Insider-Barometer
Insider drehen noch eine Warteschleife

Das Handelsblatt Insider-Barometer ist im Vergleich zur letzten Analyse leicht gesunken. Damit wird der Trend der ersten Wochen des Jahres fortgeschrieben: Insider halten sich mit ihren Käufen und Verkäufen zurück.

fgh DÜSSELDORF/FRANKFURT. "Insbesondere die Kauftransaktionen der Unternehmensinsider fallen im Vergleich zu Vorwoche nochmals leicht ab", sagt Olaf Stotz, Professor für Private Wealth Management an der Frankfurt School of Finance & Management. Die Verunsicherung durch die aktuellen Turbulenzen an den Kapitalmärkte führen jedoch nicht zu einem verstärkten Abgabedruck auf der Verkaufsseite, hier bleiben die Transaktionen weiter auf unterdurchschnittlichem Niveau.

Aktuell notiert das Insider-Barometerderzeit, das das Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) gemeinsam mit Commerzbank Wealth Management berechnet, mit 194,84 Punkten drei Punkte unter dem Wert der Vorwoche. Bereits ab 110 Punkten zeigt es eine überdurchschnittlich hohe Kauflaune bei den Top-Managern. Allerdings notiert es in diesen Dimensionen schon seit Sommer 2008, was den ausgeprägten Optimismus der Unternehmensinsider zeigt - im Unterschied zu Analysten und Volkswirten.

Unter den größten Käufen und Verkäufen sind vor allem Nebenwerte aus dem Small- und Mid-Cap-Bereich zu finden.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um die Abwrackprämie, die bei den potenziellen Neu- und Jahreswagenkäufern derzeit gut aufgenommen wird, entwickelt sich die Aktie des Entsorgungsunternehmen Interseroh recht stabil. Hier hält das Management (Axel und Eric Schweitzer) mittlerweile einen Anteil, der kürzlich auf 75 Prozent aufgestockt wurde. Allein für rund 20 Millionen Euro kauften die beiden Insider Ende Januar zu.

Im Vergleich zu anderen Werten hat sich die Aktie in der Krise robust gezeigt, sie legte in den vergangenen drei Monaten um fünf Prozent und im vergangenen Jahr um 20 Prozent zu. Als Entsorgungsunternehmen, dem rund 90 schrottplätze gehören, könnte Interseroh nun auch von der Abwrackprämie profitieren, doch positive Analystenstimmen sind zu dem Wert nur schwer zu finden. So senkte Equinet das Kursziel von Interseroh nach einer Gewinnwarnung Ende Januar von 35 auf 31 Euro und beließ die Einstufung auf "Reduce".

Pro Auto falle etwa eine Tonne Metallschrott an, die etwa 150 Euro einbringe, schrieb unlängst die "Wirtschaftswoche" und zitierte Interseroh-Chef Axel Schweitzer: "Wir reden bei der Umweltprämie immerhin über ein Gesamtvolumen von fast 90 Millionen Euro." Viele Altautos würden damit künftig nicht mehr nach Osteuropa oder Südafrika verkauft, sondern in Deutschland verschrottet.

Gleich aus mehreren Gründen angeschlagen ist das Investorvertrauen für die Aktie des Telekommunikationsunternehmens Drillisch. Aus Sicht der Commerzbank erfolgte der aktuelle Aktienverkauf von Aufsichtsrat Marc Brucherseifer (im Wert von rund 270.000 Euro) ohne Angabe von Gründen. Die Umbuchung von Freenet-Aktien aus der MSP Holding (gemeinsame Holding von United Internet und Drillisch) an United Internet lässt die Vermutung zu, so die Analysten, Drillisch habe aufgrund der angefallenden Abschreibungen Mittel benötigt. Die Berichterstattung zum vierten Quartal wird am 26. März erwartet. Weitere Abschreibungen auf den Freenet-Anteil sind wahrscheinlich, das operative Ergebnis sollte dagegen nicht enttäuschen. Auf Bewertungsbasis wäre Drillisch ein klarer Kauf, da die Aktie jedoch in keinem Index enthalten ist und der geringen Marktkapitalisierung sind in dieser Phase neuen Investoren nur schwer zu finden, so das Fazit der Commerzbank.

Voll zugeschlagen haben hingegen die Insider bei Cinemaxx: Die H+Z Beteiligungs GmbH kaufte innerhalb weniger Tage für mehr als 3 Mio. Euro rund 47 Prozent der Marktkapitalisierung des Kinobetreibers zu. Der Pennystock, der vor zehn Jahren mal 35,88 Euro kostete und aktuell bei 53 Cent pro Aktie notiert, lief unter großen Kurssprüngen seit 2000 praktisch nur abwärts, es wird außerdem keine Dividende ausgeschüttet.

Im Dezember hatte der Kinobetreiber seine Führungsspitze neu geordnet. Thilo Rieg (41), der als Mitglied der Geschäftsleitung die Bereiche Marketing und Vertrieb seit 2004 führte, wurde vom Aufsichtsrat in den Vorstand berufen. Der Theater- und Kommunikationswissenschaftler Rieg soll mit Christian Gisy, der nun als Vorstandschef fungiert, die Kinokette 2009 in die schwarzen Zahlen führen. Gisy, zuvor Finanzchef, hatte im Frühjahr die Nachfolge von Kinogründer Hans-Joachim Flebbe angetreten. Zu den aktuellen Geschäftsaussichten äußerte Gisy sich unlängst im Handelsblatt-Interview.

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