus. Scania hatte schon vor einiger Zeit mitgeteilt, einen Zusammenschluss zu prüfen. Von MAN hieß es kurz vor Weihnachten, eine Kooperation auf Augenhöhe bei der Technologie oder dem Einkauf sei sinnvoll.

Weiterer Kurstreiber der VW-Aktie ist der Plan des Managements, spätestens im Jahr 2018 Toyota als größten Autobauer der Welt abzulösen. Der Weg dorthin ist zwar noch weit. VW ist Analysten zufolge aber auf einem guten Weg. "VW zieht an Toyota auf der Überholspur vorbei", haben die beiden Commerzbank-Analysten Daniel Schwarz und Sascha Gommel eine Studie überschrieben. Die Gewinnerwartungen für die Jahre 2010 bis 2012 haben sie deutlich nach oben geschraubt. Das begründen sie mit den gestiegenen Erwartungen an Marktvolumina, Verkaufszahlen und der Planung für Investitionsausgaben. Ihr Kursziel haben sie deshalb auf 150 Euro angehoben.

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